Amelie Nobel

Ein Haus mit besonderer Anziehungskraft

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Hauses im Schluh, haben Peter Groth und Kristina Lohse vom Freundeskreis Haus im Schluh Worpswede e.V. einen Vortrag erarbeitet, der sich mit dem Haus im Schluh als künstlerisch bedeutsamen Ort beschäftigt. Im Rahmen des Jubiläums finden außerdem zwei Sonderausstellungen statt.
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Entstehung des Hauses im Schluh
 
Im Jahr 1920 erfüllte sich Martha Vogeler nach der Trennung von Heinrich Vogeler einen Lebenstraum und ließ ein altes Bauernhaus abtragen und in Worpswede im Schluh in ein modernes Wohnhaus umbauen, das sie von nun an mit ihren drei Töchtern bewohnte. Bereits bei der Planung der neuen Wohnstätte stand fest, dass sie das Inventar des Barkenhoffs und die künstlerischen Werke ihres Mannes Heinrich Vogeler mit ins Haus im Schluh nehmen würde.
Im Laufe der Jahre kamen zwei weitere Fachwerkhäuser hinzu, in denen unter anderem eine Handweberei, eine Gästepension und Mietwohnungen entstanden. 1945/46 kam Hans-Hermann Rief, ein Kunsthistoriker, nach Worpswede und lebte bis zu seinem Tod im Haus im Schluh. Er prägte das Haus im Schluh, da mit ihm das Worpsweder Archiv gegründet worden war, das bis in die 80er-Jahre Bestandteil des Hauses war.
 
Ein besonderer Ort
 
Peter Groth, Vorstandmitglied des Freundeskreises Haus im Schluh, beschreibt das Haus im Schluh als besonderen und menschengemachten Ort. Damit meint Groth, dass das Haus durch seine Menschen die entscheidende Anziehungskraft bekommen habe. Die Menschen, das sind neben Marta Vogeler und ihrer Familie zwischen 80 und 100 Künstler:innen, die im Haus im Schluh arbeiteten und lebten. Die Künstler:innen schätzten neben dem netten Ambiente und der Abgeschiedenheit des Hauses im Schluh vor allem die besondere Gesellschaft. Viele Kunstschaffende hatten über Jahre Kontakt mit der Vogeler-Familie und profitieren von der inspirierenden Atmosphäre des Ortes. Die Schluhkünstler:innen haben sich gegenseitig in ihrer Kunst befruchtet, so Peter Groth.
 
Ort für viele Kunstschaffende
 
Kunstschaffende aus ganz verschiedenen Bereichen zog es ins Haus im Schluh und in dessen Nähe. Nebenan wohnte z. B. der Maler und Fotograf Werner Rohde, der sich nach dem Krieg, in Worpswede auf die Glas- und Hinterglasmalerei konzentrierte. Eine besondere Rolle spielte die Vogeler-Familie für den Schriftsteller und Journalisten Gustav Regler, der bei einem zufälligen Besuch in Worpswede 1928 die älteste Tochter von Heinrich Vogeler, Mieke Vogeler, kennenlernte und später heiratete.
Zu den Pensionsgästen im Haus im Schluh gehörte ebenfalls der Schriftsteller Manfred Hausmann, der in Worpswede an seinem Werk „Lampioon küßt Mädchen und kleine Birken. Abenteuer eines Wanderers“ schrieb. Immer wieder nutzen Kunstschaffende die Atmosphäre des Hauses im Schluh, um an ihren Werken zu arbeiten, so auch die Schriftstellerin Sarah Kirsch.
Komplementiert wurde die künstlerische Vielfalt durch Kunstschaffende aus der Theater- und Schauspielszene. So verbrachten die Schauspielerin Eva Mattes und die Regisseure und Intendanten Dieter Dorn und Peter Zadek einige Zeit im Haus im Schluh.
Seit 1920 lebten auch viele junge Frauen im Haus im Schluh, um die verschiedenen Techniken der Weberei zu erlernen bzw. eine Web- oder Hauswirtschaftslehre zu absolvieren. Der Webereibetrieb ist seitdem ein wichtiger Teil des künstlerischen Hauses.
 
Heutige Nutzung und Ausstellung
 
Heute gibt es die Pension und die Mietwohnungen nicht mehr. Dafür werden die ehemals für die vielen Gäste zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten heute als Ferienwohnungen vermietet. Darüber hinaus wird das Haus in der vierten Generation von der Familie Vogeler geführt. Seit 1970 lebten immer weniger Kunstschaffende im Haus im Schluh, die letzten lebten vor etwa 10 Jahren dort. Dafür ist der Ausstellungsbetrieb mit dem Webereibetrieb in den Fokus gerückt.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Hauses im Schluh finden nun zwei Sonderausstellungen statt. Noch bis zum 7. November können Interessierte die Ausstellung „Martha Vogeler. Leben mit der Kunst “ besuchen, die die Entwicklung Martha Vogelers von der Muse Heinrich Vogelers zur Gründerin des Hauses im Schluh in den Vordergrund stellt.
Die zweite Jubiläumsaustellung „100 Jahre Haus im Schluh - Stätte künstlerischer Produktion“, die vom 21. November bis zum 6. März zu sehen sein wird, beschäftigt sich mit dem Haus im Schluh als besonderen Ort, der für viele Kunstschaffende eine hohe Bedeutung hat.


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