

Nach fast zwei Jahrzehnten Stillstand liegt für die Brache am Bremervörder Rathausmarkt erstmals ein umsetzbares Baukonzept vor. Es setzt auf kleinteilige Architektur, bezahlbaren Wohnraum und bürgerschaftliches Engagement. Vorgestellt wird der Plan am Donnerstag, 26. Februar, im Ludwig-Harms-Haus.
Das stadteigene Grundstück in der Kirchenstraße 1-3 an der Nordseite des Rathausmarktes liegt mitten im Herzen der Stadt, ist aber – vor allem nach Abbruch der dortigen Gebäude – seit Jahren ungenutzt. Das Herz der Stadt schlägt nicht, auch weil es hier zurzeit keine ausreichend frequenzbringenden Nutzungen gibt.
Bereits 2008 ließ die Stadt Gestaltungsvorschläge für den Rathausmarkt erarbeiten – ohne Ergebnis. 2015 und 2017 wurden ebenfalls erfolglose Versuche unternommen, das Grundstück wieder zu beleben: Weder die Vorschläge des Beirats für Baukultur noch ein Wettbewerbsverfahren brachten die Lösung. Aus dem Wettbewerb gingen zwar Entwürfe hervor - Investoren konnten dafür aber nicht gewonnen werden. Danach tat sich jahrelang nichts, abgesehen vom Abbruch der bestehenden Gebäude. Inzwischen wurde die Südseite des Rathausmarktes neu bebaut. Eine „maßstabslose Bebauung“, zu groß und zu wenig differenziert, meint Architekt Lothar Tabery. Das sollte an der Nordseite nicht wieder passieren.
In Abstimmung mit der Baukultur AG des Bremervörder Kultur- und Heimatkreises erarbeitete der Architekt im Mai 2025 ein Planungs- und Realisierungskonzept für die Nordseite des Rathausmarktes. Grundlage ist eine Idee aus dem Jahr 2023, entstanden im Rahmen studentischer Arbeiten. Vorgesehen sind mehrere kleinere Hauseinheiten statt eines großen Baukörpers. Nach einem Feinschliff durch den Architekten steht der Plan für das Grundstück Kirchenstraße 1–3 fest: In den oberen Geschossen sollen Wohnungen entstehen, im Erdgeschoss Gewerbeflächen. Geplant ist zudem eine hochwertige Fassadengestaltung, so Tabery.
Das Konzept
Architektur-Studierende der Hochschule 21 aus Buxtehude entwickelten 2023 im Rahmen des Forums BauKulturLand Entwürfe für die Nordrandbebauung des Rathausmarktes. Dabei entstand ein neuer Denkansatz: Statt eines Gesamtbaus sah der Entwurf des Studenten Steffen Braun mehrere Einzelhäuser vor. Diese Lösung würde eine kleinteilige Platzrandbebauung ermöglichen, die nach Taberys Einschätzung dem Stadtbild Bremervördes gut entspricht. Zugleich könnten mehrere ortsansässige Einzelbauherren mit überschaubarem Investitionsvolumen bauen.
Der niedersächsische Beirat für Baukultur beschäftigte sich bereits 2024 mit den Ideen der Studierenden, als er erneut zur Beratung hinzugezogen wurde. Externe Fachleute diskutierten über eine sinnvolle Weiterentwicklung des zentralen Bereichs der Innenstadt. Der neue Ansatz stieß sowohl dort als auch in politischen Gremien auf Zustimmung, fand aber bis jetzt noch keinen Niederschlag in weiteren städtischen Aktivitäten.
Nach mehr als 18 Jahren ohne einen konkreten Plan für das „Gesicht“ der Innenstadt liegt nun erstmals ein funktionales und realisierbares Konzept vor, das die Brache beseitigen und das Stadtbild deutlich verbessern soll. „Ein Konzept mitten in Bremervörde, mit Bremervördern, für Bremervörde“, sagt Hans Luettke vom Kultur- und Heimatkreis.
Kostengünstig und flexibel
Die neuen Flächen sollen zu angemessenen Kosten entstehen, gegebenenfalls mit staatlicher Förderung etwa über die KfW. So könnten auch Interessierte mit geringerem Eigenkapital dort kaufen oder mieten. Dies lasse sich vor allem erreichen, wenn auf teure Bauträger verzichtet werde und stattdessen das gemeinsame Engagement der künftigen Bauherren zum Tragen komme. Bremervörder Bürger:innen könnten selbst zu einer Aufbruchstimmung für das lange brachliegende Areal beitragen, erklärt Lothar Tabery.
Neben der Anwendung des sogenannten Hamburg-Standards zur Kostensenkung ist das flexible Grundrisskonzept hervorzuheben, das variierbare Wohnungsgrößen vorsieht. Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen können verbunden oder später wieder getrennt werden. Die Gebäude sollen von neu zu gründenden Baugemeinschaften oder einer Genossenschaft realisiert werden. Das ermögliche förderfähiges Bauen zu erschwinglichen Kosten und Mieten. Das Konzept wurde Verwaltung und politischen Gremien bereits vorgestellt, berichtet Tabery.
Öffentliche Info-Veranstaltung
Für die Umsetzung dieser Ideen werden nun interessierte Bürger:innen gesucht, die gemeinsam in Bremervördes Mitte investieren oder dort mieten möchten, um damit für sich und andere neuen Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig zur Verbesserung des Stadtbildes beizutragen. Zur Vorstellung und Erläuterung der Gesamtkonzeption findet am Donnerstag, 26. Februar, um 19 Uhr im Ludwig-Harms-Haus eine öffentliche Veranstaltung mit ausführlichen Informationen statt, die gemeinsam von der AG Baukultur des Bremervörder Kultur- und Heimatkreises und dem Forum BauKulturLand zwischen Elbe und Weser durchgeführt wird. Bei dieser Veranstaltung können sich Personen im Rahmen einer Interessenbekundung – noch unverbindlich – in Listen eintragen und angeben, ob sie im Rahmen einer Baugemeinschaft an einem Haus, einer Ladenfläche oder einer Wohnung interessiert sind. Bei ausreichender Resonanz werden kurzfristig weitere Informations- bzw. Konstituierungsveranstaltungen folgen. Alle Interessierten sind hierzu herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.



