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Ralf G. Poppe

„Küstenautowahn“ A20

Anlässlich eines Erörterungstermins im Planfeststellungsverfahren zur Küstenautobahn A20 protestierten rund 50 Menschen gegen den geplanten Neubau.

Bremervörde. Am Dienstag startete im Ratssaal ein dreitägiger Erörterungs-Marathon der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr als Anhörungsbehörde. Dies nahmen die Mitglieder der Bürgerinitiative „A20-nie!“ zum Anlass, um zu einer Demo gegen die weitere Planung zum geplanten Autobahnbau aufzurufen.

Das Motto der Gegenveranstaltung lautete: „Kostenloser Klimaschutz / A20-Planungen beenden“. Laut Polizeiangaben haben gut 50 Personen an der Veranstaltung teilgenommen.

 

Einwände Ostedeichverband

 

Bei dem Erörterungstermin ging es um „Fragen & Antworten“ sowie die Abgabe von Vollmachten. Da der Erörterungstermin aber nicht öffentlich war, hatten weder die Presse noch unangemeldete Personen eine Chance auf Zutritt. Selbst Lennart Banholzer, Freier Mitarbeiter vom NDR-Fernsehen, der eine Dokumentation zum Thema plant, die zeitnah im TV ausgestrahlt werden soll, erhielt keinen Einlass. Er führte vor dem Rathaus einige Interviews mit Beteiligten.

In den Ratssaal eingeladen waren Bürger:innen, die im Rahmen des Anhörungsverfahrens ihre Rechtsbetroffenheit darlegen oder Einwendungen vorbringen konnten. Dazu gehörte z.B. Werner Schröder, Oberdeichgraf vom Ostedeichverband. Er erklärte auf Anzeigernachfrage kurz, welche Bedenken ihn umtreiben, obwohl er nicht per se gegen den Autobahnbau sei. „Es müssen tragfähige Stützen angebracht werden, damit eine Brücke mit dem Ausmaß von über 270 Metern, die die Oste an einer 40 Meter breiten Stelle überqueren soll, den vorhandenen Deich nicht beschädigt“, so Schröder. Darauf habe Ostedeichverband aufmerksam gemacht und alle Einwände fristgerecht an die A20-Planungsbehörde übermittelt.

 

Belastungen im Raum Bremervörde

 

Auch vor dem Rathaus ging es um die Teilstrecke „Bundesstraße 495 bei Glinde bis zur Landesstraße 114 bei Elm“, also den Abschnitt 6 / Bremervörde. Bei seiner „Gegenveranstaltung“ freute sich der Organisator für die Bürgerinitiative „A20 nie! Hipstedt und umzu“, Hermann König, über zahlreiche Interessierte, die sich an der Aktion beteiligten – darunter waren auch einige Bauern mit ihren großen landwirtschaftlichen Zugmaschinen.

„Im Raum Bremervörde würden die Belastungen durch den Autoverkehr mit der A 20 massiv zunehmen“, so König. An einigen Häusern führe die Trasse der Autobahn dicht entlang. Der BI sei es wichtig, mit den besonders betroffenen Menschen solidarisch zu sein. Über die Oste eine Autobahnbrücke zu führen, könne nur als Frevel bezeichnet werden. Heute sei eine Fahrradfahrt am Nordrand der Höhne ein Vergnügen, auch Jogger und Fußgänger nutzten diese Verbindung. Die A 20 würde an der Höhne entlanggeführt und sogar eine Ecke des Waldes abschneiden. Die bisherige Straße würde dann ersatzlos wegfallen. Zudem würden weite Teile des Naherholungsgebietes Höhne verlärmt. Der Friedwald verlöre ein Stückchen der Ruhe und des Friedens. Für eine falsche Verkehrspolitik lasse man sich die Landschaft von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein bis nach Westerstede im Ammerland nicht zubetonieren und zerschneiden. Deshalb müsse mit dem Autobahnbau endlich Schluss sein. Stattdessen seien Investitionen in den Schienenverkehr erforderlich, sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr.

„Die Strecken von Stade nach Bremen sowie von Bremervörde über Zeven nach Rotenburg warten auf ihre Wiederbelebung. Wir Menschen im ländlichen Raum haben ein Recht auf einen attraktiven ÖPNV. Wir fordern, die Abhängigkeit vom Auto Schritt für Schritt zu reduzieren“, so König weiter.

 

Argumente aus den Nachbarkreisen

 

König freute sich zudem über die Teilnahme von Gleichgesinnten befreundeter Initiativen aus den Landkreisen Stade und Cuxhaven. „In Zeiten der Klimakrise eine neue Autobahn zu bauen ist für uns völlig unverständlich. Erst recht, wenn sie, wie die A20, Moor- und Marschflächen versiegelt“, so zum Beispiel Tobias Söhl von Parents for Future Cuxhaven. Es zeige aber nicht nur, dass Politikern der Klimaschutz egal sei, wenn es konkret werde, sondern auch, dass sie lobbygesteuert entscheiden würden. „Warum begünstigen sie ansonsten den Warenverkehr per LKW von West nach Ost und andersherum mit einer neuen Autobahn, wenn darunter die deutschen Häfen und der Güterzugtransport leidet?“, so Söhl. Lars Klingbeil (SPD) hätte zudem den Neubau einer ICE-Verbindung Hannover-Hamburg oder Enak Ferlemann (CDU) die komplette Zweigleisigkeit der Bahnstrecke Hamburg-Cuxhaven verhindert. „Wir fordern, dass nur noch Neubauprojekte realisiert werden, die klimafreundliche Verkehrsinfrastruktur fördern“, so Söhl.


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