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In neuem Glanz

Nach zwei Jahren Sanierung ist das historische „Kaffee Worpswede“ wiederhergestellt – und dabei kamen einige überraschende Spuren von Bernhard Hoetgers ursprünglicher Gestaltung ans Licht. Eine Frage ist aber noch offen: Wann kehren auch Gastronomie und neues Leben in das Kaffehaus zurück?

Worpswede.  Mehr als 100 geladene Gäste hatten sich am letzten Freitag vor der Terrasse des „Kaffee Worpswede“ eingefunden, um gemeinsam ein großes Ereignis zu feiern: Nach rund zwei Jahren intensiver Sanierung wurde das historische Gebäude, einst vom Bildhauer, Maler, Architekten und Kunsthandwerker Bernhard Hoetger erbaut, offiziell wiedereröffnet. Der scheidende Landrat Bernd Lütjen sprach von einem Meilenstein: „Das Kaffee Worpswede strahlt wieder im alten Glanz. Es ist ein erster Schritt. Wir feiern heute die Fertigstellung der Sanierung. Ich hoffe, dass bald zur richtigen Einweihung eingeladen werden kann, nämlich dann, wenn wir wieder einen neuen Betreiber gefunden haben.“

Sanierung mit Tücken

Die aufwendige Restaurierung des Kaffee Worpswede begann im Frühjahr 2024. Nachdem der letzte Pächter sein Restaurant geschlossen hatte, begann die Kulturstiftung des Landkreises Osterholz mit der Planung einer umfangreichen und behutsamen Restaurierung. Schnell stellten die beteiligten Akteure nach Baubeginn fest, dass frühere Umbauten und Sanierungsarbeiten in den vergangenen Jahrzehnten, so manche ursprüngliche Gestaltung und Aufteilung der Räume stark verändert hatten. Versteckte Bauteile, historische Malereien und zugemauerte Durchgänge machten dies überdeutlich. Architekt Kim Wortelkamp und sein Team vom Leipziger Architekturbüro „Quartier Vier“ begleiteten die Arbeiten in stets engem Austausch mit den Denkmalbehörden. Ziel war es, möglichst viel von Bernhard Hoetgers ursprünglicher Gestaltung wieder sichtbar zu machen.

Zu den zahlreichen Arbeiten gehörten unter anderem die Entfernung von verbauten Schadstoffen an den zu sanierenden Bauteilen, die Überprüfung der gesamten Gebäudestatik, die Modernisierung der Gebäudetechnik, die energetische Ertüchtigung der Außenfassade inklusive Dach, Fenstern und Wänden. Darüber hinaus wurden zahlreiche Trägerbalken ausgetauscht und ein umfangreiches Brandschutzkonzept erstellt und umgesetzt.

Um das Kaffee Worpswede im alten Glanz erscheinen zu lassen, wurden Farbfassungsfolgen analysiert, auf deren Basis ein umfassendes Putz- und Farbschichtenkonzept rekonstruiert und außen wie innen umgesetzt wurde. Für die Arbeiten konnten im Rahmen der Ausschreibung erfreulicherweise Handwerksunternehmen aus der Region beauftragt werden.

Die unterschiedlichsten Gewerke kümmerten sich um Fassade und Dach, inklusive der prägnanten Dachreiter, sowie den gesamten Innenraum. Natürlich hatte die umfangreiche Sanierung des „Kaffee Worpswede“ auch ihren Preis. Wie bei solchen Projekten heute üblich, stiegen die Kosten im Laufe der Arbeiten deutlich an. Kalkuliert waren zu Beginn der Planungen knapp 2,1 Millionen Euro. Durch die besonderen Anforderungen des Denkmalschutzes, versteckte Schäden und ungeplante Restaurierungsarbeiten stieg die Summe letztlich auf rund 3,7 Millionen an. 680.000 Euro davon stammen aus Fördermitteln. „Gerade die finanzielle Herausforderung hat nicht nur mir Bauchschmerzen bereitet, aber ich bin froh, dass der Kreistag da an einem Strang gezogen hat“, sagte Lütjen.

Besondere Momente

Bei der Sanierung des „Kaffee Worpswede“ gab es so manche Überraschung. Katrin Schwerdtfeger, seit 1. April Geschäftsführerin der „Kulturstiftung Landkreis Osterholz“ und in Personalunion kaufmännische Verwaltungsleiterin der „Barkenhoff-Stiftung“, konnte in ihrer Ansprache einiges erzählen: „Wir haben sehr viel mit historischen Aufnahmen gearbeitet und einer der großen Funde war die Terrasse hier vorne, die zum Anfang der Sanierung sehr viel größer war. Wir haben die kleinere Original-Terrasse unter der größeren gefunden und sie wieder freigelegt.“ Gesäumt wird die „neue“ Terrasse von den originalen zehn Moorfrauen. Das sind Plastiken, die einst von Bernhard Hoetger geschaffen wurden und lange in einer Worpsweder Garage verschollen waren. Im Inneren des Gebäudes wurde bei der Sanierung eine von Hoetger selbst bemalte Decke freigelegt und ein Zugang zur angrenzenden „Großen Kunstschau“, der über lange Jahre verschlossen war, wieder geöffnet. Zurzeit sucht die „Kulturstiftung Landkreis Osterholz“ nach einem Gastronomen, um auch zukünftig Kunst, Kultur und Kulinarik wieder zusammenzubringen. Willkommen sind Ideen, die den besonderen Charakter des Hauses aufgreifen und Gäste begeistern. Das können zum Beispiel ein Café-Betrieb mit Kaffeehauskultur oder klassische regionale und saisonale Küche sein. Kreative und konzeptionelle Gastronomie ist ebenso denkbar wie Gastronomie für Veranstaltungen und private Feiern. Doch nicht nur die Gasträume stehen wieder zur Verfügung. Auch das angrenzende knapp 50 Quadratmeter große „Paulinenheim“ steht für vielseitige Veranstaltungen bereit. Damit ist alles für 2027 vorbereitet, wenn die Große Kunstschau und damit das gesamte Hoetger-Ensemble ihr 100-jähriges Bestehen feiern.


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