„Zukunft braucht Herkunft“
Meyenburg. „Wir sind nicht gekommen, um nach Mängeln zu suchen“, sagt der Juryvorsitzende Hans-Jörg Birner während einer kurzen Vorstellungsrunde der 14 fachlich versierten Jurymitglieder verschiedener Ressorts, die gerade per Bus am Dorphuus in Meyenburg eingetroffen waren. Mit großer Spannung war der moderne Bus des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erwartet worden, denn Meyenburg will „Golddorf“ werden. Der Titel ist mit 15.000 Euro dotiert.
Meyenburgs Ortsbürgermeister Dominik Schmengler begrüßte die Jury-Abordnung des Bundeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft 2026“. Meyenburg hat es zusammen mit 25 weiteren Dörfern Deutschlands in das Finale des Bundeswettbewerbs geschafft. Zuvor haben die Finalisten sich auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene gegen Mitbewerber durchgesetzt. Bewertet wurde und wird das soziale und kulturelle Leben, bürgerschaftliches Engagement, die dörfliche Entwicklung, die Baukultur sowie Maßnahmen zum Naturschutz. Hier ging es nicht um akkurat gestutzte Hecken oder bunt bepflanzte Blumenkästen – das wurde schnell klar. Von großem Interesse waren für die Jurymitglieder die Zukunftsvisionen und Ideen von Politik und Einwohnern sowie der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. Da hatte Meyenburg einiges zu bieten.
Ein Dorf auf den Beinen
Obwohl der Besuch der Bundesjury zu einer Zeit stattfand, wo berufstätige Bürgerinnen und Bürger gemeinhin noch arbeiten müssen, waren unzählige Meyenburger auf den Beinen. Sie begleiteten den Oldtimerbus, in den die Jury nun für eine Rundreise durch das Dors einsteigen durfte. Anwohner traten aus ihren Häusern, eine Damengruppe in roten Vereins-T-Shirts begleiteten die Route des Busses mit ihren Walkingstöcken zu Fuß. Ein Kremser-Pferdefuhrwerk war ebenfalls mit von der Partie. Auf einem historischen Fahrrad fuhr Marco Köhn in der Kleidung der 1930er Jahre dem Bus voraus und postierte sich als Blumenkavalier mit einem großen, an die Brust gepinnten, Herzen. Er fungiert sozusagen als „Wegweise“ an den verschiedenen Stationen, die die Jury ansteuerten.
Stationen der Jurytour
Per Oldtimerbus, teils aber auch zu Fuß, erschloss sich die Jury die Ortschaft. Das Dorphuus als Heimat des Vereinslebens wurde erkundet. Hier wurde mit Gemeinschaftssinn viel in Eigenleistung gebaut oder gepflastert. Von 100 Veranstaltungen im Jahr berichtete Stefanie Weil-Humborg vom Trägerverein. Der Schützenverein beheimatet hier seine modernen Schießstände.
Das alte und neue Feuerwehrhaus wurde besichtigt. Dominik Vinbruck, Landkreisdezernent für Ordnung, Bauen und Umwelt zeigte auf der karte Flächen für Windenergie auf. Thorsten Milenz von der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser gab Auskunft über die Übernachtungszahlen von Touristen mit und ohne Fahrrad, die hier in kleinen Pensionen ein „authentisches Landerlebnis“ suchen und finden.
Christina Jantz-Herrmann, Bürgermeisterin der Gemeinde Schwanewede, zu der die Ortschaft Meyenburg gehört, lobte: „Meyenburg ist auf der einen Seite ein idyllisches Bilderbuchdorf – auf der anderen Seite aber modern.“ Sie hob die Anbindungen an den ÖPNV hervor und erklärte, dass in behindertengerechte Bushaltestellen investiert wurde. In Meyenburgs Grundschule war ein kleines Sportevent von Schülerinnen und Schülern inszeniert worden. Hier erfuhr die Jury vom Vereinsbus des TSV, Rasenberegnungsanlagen und der Photovoltaikanlage.
In Meyenburgs Kirche sang der Chor des LebensART e. V. unter der Leitung von Barbara Junghans. Sie sprach ergreifende Worte zur Jury und berichtete von den Allianzen, die die Vereine miteinander schmiedeten. Hinsichtlich des modernen und fortschrittlichen Miteinander aller Generationen in uralten Gemäuern erklärte sie: „Zukunft braucht Herkunft“.
In diesem Sinne wurden weitere Stationen in Meyenburg besucht. Zum Beispiel die alte Schmiede und das Rittergut, die zum einen althergebracht bewirtschaftet beziehungsweise bewohnt werden, zum anderen aber auch Konzert-Veranstaltungsorte sind.
Ortsbürgermeister Schmengler berichtete über die Willkommenskultur gegenüber Neubürgern und dass in Zukunft für Meyenburg nur kleine Neubausiedlungen in Frage kommen, um die Neubürger unkomplizierter integrieren zu können. Mit einem Punktesystem nimmt die Ortschaft Einfluss, ob Neubürger nach Meyenburg passen, erzählte Schmengler. Meyenburg wolle keine Schlafstadt sein, wo Menschen nur schlafen und ansonsten auspendeln. Bürgerschaftliches Engagement soll weiterwachsen.
Entscheidung fällt im Juli
Die Zeit war leider begrenzt. Die Jury hätte noch weitere Highlights in Meyenburg besichtigen können, musste aber weiter. Der Jury-Vorsitzende Hans-Jörg Birner nahm abschließend den besonderen Satz „Zukunft braucht Herkunft“ für sich mit. Der Satz habe ihm besondern gut gefallen, sagte er. Die Jury habe sich davon überzeugt, dass in Meyenburg eine große Vernetzung zwischen Politik, Verwaltung und Vereinen bestehe – nicht nur innerorts, sondern auch über die Ortsgrenzen hinweg, nach Schwanewede bis hin nach Hannover in die Landeshauptstadt und in die Partnerstadt Meyenburg in Brandenburg.
Mit Spannung wird nun erwartet, ob Meyenburg „Golddorf“ bei „Unser Dorf hat Zukunft“ wird. Am 1. Juli wird das Ergebnis bekannt gegeben. Die offizielle Ehrung ist für den 27. Januar 2027 auf der Grünen Woche in Berlin geplant.
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