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Wie beeinflussen Veranstaltungen die regionale Wirtschaft?

Bild: Symbolbild KI generiert ak-kurier

Festivals, Stadtfeste, Märkte und kulturelle Ereignisse, die von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu belebt werden, prägen seit Jahrhunderten das Bild deutscher Regionen, wobei sie tief in der Identität und im Selbstverständnis der jeweiligen Gemeinschaften verankert sind. Ihr tatsächlicher Wert reicht jedoch weit über bloße Unterhaltung und das Gemeinschaftsgefühl hinaus. Jede Veranstaltung löst eine wirtschaftliche Kettenreaktion aus, die Gastronomen, Hoteliers, Einzelhändler und Dienstleister gleichermaßen betrifft, weil die Ausgaben der Besucherinnen und Besucher in zahlreiche Bereiche der lokalen Wirtschaft fließen. Gerade in ländlichen Gebieten und Kleinstädten, die abseits großer Ballungszentren liegen, kann ein gut organisiertes Event zum wichtigsten Umsatztreiber des gesamten Jahres werden, weil es Besucherströme anzieht und die lokale Wirtschaft spürbar belebt. Dabei spielen nicht nur die direkten Ausgaben der Besucherinnen und Besucher eine Rolle, sondern auch langfristige Effekte wie Standortattraktivität, Arbeitsplätze und Investitionen. In diesem Ratgeber wird beleuchtet, welche konkreten wirtschaftlichen Impulse von regionalen Veranstaltungen ausgehen, welche Branchen besonders davon profitieren und warum Kommunen gut daran tun, ihr Veranstaltungsangebot strategisch auszubauen.

 

Wirtschaftliche Impulse durch Events vor Ort

Direkte Umsatzeffekte für lokale Betriebe

Wenn tausende Gäste zu einem Weinfest, einem Weihnachtsmarkt oder einem Open-Air-Konzert strömen, steigt die Nachfrage in der gesamten Umgebung spürbar an. Restaurants verzeichnen volle Tische, Cafés verkaufen deutlich mehr, und Übernachtungsbetriebe melden oft über Wochen hinweg ausgebuchte Zimmer. Wer beispielsweise die Veranstaltungen in Altenkirchen entdecken möchte, erkennt schnell, wie breit das Spektrum an kulturellen und gesellschaftlichen Angeboten in einer einzelnen Gemeinde sein kann. Solche Terminkalender verdeutlichen, dass regionale Eventkultur kein Zufallsprodukt ist, sondern das Ergebnis bewusster Planung.

Die unmittelbaren Ausgaben der Besucherinnen und Besucher verteilen sich auf mehrere Bereiche, die jeweils einen unterschiedlich großen Anteil an den gesamten Pro-Kopf-Aufwendungen während einer Veranstaltung ausmachen. Dazu gehören Eintritt, Essen, Getränke, Souvenirs, Parken und Transport. Laut Studien gibt ein Tagesbesucher bei einem mittelgroßen Stadtfest durchschnittlich 30 bis 60 Euro aus. Bei mehrtägigen Veranstaltungen erhöhen sich die Pro-Kopf-Ausgaben durch Übernachtungen und Restaurantbesuche auf bis zu 150 Euro. Dieses Geld stärkt direkt die lokale Wirtschaft und Kaufkraft.

 

Der Multiplikatoreffekt - wie ein Euro mehrfach wirkt

Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der sogenannte Multiplikatoreffekt, der beschreibt, wie ein einzelner ausgegebener Euro durch verschiedene Stufen der lokalen Wertschöpfungskette wandert und dabei an jeder Station weitere wirtschaftliche Aktivität in der Region auslöst. Ein einzelner Euro, der von einem Besucher bei einer Veranstaltung ausgegeben wird, verschwindet keineswegs aus dem wirtschaftlichen Kreislauf, sondern zirkuliert mehrfach durch die lokale Wirtschaft, wobei er auf seinem Weg verschiedene Betriebe und Dienstleister in der Region erreicht und dort jeweils neue Umsätze auslöst. Der Gastwirt kauft frische Zutaten beim regionalen Bauern, der Bauer investiert in Saatgut vom örtlichen Landhandel, und der Landhandel beauftragt eine Druckerei mit neuen Katalogen. Der regionale Multiplikator liegt bei guten Veranstaltungen zwischen 1,4 und 2,1. Das bedeutet in der Praxis, dass jeder direkt eingenommene Euro zusätzlich zwischen 40 und 110 Cent an weiterem wirtschaftlichem Umsatz in der unmittelbaren Region erzeugt und dort für Wertschöpfung sorgt.

Besonders deutlich wird dieser Kreislauf bei Veranstaltungen, die gezielt auf regionale Produkte und Dienstleistungen setzen. Lokale Dienstleister stärken die regionale Wertschöpfung spürbar. Gemeinden, die diesen Ansatz konsequent verfolgen und lokale Anbieter bevorzugen, berichten von deutlich stärkeren wirtschaftlichen Rückflüssen in die Region als solche Kommunen, die stattdessen auf überregionale Großanbieter zurückgreifen.

Diese Branchen profitieren am meisten von regionalen Veranstaltungen:

1.     Gastronomie und Hotellerie – durch mehr Besucher und Übernachtungsgäste

2.     Einzelhandel – durch Spontankäufe und längere Aufenthaltszeiten in der Innenstadt

3.     Transportgewerbe – durch Taxifahrten, Busshuttle-Dienste und erhöhte Kraftstoffnachfrage

4.     Veranstaltungstechnik und Eventlogistik – Aufträge für Bühnen, Licht, Ton und Absperrungen

5.     Kreativwirtschaft – durch Engagements für Künstler, Musiker, Grafikdesigner und Fotografen

6.     Handwerk – durch Auf- und Abbauarbeiten, Standbau und temporäre Infrastruktur

 

Langfristige Standortvorteile und gesellschaftlicher Mehrwert

Regionale Identität als Wirtschaftsfaktor

Veranstaltungen bewirken weit mehr als nur kurzfristige Spitzen beim Umsatz. Sie prägen das Bild einer Region und steigern deren Sichtbarkeit. Bekannte Feste ziehen Gäste an und bleiben im Gedächtnis. Diese Bekanntheit wirkt wie kostenlose Werbung und steigert die Besucherzahlen ganzjährig.

Gerade in Zeiten des demografischen Wandels stellt ein lebendiger Veranstaltungskalender zudem einen wichtigen Standortfaktor für Fachkräftegewinnung dar. Junge Familien und qualifizierte Arbeitnehmer achten bei der Wohnortwahl zunehmend auf kulturelle Angebote, Freizeitmöglichkeiten und ein aktives Gemeinschaftsleben. Regionen mit regelmäßigen Kulturereignissen positionieren sich daher im Wettbewerb um Zuzügler deutlich besser als Gemeinden ohne solche Angebote. Vertiefende Einblicke zu diesem Zusammenhang zwischen Lebensqualität und Standortentwicklung bieten die Fachinformationen zur regionalen Wirtschaftspolitik, die verschiedene Fördermechanismen aufschlüsseln.

Ein weiteres Beispiel für die enge Verbindung von Eventkultur und wirtschaftlicher Resilienz liefert die Veranstaltungsbranche selbst. Als während der Pandemiejahre sämtliche Bühnen dunkel blieben, wurde schmerzhaft deutlich, welche finanziellen Lücken das Fehlen von Veranstaltungen reißt. Aktionen wie die Beteiligung lokaler Veranstalter an der Night of Light machten damals auf die prekäre Lage der Branche aufmerksam und verdeutlichten zugleich, wie viele Arbeitsplätze und Existenzen an einem funktionierenden Eventbetrieb hängen.

 

Arbeitsplätze und Ausbildungschancen durch Eventkultur

Die Veranstaltungswirtschaft gehört zu Deutschlands umsatzstärksten Branchen. Laut Branchenverband sind rund 1,5 Millionen Menschen in der Branche tätig, darunter Tontechniker, Catering-Fachkräfte und Veranstaltungskaufleute. Viele dieser Arbeitsplätze sind unmittelbar an regionale Veranstaltungen und Events gebunden. Für ein Stadtfest mit 20.000 Besuchern werden im Schnitt 200 bis 400 Arbeitskräfte in Bereichen wie Aufbau, Sicherheit und Gastronomie gebraucht. Solche Veranstaltungen bieten jungen Menschen oft den ersten Einstieg in die Arbeitswelt.

Auch die Wirkung auf das ehrenamtliche Engagement ist nicht zu unterschätzen. Viele Vereine finanzieren ihre Jugendarbeit, Sportprogramme oder kulturellen Projekte durch Einnahmen aus selbst organisierten Festen. Ohne diese Erlöse müssten zahlreiche Angebote eingestellt werden, was wiederum die soziale Infrastruktur der Region schwächen würde. Die Berichterstattung über die Aktion Night of Light in Osterholz-Scharmbeck zeigt beispielhaft, wie eng Veranstaltungskultur, Gemeinwohl und wirtschaftliche Stabilität miteinander verflochten sind.

 

Warum regionale Veranstaltungen mehr Aufmerksamkeit verdienen

Events wirken wie ein Konjunkturprogramm auf kommunaler Ebene, da sie Kaufkraft in die Region lenken, lokale Wirtschaftskreisläufe ankurbeln und damit spürbare Impulse für die gesamte Gemeinde setzen. Sie bringen spürbare Kaufkraft in die Region, stärken lokale Betriebe durch zusätzliche Umsätze und schaffen Beschäftigung, die sowohl während als auch nach der Veranstaltung in der Gemeinde wirksam bleibt. Zusätzlich stärken sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt und steigern die Attraktivität von Gemeinden als Wohn- und Arbeitsorte. Kommunalpolitiker und Tourismusverbände sollten Veranstaltungen nicht als Kostenfaktor sehen, sondern als Investition in ihre Region. Wer die Rahmenbedingungen für Veranstalter spürbar verbessert – etwa durch vereinfachte Genehmigungsverfahren, die Bereitstellung öffentlicher Flächen oder gezielte Förderprogramme – legt damit den Grundstein für eine lebendige und wirtschaftlich starke Gemeinschaft, die weit über den eigentlichen Veranstaltungstag hinaus von diesen Impulsen profitiert und davon zehrt.

 


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