Anja Kalski

Autokauf in Corona-Zeiten

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Die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen sind auch während der Corona-Pandemie und der Lockdowns weiter gestiegen. Dabei bleiben die Kreditzinsen niedrig. Für Kreditnehmer lohnt es sich dennoch, gründlich zu vergleichen, um das günstigste Kreditangebot zu finden. Denn bei Bedarf einen Kredit über den Autohändler aufzunehmen ist nicht immer die beste Entscheidung. Autohändler arbeiten nur mit einem bzw. einigen wenigen Kreditinstituten zusammen – in der Regel sind dies die Banken der Fahrzeughersteller, die sie vertreten – und sie sind nicht daran interessiert, ein besonders niedriges Zinsangebot zu machen. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich demnach für Autokäufer. Denn auch das gewünschte Auto einfach online finanzieren ist zum Beispiel ganz leicht möglich. Doch wie findet man eine Autofinanzierung zu den bestmöglichen Konditionen?

Warum sind die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gestiegen?

Schon seit einigen Jahren steigen die Preise vor allem für Neuwagen. Und auch die Corona-Pandemie mit den Lockdowns und den eingeschränkten Fahrmöglichkeiten hat daran nichts geändert. Zwar gingen die Preise für Gebrauchtwagen im Jahr 2020 zunächst zurück, doch dann wurde auch hier ein Anstieg wieder deutlich bemerkbar.

Das Auto ist eine der teuersten Anschaffungen für viele Verbraucher

Damit bleibt der Status Quo, dass der Autokauf für viele Menschen neben dem Eigenheim zu den teuersten Anschaffungen gehört, die sie im Laufe ihres Lebens tätigen. Und nicht jeder kann einen so hochpreisigen Wagen aus der Portokasse finanzieren. Oft heißt es, fleißig sparen, bevor ein neues Fahrzeug angeschafft werden kann. Doch was, wenn der alte Wagen den Geist aufgibt, das Sparbuch aber für ein neues Auto noch nicht genug Rücklagen aufweist? Dann ist eine Finanzierung durch eine Bank oder ein Kreditinstitut häufig die einzige Lösung. In Zeiten von Niedrigzinsen ist dies zum Glück kein allzu großes Problem. Kredite sind im Gegensatz zu Fahrzeugen noch immer günstig zu haben.

Auffälliger Preisanstieg vor allem bei Gebrauchtwagen

Millionen Autofahrer haben sich im Jahr 2020 einen neuen PKW angeschafft – zwar weniger Menschen als noch im Jahr 2019, doch investierten sie im Durchschnitt deutlich mehr Geld als die Käufer im Vorjahr. Über acht Prozent mehr zahlten Kunden 2020 für Neuwagen als noch 2019. Gebrauchtwagen wurden sogar um ganze 20 Prozent teurer. Und dass die Kunden mehr zahlten, geschah nicht unbedingt freiwillig. Denn im Gegensatz zu den Autopreisen steigen die Reallöhne weniger schnell. Dennoch setzen Autohersteller und Autohändler immer höhere Preise für die Automodelle an.

Höhere Preise durch höhere Standards

Dieses Phänomen erklärt sich vor allem durch verbesserte Standards bei den verschiedenen Automodellen. Während eine Klimaanlage vor gar nicht allzu vielen Jahren lediglich in Luxusfahrzeugen serienmäßig verbaut war, ist sie heute Standardausrüstung. Vor allem auch die Sicherheitsstandards der PKW haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Und das lassen sich Verbraucher gerne etwas kosten. Dass die Preise für Neuwagen damit teurer und teurer werden, ist leicht zu verstehen. Und durch die gestiegenen Preise der Neuwagen wächst die Nachfrage an Gebrauchtwagen. Daher können Händler auch diese zu immer höheren Preisen an den Mann und an die Frau bringen.

Darum sind Kredite über den Autohändler oft teurer

Unter diesen Voraussetzungen ist es auch kaum verwunderlich, dass immer mehr Menschen beim Autokauf auf eine Finanzierung zurückgreifen müssen. Diese wird oft vom Autohändler gleich mitangeboten. Und das Finanzierungsangebot direkt beim Händler abzuschließen, scheint verlockend. Spart man doch so viel Zeit, wenn das Angebot direkt vor Ort angenommen wird. Zeit spart man vielleicht ein wenig, aber Geld eher selten. Denn der Händler ist in der Regel nicht daran interessiert, dass beste Kreditangebot zu unterbreiten. Denn was viele Autokäufer nicht wissen:

Der Autohändler verdient auch am Kredit.

Die Autohändler erhalten in der Regel eine Provision vom Kreditinstitut bei erfolgreicher Vermittlung eines neuen Kunden. Dabei hängt die Höhe der Provision nicht ausschließlich von der Höhe der Finanzierung ab, sondern auch vom vermittelten Zinssatz. Anders ausgedrückt: Der Händler hat hier einen gewissen Spielraum, in dem er die Zinsen ansetzen kann. Je höher sie ausfallen, umso besser für den Händler und seine Provision.

Wer sich dieser Vorgehensweise bewusst ist, den wird es kaum wundern, dass sich die Zinsen für Autokredite um bis zu 80 Prozent unterscheiden. Laut mobile.de beträgt der durchschnittliche Preis beim Kauf eines Gebrauchtwagens 25.711 Euro. Wer diesen Betrag über einen Zeitraum von sechs Jahren finanziert, kommt so auf einen Zinsunterschied von bis zu 9.400 Euro. Beim Kauf eines Neuwagens unterscheiden sich die Zinsen im Schnitt sogar um bis zu 13.300 Euro.

Wer um diese Möglichkeiten weiß, wird gerne ein wenig Zeit investieren, um nicht beim erstbesten Angebot vom Autohändler zuzuschlagen, sondern Kredite zu vergleichen.

Autohändler machen häufig nur ein einziges Finanzierungsangebot. Im besten Fall auch einmal zwei oder drei. Damit sind die Möglichkeiten für einen günstigen Kredit noch lange nicht ausgeschöpft.

Die Zeit ist nicht nur gut investiert. Es ist inzwischen auch deutlich weniger aufwendig für Verbraucher, Kredite zu vergleichen und den günstigsten Kredit zu finden. Denn die Zeiten, in denen man persönlich bei den einzelnen Kreditinstituten vorsprechen musste, um Anfragen beantwortet zu bekommen, sind lange vorbei. Inzwischen können Kreditkonditionen bequem von zu Hause aus über Vergleichsportale im Internet verglichen werden. Auf diese Weise kann sich jeder einen schnellen Überblick über seine Möglichkeiten verschaffen, unterschiedliche Varianten der Finanzierung durchspielen und dann gezielt Anfragen bei den für ihn in Frage kommenden Banken stellen.

Möglichkeiten für günstige Autokredite

Gestiegene Preise bei Neu- und Gebrauchtwagen und kein Ende abzusehen – das ist die schlechte Nachricht. Doch es gibt auch gute Nachrichten für Autokäufer. Denn die Zinsen für Autokredite sind weiterhin auf einem denkbar niedrigen Niveau. Wer geschickt vergleicht, kann also die gestiegenen Anschaffungskosten gut ausgleichen. Autokredite sind sogar noch einmal einige Prozentpunkte günstiger als vor der Corona-Pandemie. Aktuell zahlen Verbraucher nur noch etwa die Hälfte an Zinskosten wie vor acht Jahren. Doch wie genau die Zinsen ausfallen, hängt von unterschiedlichen Faktoren und nicht zuletzt von der Bonität des Käufers ab.

Zudem gibt es für den Autokredit verschiedene Finanzierungsarten. Die wichtigsten sind

·         Ballonfinanzierung

·         Drei-Wege-Finanzierung

·         Der klassische Autokredit

·         Leasing

Ballonfinanzierung

Die Ballonfinanzierung wird auch Finanzierung mit Schlussrate genannt. Wie bei anderen Krediten wird auch hier eine gleichbleibende monatliche Rate zur Tilgung des Kredits gezahlt, doch es bleibt eine Restsumme übrig, eine als Ballon bezeichnete Schlussrate.

Drei-Wege-Finanzierung

Der Name verrät es: Im Rahmen einer Drei-Wege-Finanzierung hat der Kreditnehmer gegen Ende der Kreditlaufzeit drei unterschiedliche Möglichkeiten zur Wahl. Er kann wie bei der Ballonfinanzierung eine Schlussrate bezahlen oder eine Anschlussfinanzierung aufnehmen. Wer das Auto nach Auslaufen des Kredits nicht behalten möchte, kann es auch verkaufen und hat damit eine dritte Möglichkeit die Restschuld zu begleichen.

Klassischer Autokredit

Der beliebteste Weg zur Autofinanzierung ist der klassische Autokredit. Es handelt sich bei dieser Kreditform um ein zweckgebundenes Darlehen. Der Preis des Autos entspricht der aufgenommenen Kreditsumme. Die Zweckgebundenheit dieses Kredits ermöglicht oft besonders günstige Kreditkonditionen. Schließlich hat die Bank als Sicherheit das Auto, das jederzeit verkauft werden kann, wenn der Kreditnehmer in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Wer möchte, kann natürlich auch einen Ratenkredit für die freie Verwendung aufnehmen und zur Finanzierung des Autos nutzen. Ein solcher Kredit verschafft mehr Flexibilität und weitere Anschaffungen können über ihn finanziert werden. Allerdings ist er meist teurer und mit einem höheren Zinssatz verbunden als die zweckgebundene Variante. Zurückgezahlt werden sowohl der klassische Autokredit als auch das Darlehen zur freien Verwendung in gleichbleibenden monatlichen Raten.

Autoleasing

Leasing ist besonders beliebt bei Autofahrern, die ihren Wagen vor allem als Nutzfahrzeug betrachten und vornehmlich für Arbeitswege brauchen. Oft ist hier auch ein Leasing über den Arbeitgeber gefragt. Beim Autoleasing wird ein Fahrzeug über einen vertraglich festgeschriebenen Zeitraum gemietet. Monatlich ist dafür ein gewisser Betrag an den Autohändler zu zahlen, der vom Modell des Fahrzeugs und vom Fahrzeugalter abhängt. Dabei ist der Betrag jeden Monat konstant. Wer möchte, kann nach Ende des Leasingvertrags das Fahrzeug auslösen bzw. kaufen. In der Regel genießen Leute, die ein Fahrzeug leasen aber gerade den Vorteil, das Modell gegen ein neues Leasingfahrzeug zu tauschen, bevor der Wagen ein Alter erreicht, zu dem größere Reparaturen fällig werden.

Kredit ohne Schufa

Manch ein Autokäufer muss sich fragen, ob er trotz negativem Schufa-Eintrag kreditwürdig ist. Wer hier bestimmte Voraussetzungen erfüllt, kann tatsächlich auch ohne gute Schufa eine Finanzierung erhalten. Dies sollte aber immer nur der letzte Ausweg sein– zum Beispiel, wenn die Anschaffung eines neuen Wagens dringend notwendig ist, weil man es für die Arbeit braucht und keine alternativen Möglichkeiten hat. Die Konditionen für einen Kredit unter solchen Bedingungen werden schlecht sein. Denn die Kreditkonditionen verschlechtern sich mit sinkender Bonität. Die Banken lassen sich das Risiko, das sie bei einer solchen Finanzierung eingehen, bezahlen. Und wer nicht aufpasst, gerät leicht in die Schuldenfalle. Daher ist es ratsam, nicht übereilt zu handeln und im besten Fall dafür zu sorgen, dass sich die Bonität bessert, bevor ein Kreditantrag gestellt wird.

Vorsicht: Finger weg von dubiosen Kreditangebot durch private Finanzierung oder ausländische Geldinstitute. Hohe Zinsen gehen hier mit einem hohen Risiko Hand in Hand.

Die Bonität kann beispielsweise verbessert werden, indem ein weiterer Kreditnehmer hinzugenommen wird. Banken sehen gerne zwei Einkommen als Sicherheit. Und die Chance auf bessere Konditionen erhöhen sich unter diesen Voraussetzungen.

Übrigens: Es kann vorkommen, dass bei der Schufa ungerechtfertigte Einträge vorliegen. Auch wer davon ausgeht, dass er eine gute Schufa-Auskunft zu erwarten hat, sollte daher vor dem Kreditantrag seine Schufa-Einträge prüfen und gegebenenfalls Schritte einleiten, um fehlerhafte Einträge löschen zu lassen.
 


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