Lena Stehr

Derzeit nicht lieferbar

Die globale Lieferkette ist massiv gestört - unter anderem durch Auswirkungen der Corona-Pandemie. Und weil sich in vielen Häfen die Container stauen, mangelt es nun auch bei uns an bestimmten Waren wie Fahrrädern, Handys oder Spielzeug.

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Die gute Nachricht: Laut Konjunkturumfrage der IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum hat sich die wirtschaftliche Erholung bei den Unternehmen in der Region im Verlauf des dritten Quartals fortgesetzt. Die schlechte Nachricht: Die Geschäftslage bleibt aufgrund von Material- und Personalmangel deutlich hinter dem Potenzial zurück. Materialknappheit und große Preissteigerungen in der Industrie, Personalmangel nicht nur im Gast- und Verkehrsgewerbe kennzeichnen die aktuelle Situation.
Lieferengpässe und stark steigende Rohstoffpreise bei Computerchips, Metallen oder Baumaterialien bedeuten für die Unternehmen einen erheblich größeren Aufwand, heißt es im IHK-Bericht. Besonders betroffen vom Materialmangel sei seit geraumer Zeit der Bereich Automotive plus Zulieferer. Ganze Werke stünden wieder still.
„Die Lage nach 18 Monaten Corona ist nicht so gut, wie sie sein könnte. Viele Unternehmen würden gerne mehr produzieren, haben aber keine Vorprodukte. Und viele Unternehmen suchen Personal, meistens Fachkräfte, manchmal Hilfskräfte, die einfach mit anpacken. Das bremst die Wirtschaft“, so Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen.
 
Ausgebremst
 
Ausgebremst ist auch Fahrradhändler Heiko Wellbrock aus Osterholz-Scharmbeck. Seit Beginn der Pandemie warten er und sein Sohn oft vergeblich auf neue Räder und Ersatzteile. „Die Modelle, die wir für dieses Jahr bestellt hatten, sind teilweise immer noch nicht angekommen“, sagt Wellbrock. Weil er sich gut vorbereitet hatte, sei zwar noch Ware da, die Kund:innen müssten aber bei speziellen Wünschen mit längeren Lieferzeiten rechnen. Er müsse viel erklären und vertrösten und habe einen deutlich höheren Verwaltungsaufwand. „Es ist ganz schlimm“, sagt er.
 
Derzeit nicht lieferbar
 
„Derzeit nicht lieferbar“: Diesen Satz liest auch Stefan Schlesinger, Inhaber des Spiel- und Schreibwarengeschäfts „Spiel & Stift“ in Bremervörde, inzwischen oft auf seinem Bildschirm, wenn er neue Ware bestellen will - und das ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit. Bestimmte Spielwaren, zum Beispiel Schleichtiere, seien so gut wie gar nicht zu bekommen. Viele Lieferungen seien bereits auf das nächste Jahr verschoben worden. Er rät Kund:innen, die genaue Vorstellungen haben, was sie zu Weihnachten verschenken wollen, sich jetzt schon darum zu kümmern.
Im Zweifel bekomme man im Geschäft vor Ort sogar eher noch das, was man sucht, als im Onlinehandel. „Ich hatte gerade eine Kundin, die einen Spielzeug-Adventskalender online bestellt hatte, ihn dann aber doch nicht bekam, weil er plötzlich nicht mehr lieferbar war. Wir hatten genau den Kalender aber noch auf Lager“, sagt Schlesinger. Er gehe davon aus, dass sich die Lage erst im kommenden Frühjahr wieder etwas entspannt. Die Menschen müssten sich mit Entbehrungen abfinden.
 
Probleme bei neuen Schulranzen 2022
 
Probleme sieht der Geschäftsinhaber auch jetzt schon in Bezug auf die Anfang des Jahres stattfindenden Schulranzenmessen. Viele neue Modelle würden sicherlich dann noch nicht da sein. Das liege daran, dass die Ranzen und Taschen häufig in Vietnam produziert würden und auch deutsche Produzenten auf Einzelteile aus Vietnam angewiesen seien. Aufgrund von Corona-Beschränkungen ist die Produktion dort massiv gestört.
Lesen Sie hier die Hintergründe und hier den Kommentar zum Thema.


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