Patrick Viol

Kommentar: What would Jesus do?

Die Pandemiepolitik erweist den Plot von Zombieserien als Realität. Einen Ausweg aus ihr könnte Jesus Christus aufzeigen.

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Es zeigt sich nach einem Jahr Pandemie: Sie lässt die Menschen mitnichten auf die Gemeinschaft als ihr Wesentliches besinnen, wie man es vor 12 Monaten noch überall herausposaunte.

Es zeigt sich nach einem Jahr Pandemie: Sie lässt die Menschen mitnichten auf die Gemeinschaft als ihr Wesentliches besinnen, wie man es vor 12 Monaten noch überall herausposaunte.

Foto: Patrick Viol

Vor einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle meinen Kommentar: Keine falsche Sinnstiftung. Damals stieß mir übel auf, dass überall der Sermon salbadert wurde, das Positive der Krise sei, dass sie die Menschen auf die Gemeinschaft als das wirklich Wesentliche besinnen ließe. Vor allem aus den Feuilletons und von Politkanzeln triefte diese klebrige Predigt, um den Leuten zu erzählen, dass die krisengestärkte Gemeinschaft der Ausweg aus der Pandemie sei. Ein Jahr später werden diese Gemeinschaftsphantast:innen - wie zur Strafe dafür, dass sie dem sinnlosen Sterben einen sinnstiftenden Überschuss abringen wollten - von der Realität blamiert. Nicht nur ist kein Ende der Pandemie, es sind - schaut man einerseits auf die Fahrt aufnehmende dritte Welle und andererseits nach Berlin und auf die verpipilangstrumpften Landesregierungen - auch weder ein Ausweg, noch die viel beschworene Gemeinschaft in Sicht, die ihn hätte bieten sollen können. Die Landesregierungen verfolgen trotz Bund-Länder-Beschlusses ihr politisches Eigeninteresse und betreiben impliziten Wahlkampf mit Durchlavieren, der Bund setzt auf nörgelndes Abwarten. Übersehen wird dabei aber zum einen der Wille der Bevölkerung, die - wie Umfragen zeigen - eher ein konsequentes und abgestimmtes Vorgehen mit Perspektive befürworten würde. Und zum anderen lässt der Zug: Wir machen einen gemeinsamen Plan und dann hält sich keiner dran - den richtigen Willen der Bevölkerung in eine nachvollziehbare Trotzigkeit umschlagen. Nach dem Motto: Offensichtlich braucht man sich nicht an gemeinsam getroffene Abmachungen zu halten und kann das an den Pandemietatsachen gemessene rationalste Verhalten einfach ignorieren.
Ignoranz gemeinsamer Abmachungen und Verhalten wider besseres Wissen - dieser Charakter der derzeitigen Pandemiepolitik beweist, dass das, was Zuschauer:innen spätestens ab einer dritten Staffel irgendeiner Zombieserie nervt: das scheinbar „unlogische“, tatsächlich aber blind-selbstsüchtige Verhalten der Protagonist:innen, das sie und die Gruppe immer wieder in Gefahr oder um die Ecke bringt, das Kritische an diesen Serien ist. Denn es bringt - offenkundig - die reale Unfähigkeit bürgerlicher, d. h. aufs blanke Eigeninteresse reduzierter Menschen auf den Punkt. Wir scheinen angesichts einer Bedrohung nicht als eine Gemeinschaft im besten Sinne: als ein abstrakt-solidarischer Kooperationszusammenhang zum Schutz eines jeden Einzelnen funktionieren zu können. Eben deshalb, weil unsere Gesellschaft uns zu blind-eigeninteressierten und nicht zu vernünftigen Vereinzelten macht.
So zeigt sich nach einem Jahr Pandemie, dass sie die Menschen mitnichten auf die Gemeinschaft als ihr Wesentliches besinnen lässt. Denn das ist auch nicht der Menschen Wesentliches. Vielmehr präsentiert die Pandemie auf der Stufe, wo sie den Plot von Zombieserien nachspielt, die wesentliche Deformationskraft unserer Gesellschaft. Die liegt darin, dass sie die Menschen durch schlechte Vereinzelung daran hindert, ihr Wesentliches: ihre Freiheit und Vernunft zu verwirklichen. Täte unsere Gesellschaft das nämlich nicht, trainierte sie den Menschen auch nicht die Fähigkeit ab, neben ihrem Eigeninteresse auch vernünftige Zwecke setzen zu können. Dann wären die Menschen auch bei einer Seuche zu einer wahrhaften Kooperation in der Lage. Denn Kooperation bildete die notwendige Grundlage einer Gesellschaft, welche Freiheit und Vernunft der Menschen und deren Vereinzelung als Glück verwirklicht. Und es ist letztlich die Auferstehung Jesus Christi, die an eine solche Grundlage der Gesellschaft gemahnt. Denn indem er von den Toten zurückkehrte, rebellierte er gegen das Urteil einer Ordnung, in der die Menschen nicht wissen, was sie tun, also weder frei noch vernünftig sind, deswegen aber um so rücksichtsloser agieren.


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