Janine Girth

Nicht heilbar und vermeidbar - Aktionswoche macht auf „FASD“ aufmerksam

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„Kind trinkt mit“: Die Guttempler griffen das Thema „FASD“ bereits 2004 mit einer Infobroschüre auf. Heidrun Michaelis (links) und Angelika Meurer-Schaffenberg (Fachstelle für Sucht und Suchtprävention) machen gemeinsam mit vielen anderen Teilnehmern in der Aktionswoche erneut auf die Risikien von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft aufmerksam.  Foto: jm

„Kind trinkt mit“: Die Guttempler griffen das Thema „FASD“ bereits 2004 mit einer Infobroschüre auf. Heidrun Michaelis (links) und Angelika Meurer-Schaffenberg (Fachstelle für Sucht und Suchtprävention) machen gemeinsam mit vielen anderen Teilnehmern in der Aktionswoche erneut auf die Risikien von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft aufmerksam. Foto: jm

Landkreis (jm). Die National Association for Children of Alcoholics, kurz NACOA, veranstaltet jedes Jahr rund um den Valentinstag eine Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien - das trifft in Deutschland auf etwa jedes sechste Kind zu. Daran beteiligt sich in diesem Jahr erneut der Arbeitskreis Sucht im Landkreis Osterholz. Im Fokus stehen in diesem Jahr die Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft.
Der Arbeitskreis Sucht besteht aus haupt- und ehrenamtlichen Fachkräften und wird von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention im Diakonischen Werk koordiniert. In diesem Jahr setzt der Arbeitskreis mit „FASD“ einen eigenen thematischen Schwerpunkt. Die Abkürzung steht für die „Fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen“, also alle körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, die infolge von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft bei Kindern auftreten.
„FASD ist die häufigste Ursache für nicht genetisch bedingte geistige Behinderungen“, weiß Magdalena Windey von der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung der Diakonie. „Nicht heilbar und zu hundert Prozent vermeidbar“, fügt Angelika Meurer-Schaffenberg von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention hinzu. Während der Schwangerschaft und Stillzeit keinen Alkohol zu trinken, sollte selbstverständlich sein, könnte man meinen - wenn man die Zahlen nicht kennt. Jedes Jahr werden rund 10.000 Kinder mit FASD geboren; nur zwei von zehn Frauen verzichten während der Schwangerschaft komplett auf Alkohol. Besonders bitter: bei vielen Kindern werden die Verhaltensstörungen nicht auf FASD zurückgeführt, weil das Thema Alkohol gar nicht auf den Tisch kommt.
Eindeutig ist die Diagnose oft nur beim Fetalen Alkoholsyndrom, dem sogenannten „Vollbild“ der Krankheit. Die Kinder sind zu klein und untergewichtig für ihr Alter, haben auffälig kurze Lidspalten, schmale Oberlippen und die Doppelfalte zwischen Nase und Oberlippe (Philtrum) ist kaum erkennbar oder fehlt komplett. Dazu kommen kognitive, soziale und emotionale Störungen. Betroffene sind oft ein Leben lang vergesslich, können Konsequenzen ihres Handeln nicht einschätzen, sind aggressiv oder launisch. „80 Prozent aller alkoholgeschädigten Kinder brauchen lebenslang Unterstützung“, berichtet Meurer-Schaffenberg. Treten nur einzelne Symptome auf, bleibt die Ursache oft unklar und die Kinder bekommen nicht die Hilfe, die ihnen nach dem Sozialgesetzbuch zusteht.
„Es ist noch lange nicht so, dass alle Ärzte das mit dem Ernst behandeln, den wir dahinter sehen“, sagt Heidrun Michaelis von den Guttemplern, die das Thema bereits vor 15 Jahren mit einer Infobroschüre aufgriffen. Der Verein nimmt ebenso an der Aktionswoche teil wie der Lebensraum Diakonie, die Schwangerenberatung der Diakonie, mehrere Gruppen der Anonymen Alkoholiker und die Selbsthilfegruppe „GGG - Gemeinsam gegen Glücksspielsucht“.
In der Woche um den Valentinstag findet zunächst ein Fachtag des Netzwerks Frühe Kindheit in Zusammenarbeit mit dem Familienservice des Landkreises statt. Die Buchhandlung schatulle und die Stadtbibliothek stellen jeweils Bücherkisten zum Thema zusammen. Die verschiedenen Selbsthilfegruppen widmen ihre Treffen dem Thema „FASD“ oder den Folgen ihrer Sucht für die Angehörigen allgemein. Die Schwangerschaftsberatung der Diakonie zeigt eine interaktive Ausstellung zum Thema. Der Lebensraum Diakonie (ehemaliger Herbergsverein) lädt am Valentinstag von 9 bis 11 Uhr alle Interessierten zu einem Themen-Frühstück ein. Info-Material zum Thema und Unterstützung für Schwangere, die auf Alkohol verzichten wollen, gibt es von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks.



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