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Letzter Joint am Weserufer

Selsingen (eb). Zusammen mit der Zwei Eichen-Heimleiterin Carmen Gerken und zwei Ehrenamtlichen vom Arbeiter-Samariter-Bund traf Palliativpatient Hermann Mohmeyer seinen besten Freund an einem Ort voller Erinnerungen.

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Palliativpatient Hermann Mohmeyer konnte dank des Arbeiter-Samariter-Bundes noch einmal am Weserufer in Erinnerungen schwelgen.

Palliativpatient Hermann Mohmeyer konnte dank des Arbeiter-Samariter-Bundes noch einmal am Weserufer in Erinnerungen schwelgen.

Früher hat Hermann Mohmeyer ganze Nachmittage am Weserufer verbracht. Hier ist er als Jugendlicher Rad gefahren. Er hat seine Träume mit den vorbeiziehenden Schiffen auf Reisen geschickt, seine Kumpel getroffen und das eine oder andere Bierchen gezischt, geraucht und ja – manchmal auch gekifft.
 
Noch einmal sorgenfrei einen Joint rauchen
 
Die Erinnerungen an diese Zeit geben ihm Halt in einer Situation, die alles andere als fröhlich ist. Denn der heute 67-Jährige lebt nach einem Hirninfarkt halbseitig gelähmt im Alten- und Pflegeheim Zwei Eichen in Selsingen. Er sitzt im Rollstuhl, ist zudem schwerst an Krebs erkrankt. Lange wird er wohl nicht mehr leben.
Einmal noch, das hat er Zwei Eichen-Heimleiterin Carmen Gerken vor ein paar Tagen anvertraut, wollte er die Erinnerungen an schöne Zeiten aufleben lassen, einmal noch ans Weserufer kommen. Einmal noch völlig sorgenfrei einen Joint rauchen.
Aus eigener Kraft war das aber nicht mehr möglich. Und so zögerte Carmen Gerken nicht lange, sondern nahm für die Erfüllung dieses letzten Herzenswunsches Kontakt mit dem Wünschewagen-Team vom Arbeiter-Samariter-Bund Niedersachsen e.V. auf.
Das organisierte innerhalb kürzester Zeit gemeinsam mit den Zwei Eichen-Mitarbeitenden Hermann Mohmeyers Wunschfahrt an die Weser. In Begleitung der beiden ehrenamtlichen ASB-Wunscherfüller My Le Nguyen und Mattis Glade, einer Intensivkrankenschwester und einem Notfallsanitäter, ging es für den schwerkranken Ex-Bremer und Heimleiterin Carmen Gerken jetzt im Wünschewagen, einem speziell konstruierten Krankentransportwagen, an Mohmeyers Sehnsuchtsort.
Dort durfte er nach Absprache mit seinem behandelnden Arzt auch einen Joint rauchen, beim Blick auf das Wasser der Weser zur Ruhe kommen, in Erinnerungen schwelgen. „Bisschen scharf. Aber sehr gut“, lautete sein Urteil nach dem Joint.
Am Ufer wartete noch eine Überraschung auf den Palliativpatienten: sein Jugendfreund Hartmut Rinne. Den hatte Carmen Gerken heimlich eingeladen. Sie weiß, wie nah sich die beiden Männer, die sich seit über 40 Jahren kennen, stehen. Kein Wunder also, dass sich auch der Freund ganz und gar auf die Vorlieben des 67-Jährigen eingestellt, für den großen Hunger nach dem Rau(s)ch ein Matjesbrötchen eingepackt hatte. Das verputzte Mohmeyer, der sonst kaum noch etwas isst, mit ganz viel Appetit.
 
Emotionaler Ausflug
 
Wunscherfüllerin und Intensivkrankenschwester My Le Nguyen erlebt ihren Fahrgast so: „Auf seinem Gesicht haben sich in diesen dreieinhalb Stunden große Freude, starke Rührung, Trauer um Vergangenes, Angst vor dem, was vor ihm liegt und tiefe Dankbarkeit für diesen erfüllten Herzenswunsch abgewechselt. Er hat viel gelacht, geweint, geredet und geschwiegen. Ich bin froh, dass wir für ihn gemeinsam diesen Wunsch wahr werden lassen konnten.“ Die wechselnden Emotionen sind ganz sicher am Ende auch in die Botschaft eingeflossen, die Hermann Mohmeyer per Flaschenpost am Wunschfahrttag den Weserfluten übergeben hat.
 
Wunschfahrten aus Spenden finanziert
 
Die Wunschfahrt war übrigens die erste, die das Wünschewagen-Team für einen Patienten aus dem Alten- und Pflegeheim Zwei Eichen organisieren durfte. Weit über 230 letzte Wünsche sterbenskranker Niedersachsen waren es in den vergangenen vier Jahren. Die Wunschfahrten werden einzig durch Spenden finanziert und sind durch das ehrenamtliche Engagement qualifizierter Wunscherfüllerinnen und Wunscherfüller aus z.B. der Pflege und dem Rettungsdienst möglich.
www.asb-niedersachsen.org/der-wuenschewagen


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