Amelie Nobel

Die schön schaurige Welt von Canterville

Lilienthal. Die Freilichtbühne Lilienthal feierte am Samstag, 3. Juli, mit dem Familienstück „Hubert, das Gespenst von Canterville“, in einer modernen Version von Christa Margret Rieken eine gelungene Premiere.

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Das Stück läuft noch bis zum 11. September Gelegenheit. Tickets und Informationen gibt es online unter https://fblilienthal.de/.

Das Stück läuft noch bis zum 11. September Gelegenheit. Tickets und Informationen gibt es online unter https://fblilienthal.de/.

Die Premiere ist ausverkauft - auch wenn es aufgrund der Abstände, die eingehalten werden müssen, nicht so aussieht. Das mindert aber die Freude an der Inszenierung der Regisseurin Elke Ohlrogge, die von den acht Schauspieler:innen getragen wird.
Gleich zu Beginn tauchen zwei der drei Geister auf und man ist direkt im Schloss Canterville angekommen. Die Musik von Marcus Schirmer sorgt für die schaurige Geisterstimmung.
Die beiden Geister könnten unterschiedlicher nicht sein. Während die kalte Frieda (Anik Klisch) eher neugierig ist und sich immer wieder den Kopf richten muss, was bei dem Publikum für einige Lacher sorgt, ist der große Geist (Milena Bargmann) streng und sorgt für eine schaurige Atmosphäre.
Und dann gibt es natürlich Hubert. Hubert, das Gespenst von Canterville, das seit Jahrhunderten auf Schloss Canterville spukt. Hubert (Henrik Müller) ist ein liebes Gespenst, aber auch ziemlich feige. Und vor allem muss er einsehen, dass seine Methoden zum Spuken veraltet sind. Dies wird besonders deutlich, als die neuen Schlossbewohner eintreffen: Familie Meier aus der Stadt. Vater Meier, ein Selfmade-Millionär, gespielt von Dietrich Sämann, können Huberts Methoden gar nichts anhaben. Gegen das Kettenrasseln hat er eine einfache Methode: das familieneigene Spezialöl. Komplettiert wird die Familie von Frau Meier (Merle Kohlmann), eine schrille Persönlichkeit mit ausgeprägtem Putzfimmel und den beiden Kindern Patrick und Lilly. Während Patrick (Mattes Lambertus) vor allem daran interessiert ist, mit seinen Kumpels zu texten und den genervten Teenager mimt, ist Tochter Lilly Meier (Jana Kohl) beeindruckt von Hubert und hofft sehr, das Schlossgespenst kennenzulernen. Und auch Hubert bekundet Interesse an Lilly. Es kommt, wie es kommen muss. Die beiden verlieben sich - sehr zum Ärger von Lillys Familie und den übrigen Schlossgeistern.
Der große Geist ist gar nicht einverstanden mit Huberts Verhalten, weshalb dieser nun um seine Spuktauglichkeit fürchten muss. Lilly verhandelt mit dem großen Geist und will, dass Hubert eine zweite Chance bekommt. Dafür muss er allerdings großen Mut beweisen. Ansonsten droht ihm das große Nichts. Doch Lilly glaubt an Hubert und an seinen Mut.
 
Eine Zwei-Welten-Kollision
 
Es ist vor allem der Kontrast der verschiedenen Welten, die im Stück aufeinanderprallen, der Anlass zum Nachdenken gibt. Während die Geister immer noch alles genauso so machen wie vor 800 Jahren und an ihrem Standardprogramm, zu dem Heulen und Kettenrasseln gehört, festhalten, lebt die Familie Meier ganz modern. So z. B. Patrick, der das Publikum mit seiner Rap-Einlage begeistert.
Hubert und Lilly, die als Liebende wirklich gut zusammenpassen, erkennen schnell, dass sie aus sehr unterschiedlichen Welten kommen. Und beide bringen durch die satirische Reflexion der Zwei-Welten-Kollision - ganz im Sinne Oscar Wildes - jeweils einen Charakterzug der Gegenwart auf den Punkt. Lilly, indem sie sagt: Es hat sich viel getan in 800 Jahren, aber die Liebe hat sich nicht verändert. Und Hubert, der an den Erfindungen der neuen Zeit, wie dem Smartphone, zwar durchaus Gefallen findet, aber als Gespenst deren Unheimlichkeit erkennt, bringt mit allem nötigen Ernst auf den Punkt: „Eine schön schaurige Welt habt ihr da.“
 
Überzeugendes Zusammenspiel
 
Im Familienstück passt vieles zusammen. Es wird viel gesungen und Marcus Schirmers Mischung aus Rap, instrumentalen Stücken, Geister- und Liebesliedern ist gelungen.
Und auch an Effekten wird nicht gespart. So sorgt vor allem die Interpretation eines Schlossgrabens für eine herrliche Szene und ergänzt den Auftritt Schloss Cantervilles, dessen Bühnenbild Gertie Trautvetter und Uli Wolff entworfen haben. Überzeugen können auch die Kostüme, allen voran Frau Meiers Auftritt dürfte den Zuschauern im Kopf bleiben.
Es ist ein Stück für Groß und Klein, nicht zu gruselig für die Kleinen und schaurig-komisch für die Großen.
Dem Publikum scheint die Inszenierung zu gefallen, es belohnte das diesjährige Familienstück der Freilichtbühne Lilienthal mit reichlich Szenenapplaus.
Wer nun auch Lust auf Schloss Canterville und seine Bewohner:innen bekommen hat, der hat dafür noch bis zum 11. September Gelegenheit. Tickets und Informationen gibt es online unter https://fblilienthal.de/.


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