

Bremervörde. Ab dem 1. August beginnt der Rechtsanspruch für Erstklässler auf eine achtstündige Betreuung an fünf Tagen in der Woche. In Niedersachsen soll dieser Rechtsanspruch in den Grundschulen umgesetzt werden. Die beiden Bremervörder Grundschulen haben über viele Monate in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit Unterstützung der Stadt Bremervörde intensiv die Einführung eines kooperierenden Ganztagsschulsystems zur Weiterentwicklung des Schulstandortes Bremervörde zum Stichtag vorbereitet.
Der Rat der Stadt Bremervörde hat daraufhin im November 2025 beschlossen, den Ganztag an den beiden Grundschulen ab dem Schuljahr 2026/27 grundsätzlich für alle Jahrgänge einzuführen – vorbehaltlich der zugesagten auskömmlichen Finanzierung durch das Land Niedersachsen. Mit diesem Beschluss soll ein Signal für den Ausbau von Bildung, Betreuung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Bremervörde gesetzt werden.
Rechtsanspruch Umsetzen
„Wir haben seit 2024 mit der gemeinsamen Arbeitsgruppe auf Schulebene, unterstützt durch uns als Schulträger, viele Monate der intensiven Vorbereitung gehabt“, so Bürgermeister Michael Hannebacher. „Wir haben uns auf den Weg gemacht, ein kooperierendes Ganztagsschulsystem mit dem Ziel zu entwickeln, zum 1. August den Rechtsanspruch entsprechend in Schulen umzusetzen oder umsetzen zu wollen, ein Stück weit zu müssen, zu sollen, wie auch immer.“ Schulträger und die beiden Schulleitungen Michael Schulze (kommissarischer Schulleiter Engeo) und Rolf Burghard (kommissarische Schulleitung Bremervörde) haben die konkrete Umsetzung dieses Vorhabens intensiv unter Betrachtung aller relevanten Rahmenbedingungen geprüft und mit weiterentwickelt. Mit Datum vom 10. Dezember 2025 wurde der bereits zugesagte Erlassentwurf zur „Klassenbildung und Lehrkräftestundenzuweisung an den allgemeinbildenden Schulen“ übersandt, aus dem sich die zugesagte vollauskömmliche Finanzierung des pädagogischen Ganztagsschulbetriebes abbilden sollte. Die Entwurfsfassung enthält die Einschränkung, dass sich Lehrkräfte-Soll-Stunden nur teilweise in ein für die Umsetzung des Ganztagsangebotes erforderliches Mittelkontingent umwandeln lassen, sofern dafür Haushaltsmittel verfügbar sind. Diese einschränkenden Formulierungen haben zu einer massiven Verunsicherung der Verantwortungsträger und zu einer angepassten Bewertung der organisatorischen, räumlichen und personellen Rahmenbedingungen geführt.
Im Ergebnis dieser gemeinsamen Prüfungen zeigte sich insbesondere aus schulischer Sicht, dass zentrale Voraussetzungen für einen gleichzeitigen Start des Ganztags in allen Jahrgängen zum Schuljahr 2026/27 derzeit noch nicht vollständig gegeben sind. Im Wesentlichen sei hier vor allem die personelle Situation zu nennen: Sowohl im Bereich der Lehrkräfte als auch bei pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen derzeit nicht in dem erforderlichen Umfang verlässliche Ressourcen zur Verfügung. Ein sofortiger Ganztagsstart mit allen Jahrgängen würde unter diesen Bedingungen keine Gewähr für die Verlässlichkeit des Angebots mit sich bringen.
Gruppenrunde und Arbeitsgemeinschaften
Vor diesem Hintergrund und dem nachvollziehbaren Wunsch der Eltern auf verlässliche Planungsaussagen haben sich Schulträger und Schulleitungen gemeinsam darauf verständigt, den Ganztag ab dem Schuljahr 2026/27 zunächst mit den Jahrgängen 1 und 2 zu starten. Die Jahrgänge 3 und 4 sollen schrittweise folgen, sobald die erforderlichen Voraussetzungen gesichert sind. Zudem stehen Angebote anderer Institutionen weiterhin unverändert auch den Dritt- und Viertklässlern zur Verfügung (Hortangebot des CJDs sowie der Nachbarschafts- und Stadtteilladen).
Die Entscheidung ist bewusst getroffen worden, um den Ganztag von Beginn an qualitativ hochwertig, verlässlich und kindgerecht umzusetzen. Ein gestufter Einstieg ermöglicht es, tragfähige Strukturen aufzubauen, Personal einzuarbeiten und Erfahrungen zu sammeln, ohne die Bedürfnisse der Kinder oder die Belastbarkeit der Beteiligten aus dem Blick zu verlieren. „Das Einzige, was wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht bieten können, ist bei dieser Abfrage schon ein Angebot mitzugeben. Bis 14.30 Uhr wird es eine Gruppenrunde geben. Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, qualifizierte Hausaufgabenbetreuung. Ab 14.30 Uhr wird es eine Betreuung in Arbeitsgemeinschaften geben. Diese kann sportlich, musisch, kulturell sein. Aber wir können nicht sagen, mittwochs ist immer Handball. Das können wir nicht. Wer diese konkrete Ausgestaltung seitens der Eltern braucht, der müsste zum Hort“, so Burghard.
Der Schulträger und die Schulleitungen bekennen sich weiterhin ausdrücklich zum vollständigen Ausbau des Ganztags an beiden Grundschulen. Der eingeschlagene Weg wird gemeinsam, transparent und im engen Austausch fortgesetzt. Ziel bleibt es, allen Kindern in Bremervörde dauerhaft ein gutes, verlässliches und pädagogisch überzeugendes Ganztagsangebot zu machen. Verbindliche Anmeldungen können seit Ende Januar von interessierten Eltern getätigt werden.



