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Vom Tauschen und Teilen

Worpswede (eb/pvio). Die ehemalige Worpsweder Stipendiatin Antje Schiffers gewinnt den Paula Modersohn-Becker Kunstpreis 2020. Bekannt gegeben wurde die Siegerin am Mittwoch, 28. April.

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Antje Schiffers ist die Hauptpreisträgerin des Paula Modersohn-Becker Kunstpreises 2020. Neben ihr waren für den Hauptpreis die folgenden Künstler:innen nominiert: Diana Mercedes Alonso, Laurenz Berges, Susanne Kutter, Gabriela Oberkofler, Nikola Röthemeyer und Tilo Schulz. Nach zweimaliger Verschiebung aufgrund der Corona-Pandemie fand die Sitzung der Preis-Jury am 19. April in Worpswede statt. Die drei Juror:innen - Prof. Dr. Stephan Berg (Intendant Kunstmuseum Bonn), Dr. Jule Hillgärtner (Direktorin Kunstverein Braunschweig) und Thomas Thiel (Direktor Museum für Gegenwartskunst Siegen) - zeigten sich von der Kunstpreis-Ausstellung und allen nominierten Positionen sehr angetan. Letztlich überzeugt wurden sie aber vom Werk Antje Schiffers: „Auf klare und gleichzeitig humorvolle Weise formuliert Antje Schiffers den Arbeitsbegriff innerhalb und außerhalb der Kunst neu. In einer globalisierten Welt verankert sie die Strategien von Weltaneignung und Weltbeschreibung auf regionaler und persönlicher Ebene. Ihre zeichnerisch grundierten Installationen setzen die prozesshaften Erzählungen fort, die sie konsequent anstößt, im Dialog mit anderen fortschreibt und im Ausstellungsraum nicht enden lässt. Damit hat sie in den letzten zwanzig Jahren eine markante künstlerische Sprache entwickelt, die zugleich offen und fokussiert auf unsere Welt blickt und dabei die Verbindungen zwischen gesellschaftlicher und künstlerischer Praxis auslotet.“
 
Im lebendigen Miteinander
 
Bernd Lütjen, Landrat des Landkreises Osterholz, der den Paula Modersohn-Becker Kunstpreis seit 2010 auslobt, charakterisierte im Rahmen der Preisverleihung die Kunst der Preisträgerin als eine, die „im lebendigen Miteinander mit den Menschen“ verankert sei. Schiffers nähere sich den Menschen, mit denen sie künstlerisch arbeitet, „mit großer Neugierde, mit Offenheit und Interesse. Statt ihren eigenen Blick auf die Welt ins Zentrum zu stellen, lässt sie diese Menschen selbst zu Wort kommen und macht ihre Sichtweisen zu einem Teil ihrer Kunst“, so der Landrat.
 
Vom Tauschen und Teilen
 
Seit über zwanzig Jahren verfolgt Antje Schiffers (*1967, Heiligendorf) einen künstlerischen Ansatz, in dessen Zentrum die Begegnung und der Austausch mit anderen Menschen stehen. Ihre künstlerische Arbeit handelt vom Unterwegs-Sein und Reisen, von Kontakten und Beziehungen, vom Eintauchen in unterschiedliche Kulturen, in fremde Arbeits- und Lebenswelten, vom Tauschen und Teilen. Aus diesem Ansatz entwickelte sie ab dem Jahr 2000 mehrere Projekte - unter anderem das Langzeitprojekt „Ich bin gerne Bauer und möchte es auch gerne bleiben“, das im Zentrum ihres Schaffens steht und an dem sie bis heute arbeitet. „Ich habe verschiedene Arbeiten auf der Idee des Tauschgeschäfts aufgebaut: Ich bin durch Italien beziehungsweise Russland, Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan gereist und habe Bilder gemalt gegen Kost und Logis (…). Mich hat interessiert, welche Rituale sich mit den Gastgebern entwickeln, die ich in dieses Experiment verwickelt habe (...)“, so die Künstlerin.
Im Rahmen der Preisverleihung wurden auch nochmals die Preisträgerinnen des Nachwuchspreises und des Sonderpreises geehrt, die bereits im letzten Jahr offiziell bekannt gegeben wurden (wir berichteten). Den ersten gewann Cihan Cakmak, den zweiten Marie S. Ueltzen.
Das Video zur offiziellen Bekanntgabe der Preisträgerin samt Laudationes und der Preisverleihung wird am Freitag, 30. April, um 19 Uhr auf dem YouTube-Kanal und der Facebook-Seite der Worpsweder Museen online gestellt.
 


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