Anja Kalski

Die größten Fallen bei der Kreditaufnahme: Hier ist Vorsicht angebracht

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Die Möglichkeiten rund um die Aufnahme von Krediten haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Nie war es so simpel und einfach, den Kredit aufzunehmen und sich seine Wünsche zu erfüllen. Allerdings liegt die Gefahr nicht selten im Detail und rund um die Kreditaufnahme warten Fallen darauf, dass wieder einmal jemand in sie hineintappt. Welche Fehler häufig gemacht sind und, viel wichtiger, wie sie vermieden werden können, das zeigt dieser Artikel.

 

Falle Nummer 1: Nur auf eine Bank setzen

Manchmal muss es schnell gehen. Zugleich haben viele Verbraucher schon etliche Produkte oder Dienstleistungen verglichen oder erinnern sich noch an die Mühen aus früherer Zeit. Da liegt es nahe, einfach das erstbeste Kreditangebot auszuwählen, oder? Das ist leider ein häufiger Fehler, der den Verbrauchern oft Geld kostet. Denn:

-      Konkurrenzkampf – der Markt der Kredite ist hart umkämpft. Daher unterscheiden sich die Zinskosten teilweise deutlich voneinander. Durch einen kreditvergleich lassen sich also im Idealfall durchaus einige hundert Euro sparen. Doch auch die weiteren Konditionen des Kredits variieren je nach Bank und Angebot.

-      Abschlusswahrscheinlichkeit – die erste Bank in einem Vergleich ist nicht ausgerechnet die, die einem den Kredit vergibt. Denn viele Banken schließen in den Details Verbrauchergruppen aus, sodass die Anfrage dort nicht nur Zeit kostet, sondern zu keinem positiven Ergebnis führt.

-      Kostenaufbau – Banken mit stationären Filialen haben wesentlich höherer Kosten zu tragen als Onlinebanken oder Institute, die überwiegend auf das Onlinegeschäft setzen. Auch diese Faktoren offenbaren sich in der Höhe der Zinsen.

Grundsätzlich gilt die Regel, dass Verbraucher mindestens drei unterschiedliche Kredite miteinander vergleichen sollten. Über einen Kreditvergleich ist das nicht nur einfach, der Vergleich sortiert viele der nicht zu den eigenen Angaben zutreffenden Kredite bereits im Vorfeld aus. Natürlich darf auch ein Angebot der Hausbank angefragt werden, damit ein vollständiges Bild entsteht.

 

Falle Nummer 2: Die eigene Bonität nicht checken

Wie steht es um die eigene Bonität? Die meisten Menschen denken nun direkt an ihren Kontostand und nicken wahlweise oder sie zucken mit den Schultern. Aber die Frage dreht sich um die »unsichtbare« Bonität, also den Daten, die in der Schufa stehen. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt im Onlinegeschäft, denn jeder Händler, jede Bank fragt die Bonität bei der Schufa ab. Die hauseigenen Richtlinien entscheiden nun, wer nach der Bonitätsauskunft überhaupt weiter für den Kredit geprüft wird.

Grundsätzlich ist es ratsam, wenigstens einmal jährlich die Datenauskunft bei der Schufa anzufordern. Sie beinhaltet:

-      Anfragen – Anfragen und Einträge aus den letzten 12 Monaten. Das können Anfragen von Mobilfunkanbietern vor einem neuen Vertrag sein. Aber auch Bonitätsabfragen rund um Kreditkarten. Auch Girokonten werden hierbei aufgeführt.

-      Allgemeine Daten – das sind die Daten zur Person und zum eigenen Wohnsitz.

-      Scoring – die Datenauskunft beinhaltet nur eine kurze Scoringübersicht. Anhand von Plus- und Minuszeichen werden einzelne Branchenbereiche bewertet, woraus sich letztendlich der allgemeine Score und ein spezifischer Score errechnen.

Die Datenauskunft ist direkt über die Seite der SCHUFA einzuholen und sie ist kostenlos. Sie dient in erster Linie einem sehr knappen Einblick, doch fällt der Scorewert negativ auf, so hat ein Verbraucher einen ersten Anhaltspunkt und kann nun eine echte Schufa-Auskunft einholen. Diese ist kostenpflichtig, bietet aber:

-      Einträge – welche Eintragungen liegen vor? Gerade bei negativen Eintragen ist es sinnvoll, die Frist seit der Erledigung zu prüfen. Eventuell wurde ein Eintrag bei der Löschung vergessen?

-      Anfragen – sie werden genauer aufgeschlüsselt. Mitunter ist dieser Punkt sehr interessant, denn sollte beispielsweise eine Bank keine Konditionsabfrage, sondern eine Zinsabfrage gestellt haben, so kann die Schufa dies negativ bewerten.

-      Vorgehen – wenn falsche oder veraltete Daten vorhanden sind, so kann – und sollte – der Verbraucher diese anmahnen und die Löschung fordern. Allerdings geschieht das oft nicht sofort, sondern erst mit dem nächsten Löschvorgang.

Für die SCHUFA-Auskunft ist es möglich, sich online bei der SCHUFA anzumelden und die Auskunft virtuell vorzunehmen. Das spart Zeit, außerdem lassen sich fehlerhafte Einträge wesentlich besser melden, wenn die Meldung nur einen Mausklick entfernt ist.

 

Falle Nummer 3: Falsche Angaben beim Kreditvergleich

Jeder flunkert mal. Doch gibt es Zeiten, in denen Flunkern erlaubt ist, und Zeiten, in denen die Wahrheit das höchste Gut ist. So beispielsweise bei einem Kreditvergleich. Basiert der Vergleich schon auf fehlerhaften Angaben, können die Ergebnisse nicht passen. Letztendlich schadet sich der Kunde damit selbst, denn fragt er einen Kredit anhand falscher Eingaben an, wird er höchstwahrscheinlich eine Ablehnung erhalten, da er nicht in die angesprochene Kundengruppe fällt.

Wesentlich drastischer sind jedoch fehlerhafte Angaben bei der Kreditanfrage. Gerade bei Onlinekrediten erfolgt die Anfrage direkt mit dem Einsenden von Gehaltsabrechnungen und anderen Verdienstbescheinigungen. Wer nun falsche Angaben tätigt, der hat ein Problem:

-      Prüfung – der Kunde wird ohnehin auf seine Kreditwürdigkeit geprüft. Wer, überspitzt gesagt, angibt, monatlich 15.000 Euro zu verdienen, aber dann den digitalen Kontoblick erlaubt, der einen Gehaltseingang von 1.500 Euro preisgibt, der hat schlechte Chancen. Ähnliches gilt übrigens bei Arbeitsverhältnissen in der Probezeit oder bei Befristungen. Schließt die Bank diese Arbeitsverhältnisse aus, so hilft auch eine falsche Angabe nicht. Immerhin steht auf den meisten Gehaltsabrechnungen der Eintritt in das Arbeitsverhältnis – sechs Monate Probezeit kann sich jede Bank selbst ausrechnen.

-      Eklatante Falschangaben – drastisch kann sich ein falscher Verwendungszweck auswirken. Dieser Weg scheint teilweise verlockend, da Autokredite oder Umschuldungskredite oft günstigere Zinsen haben. Das Problem: Kommt heraus, dass der Kredit nicht für den Autokauf oder eine Umschuldung genutzt wurde, hat die Bank nicht nur das Recht, die Konditionen vollständig neu zu berechnen (auf Kosten des Kreditnehmers), sie kann den Vertrag auch direkt kündigen und die Rückzahlung der gesamten Kreditsumme verlangen.

Falsche Angaben lohnen sich im Regelfall nie. Selbst, wenn die Bank den Kredit nicht kündigt, wird sie eine Nachberechnung durchführen und die Zinsen deutlich höher ansetzen. Unter dem Strich heißt das also: draufzahlen.

 

Falle Nummer 4: Zu hohe Rückzahlungsraten ansetzen

Schuldenfreiheit ist ein hohes Gut. Viele Bürger wünschen sich daher, einen Kredit in möglichst kurzer Zeit zurückzuzahlen. Das spart Geld, da die Zinskosten niedriger sind. Doch dieser Weg lohnt sich nicht immer:

-      Finanzieller Spielraum – trotz Kreditraten sollte monatlich ein guter finanzieller Spielraum vorhanden sein. Gerade aktuell sollten Verbraucher monatlich einen Betrag zur Seite legen, um die Energiekosten tragen zu können.

-      Verzug – wer seine monatlichen Raten zu hoch ansetzt, der läuft schneller in Gefahr, in Verzug zu geraten. Ein Unfall mit Krankengeldbezug oder eine kurze Arbeitslosigkeit genügen schon, damit die Raten nicht mehr bezahlt werden können.

-      Folgen – die Bank mahnt die fehlenden Raten an und kann schließlich den Kredit kündigen – und zurückfordern. Die Kosten, die nun entstehen, sind weitaus höher, als die Zinskosten einer längeren, dafür aber sicheren Laufzeit. Ein gekündigter Kredit steht in der Schufa und senkt die Bonität auf Jahre rapide ab.

 

Wie sollte ein Kreditvergleich angegangen werden?

Es ist gut, sich vor dem Kreditvergleich vorzubereiten. Ein simpler Tipp ist eine ordentliche Haushaltsrechnung, denn ihr Ergebnis (nach Abzug aller Puffer und Notgroschen) entscheidet, wie hoch die monatliche Rate ausfallen darf. Somit entscheidet sie auch über die Länge der Laufzeit und der möglichen Kredithöhe. Eine solche Haushaltsrechnung funktioniert ganz einfach:

1.    Alle regelmäßigen Einkünfte zusammenrechnen

2.    Davon alle regelmäßigen Ausgaben abziehen

3.    Puffer und Notreserve einkalkulieren

Der daraus resultierende Differenzbetrag steht dann für die monatliche Kredittilgung zur Verfügung.

Ist die Vorarbeit geleistet, helfen Kreditvergleichsportale weiter. Sie bieten nicht nur Standardkredite, die von den Banken schon fix vorgegeben sind, sondern sie erlauben diverse Auswahlmöglichkeiten. Wichtig ist, nun auch den Kreditzweck möglichst zielsicher zu benennen. Wer ein Auto kaufen möchte, der wählt den Autokredit, wer den Dispo ablösen möchte, den Kredit zur Dispoablöse. Freie Kredite, also die ohne eine Zweckbindung, sind meist teurer.

Hat der Vergleichsrechner die Ergebnisse preisgegeben, werden diese anhand der Zinsen, Zinsspannen und den Details verglichen. Welcher Kredit bietet einen höheren Komfort? Welcher Kredit bietet kostenlose Sondertilgungen und vorzeitige Rückzahlungen? All diese Kriterien können bei der Kreditwahl am Ende eine wichtige Rolle spielen.

 

Wie lassen sich die Zinsen positiv beeinflussen?

Eine solide Bonität ist schon sehr vorteilhaft für die Zinsberechnung. Die eigene SCHUFA-Auskunft sollte also regelmäßig kontrolliert werden, damit keine fehlerhaften Einträge auftauchen. Doch es gibt weitere Möglichkeiten:

-      Zweiter Kreditnehmer – er tritt gegenüber der Bank gleichberechtigt auf und stellt somit eine zusätzliche Sicherheit dar. Allerdings sollten beide Kreditnehmer untereinander einen Vertrag schließen und die Kreditaufnahme klar klären. Dies kann beispielsweise für Studenten ein gangbarer Weg sein, um überhaupt einen Kredit zu erhalten. Hier springen oft die Eltern als zweite Kreditnehmer ein. Dies ist jedoch nur einer der Punkte, worauf Studenten bei der Kreditaufnahme achten sollten. So wird beispielsweise das Kindergeld oder das BAföG nicht als Einkommen gewertet.

-      Bürge – auch ein Bürge erhöht die Sicherheit für die Bank. Auf den Bürgen greift die Bank dann zurück, wenn der eigentliche Kreditnehmer nicht zahlen kann.

Beide Varianten erfordern ein hohes Maß an Verantwortung, denn sowohl der zweite Kreditnehmer als auch der Bürge müssen einstehen, wenn der Kreditnehmer die Raten nicht mehr zahlen kann. Da zweite Kreditnehmer häufig Ehepartner oder Partner sind, sollten die Details geklärt sein. So mancher zweiter Kreditnehmer geriet in die Privatinsolvenz, weil der Partner verstarb oder nach der Trennung den Verpflichtungen nicht mehr nachkam.

 

Fazit – lieber mehr Zeit lassen

Bei der Suche nach einem Kredit sollten sich Verbraucher stets die Zeit lassen und Angebote sehr genau miteinander vergleichen. Die eigene Vorbereitung zwecks Bonität und Haushaltsrechnung ist zudem unerlässlich. Wie soll ein Kredit aufgenommen werden, wenn nicht bekannt ist, wie viel Geld eigentlich monatlich zur Verfügung steht? Hinsichtlich der schnellen Rückzahlung muss die eigene Sicherheit vorgehen. Durch eine längere Laufzeit erhöhte Zinskosten sind zwar ärgerlich, doch stehen sie weit hinter den Folgen eines geplatzten Kredits und dessen Folgekosten. Denn wird ein Kredit durch die Bank gekündigt, so ist es auf etliche Jahre kaum noch möglich, ein neues Darlehen aufzunehmen.

 

 


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