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Eine Region mit Potenzial

Um nachhaltige Strategien zum Umgang - vor allem aber die Erhaltung und Regeneration der Moorlandschaft - zu diskutieren, fand der erste Moorgipfel statt.

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Einen zweiten Moorgipfel in naher Zukunft hält Landrat Bernd Lütjen für eine gute Idee.

Einen zweiten Moorgipfel in naher Zukunft hält Landrat Bernd Lütjen für eine gute Idee.

Osterholz-Scharmbeck. Der Landkreis Osterholz ist einer der größten Moorstandorte Niedersachsens. Mit etwa 610.000 Tonnen CO2 übersteigen die Treibhausgas-Emissionen regionaler Moore deutlich die des lokalen Energieverbrauches. Ein hohes Einsparpotenzial, das es produktiv zu nutzen gelte, findet auch Umweltminister Christian Meyer. Er betrachtet die Moore als „Superhelden des natürlichen Klimaschutzes“, da sie nicht nur schädliche Treibhausgase speichern, sondern zudem wertvolles Wasser schützen und die Artenvielfalt bewahren.

Unter dem Motto „Moorwärts“ kommen Landwirtinnen, Bewirtschafter:innen und Umweltverbände mit Politikerinnen zusammen. Man spricht über die Wiedervernässung der Moorböden, die Verwertung des Moor-Aufwuchses, aber auch über nachhaltigen Tourismus. Mit dabei sind auch Umweltminister Meyer sowie Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte von den Grünen. Schnell ist die Veranstaltung mit über 300 TeilnehmerInnen ausgebucht – ein klares Zeichen dafür, wie sehr das Thema Klimaschutz die Bevölkerung bewegt. Parallel zu Fachforen und Vorträgen, informieren lokale AusstellerInnen über ihre nachhaltigen Klimakonzepte und Produkte.

 

Regionale Unternehmen stellen Projekte vor

 

Während es bei den Osterholzer Stadtwerken um erneuerbare Energien - wie Windkraft, Photovoltaik und Geothermie - geht, widmet sich der Abfallservice Osterholz (ASO) „Regionaler Blumen- und Pflanzenerde“. Durch die nachhaltige und torffreie Herstellung des Produktes, will man auf den ökologischen Wert der Ressource aus dem Moor aufmerksam machen. Insgesamt steht jedoch weit mehr hinter dem 2017 begonnenen Projekt, welches sich auch mit der Bildung eines Netzwerkes aus kommunalen Abfallwirtschaftsgesellschaften sowie Unternehmen der Erdenherstellung beschäftigt und so die Themen Nachhaltigkeit, CO2-Reduzierung und Wirtschaftlichkeit miteinander verknüpft.

Die Biologische Station aus der Osterholzer Innenstadt setzt wiederum auf mehr Klimabewusstsein durch handlungsorientierte Projekte für Kindergärten und Schulen. Gemeinsam lernen hier schon die Jüngsten, die Natur hautnah zu erleben, Tier- sowie Pflanzenarten spielerisch kennen und den kreativen Umgang mit Naturmaterialien. Durch die Verarbeitung und Verkostung eigens gesammelter oder hergestellter Produkte will man einen besseren Bezug zu Lebensmitteln ermöglichen.

 

Klimaschutz und Landwirtschaft zusammen bringen

 

Am Ende des Tages zieht man gemeinsam ein Resümee. Prof. Dr. Harald Grethe, vom Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaft aus Berlin, betont vor allem die aktive Zusammenarbeit mit der lokalen Landwirtschaft. „Aus Moorflächen, die nicht mehr bewässert werden können, sollten sich keine Nachteile für LandwirtInnen ergeben – vielmehr geht es darum, diese sinnvoll zu bewirtschaften“, sagt er. Freiflächen-Photovoltaik sei dabei ein möglicher Ansatz.

Dem stimmt auch Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen, zu – warnt jedoch davor, Photovoltaik als Allheilmittel zu sehen. Man müsse ressortübergreifend schauen, was möglich ist. „Ich denke dabei zum Beispiel an Gips oder andere Stoffe, die viele Ressourcen erfordern.“ Die Balance zwischen Ökologie und Ökonomie liegt auch Minister Meyer am Herzen. „Künftig wollen wir zeigen, wie Moorentwicklung für den Klimaschutz und Erwerbsperspektiven für die Landwirtschaften parallel erreicht werden können“, so der Umweltbeauftragte.

 

„Die wiedervernässung ist eine Jahrhundertaufgabe“

 

„Für die Umsetzung dieser Moorentwicklungsstrategien will man langfristig aber nicht allein auf wirtschaftliche Gelder angewiesen sein“, bemerkt Doktor Holger Hennies vom Niedersächsischen Landvolk. Um ins Handeln zukommen, müsse die finanzielle Unterstützung jedoch zunächst gesichert sein. Regionale Ideengeber wolle man auch künftig weiter unterstützen, bestärkt Bernd Lütjen. „Einen baldigen zweiten Moorgipfel halte ich ebenfalls für denkbar, um die Themen Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus noch näher zusammen zu bringen“, so der Landrat weiter.

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte zeigt sich schon jetzt begeistert vom Engagement vor Ort. „Niedersachen trägt als Moorland eine besondere Verantwortung“, betont sie. Deshalb gehe es nun darum, lokale Projekte weiter voranzutreiben, um damit Vorbild für Moorregionen deutschlandweit zu werden. „Die Wiedervernässung der Moore ist eine Jahrhundertaufgabe“, sagt Staudte weiter, weshalb man im Ministerium mit Hochdruck an der Personal- und Ressourcenbeschaffung arbeite. „Für die nahe Zukunft ist unter anderem die Einrichtung eines Kompetenzzentrums zum Thema Moorbodenschutz geplant“, erläutert die Ministerin.


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