

Osterholz-Scharmbeck. Bürgermeister Torsten Rode begrüßte zahlreiche Gäste bei winterlichen Temperaturen vor den Toren des Mühlencafés. Neben einigen Ratsmitgliedern und Mitarbeitern von Firmen, die sich an der Restaurierung beteiligt hatten, war auch der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Osterholz/Verden, Andreas Mattfeldt, vor Ort. Die Gesamtkosten für die Baumaßnahmen liegen mit 374.000 Euro knapp über dem geplanten Budget. Rund 175.000 Euro wurden über Zuwendungen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm XII des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert und machten die Restaurierungsarbeiten in dieser Form überhaupt erst möglich.
Eine Mühle mit Vergangenheit
Die Mühle von Rönn steht exponiert und weithin sichtbar an einer der höchsten Stellen in der Kreisstadt Osterholz-Scharmbeck. Der zweistöckige Galerieholländer mit Windrose und Segelgatterflügel an der Lindenstraße 40 wurde sehr wahrscheinlich im Jahre 1882 erbaut und zählt damit zu einer der jüngsten Mühlen, die damals errichtet wurden. Seinen Namen erhielt das imposante Bauwerk durch Wilhelm von Rönn, der die Mühle 1888 käuflich erworben hatte. Immer wieder wurden bauliche Veränderungen durchgeführt.
Die jetzt abgeschlossenen Sanierungen waren auf Grund diverser Witterungsschäden und massivem Schädlingsbefall notwendig geworden. Durch das Eindringen von Feuchtigkeit wurden die hölzernen Flügel genauso zum Sanierungsfall, wie die Galerie, die als umlaufender Balkon Zugang zu den Flügeln und der Bremse der Windmühle ermöglicht. Zu schaffen machte den Handwerkern der „ausgebreitete Haussporling (Donkioporia expansa)“ und intensiver Holzbockbefall. Im Verlauf der Sanierungen wurden neben Außenarbeiten auch die innere Konstruktion wie Sparren, Stützen und Schalung ertüchtigt und Tragwerksbalken sowie diverse Hölzer und Teile der Dacheindeckungen ausgetauscht. Dabei achteten die Verantwortlichen darauf, möglichst viel der vorhandenen Substanz zu erhalten und alle Arbeiten in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Osterholz durchzuführen.
Wärmebehandlung und moderne Materialien
Um dem Holzbockbefall Herr zu werden, wurden die Schädlinge im Mai 2025 einer speziellen Wärmebehandlung unterzogen. Tag und Nacht liefen die Heizgeräte und sorgten im gesamten Mühlengebäude für konstante Temperaturen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Eiweißzellen der Holzschädlinge (Ei, Larve, Puppe, Käfer) bei einer Temperatur von 55 Grad sicher zerstört werden. Überprüft wurde die Wirksamkeit der Wärmebehandlung an zentralen Punkten mittels extra platzierter Referenzhölzer. Die feuchtigkeitsanfälligen hölzernen Flügel der Mühle von Rönn ersetzten die Fachleute durch neue pulverbeschichtete Aluminiumprofile. Auch die Windrose war „abgängig“ und musste komplett erneuert werden. Zum Abschluss der Restaurierung bekamen die Fenster und Türen der Mühle neue Farbanstriche. Während die Fenster in einem „Altweiß“ gestrichen wurden, erhielten die Türen einen dunkelgrünen Farbton. Insgesamt waren viele Firmen und Personen an der Sanierung der Mühle von Rönn beteiligt. So sind unter anderem Carsten Ochmann und Carsten Pansegrau von der Stadt Osterholz-Scharmbeck, die Pätzmann Mühlenbau GmbH & Co.KG aus Winsen, die Zimmermannsfirma Bahrenburg aus Grasberg, und die Dachdeckerfirma Brünjes aus Worpswede zu nennen. Eingesetzt hatten sich neben vielen Lokalpolitikern auch Bundestagsabgeordnete wie Andreas Mattfeld (CDU) und Lars Klingbeil (SPD).
Ein Ort des Lernens, Begegnens und Genießens
Bürgermeister Torsten Rohde schaute bei seiner kurzen Ansprache anlässlich der Wiedereröffnung der Mühle von Rönn nicht nur in die Vergangenheit. Er lobte das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger rund um das Mühlengebäude und sprach in diesem Zusammenhang von einem Ort des Lernens, der Begegnung und des Genießens. Seit 1993 nutzt die Biologische Station Osterholz als Kompetenzzentrum für Natur- und Umweltschutz Büro- und Seminarräume in der Mühle. Geschäftsführerin Dr. Christina Muck und ihr Team haben als vorrangiges Ziel, die Natur- und Kulturlandschaften der Region mit ihren wertvollen Lebensräumen für viele Tier- und Pflanzenarten langfristig zu schützen und über Umweltbildungsarbeit eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Seit 1998 hält die MeteoGroup eine Wetterstation vor Ort vor und misst folgende Parameter: Temperatur in 2 m Höhe, Temperatur in 5 cm Höhe über dem Erdboden, Luftdruck & Luftfeuchte, Niederschlagsmenge & Niederschlagsdauer, Windgeschwindigkeit & Windrichtung sowie die Sonnenscheindauer. Im Osterholzer Anzeiger erscheinen die Wetterdaten als Monatsgrafik im Rückblick. Im Dezember 2006 eröffnete die Stiftung Maribondo da Floresta das Mühlencafé. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr. Viele Besucher nutzen das Frühstücksangebot mit Backwaren aus der hauseigenen Backstube. Auch private Feiern in gemütlicher Atmosphäre für Gruppen bis 30 Personen sind nach Absprache möglich. Maribondo plant in diesem Jahr für Pfingstmontag, den 25. Mai ein Mühlen- und für Sonntag, den 13. September ein Herbstfest.



