Lena Stehr

Bürgermeisterkandidaten im direkten Vergleich

Bremervörde. Während Michael Hannebacher (parteilos) und Jochen Hake (Grüne) deutlich machten, frischen Wind ins Rathaus bringen zu wollen, trat Stefan Imbusch (CDU) als Verteidiger des Status quo auf.

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Alle drei Bürgermeisterkandidaten im direkten Vergleich auf einer Bühne: die von den Familien Müller und Morgenstern mit Unterstützung des Tandem-Vereins auf die Beine gestellte Podiumsdiskussion im Garten der BBG am Dienstagabend interessierte so viele Bürger:innen, dass einige aufgrund der Corona-Auflagen leider wieder nach Hause geschickt werden mussten.
 
Der Mensch hinter dem Kandidaten
 
Ziel der Veranstaltung sei vor allem, die Menschen hinter den Kandidaten kennenzulernen, so Moderator André Wollenberg, der eloquent durch den Abend führte und die Fragen zusammenfasste, die Bürger:innen zuvor per Mail eingereicht hatten.
Bevor es um wichtige Bremervörder Themen ging, erfuhren die Zuhörer:innen unter anderem, dass Michael Hannebacher (parteilos) Unfairness nicht ausstehen kann und trotz Höhenangst gerade selbst seine Dachrinne gereinigt hat. Und dass Stefan Imbusch (CDU) gern mal den Platz mit HSV-Legende Horst Hrubesch tauschen und wieder mit dem Laufen anfangen möchte. Jochen Hake (Grüne) arbeitet gerne in seinem großen Garten, ist froh aus der Großstadt wieder nach Bremervörde gezogen zu sein und findet, dass der persönliche Kontakt analog besser funktioniert als digital.
 
Was ist den Kandidaten wichtig?
 
Der Steuerfachangestellte Stefan Imbusch, der als einziger Kandidat keine Verwaltungserfahrung hat, betonte im Verlauf des Abends immer wieder, dass er als Bürgermeister im Team mit allen etwas bewegen wolle.
Hannebacher, der Samtgemeindeverwaltungsrat und stellvertretender Samtgemeindebürgermeister Selsingens ist, wiederholte mehrfach, dass offene Kommunikation essenziell sei und es erst mal darum gehen müsse, alle an einen Tisch zu holen, um festzustellen, wo Abläufe verbessert werden könnten.
Diplom-Biologe Jochen Hake, der bei der Hamburger Umweltbehörde beschäftigt ist, machte - ebenso wie Hannebacher - immer wieder deutlich, dass es an der Zeit sei, neue Ansätze und Ideen ins Rathaus einzubringen.
 
Unterschiedliche Ansichten zum Vörder Feld
 
Selbstkritisch zeigte sich Stefan Imbusch beim Thema Vörder Feld. Man hätte es versäumt, in den letzten Jahrzehnten Flächen zu entwickeln und müsse jetzt schnell handeln. Es gebe viele an Einfamilienhäusern interessierte Familien, denen man Grundstücke anbieten müsse.
Dass Jochen Hake sich von den drei Kandidaten am kritischsten zu dem geplanten Baugebiet äußerte, überraschte nicht. Er wies insbesondere daraufhin, dass es in Bremervörde an Wohnraum für junge Leute mangele. Das habe zur Folge, dass viele Fachkräfte - vor allem im Handwerk - nach Bremerhaven oder Bremen abwandern würden. Er plädierte für eine Verdichtung der Kernstadt und sprach sich dafür aus, alte Bebauungspläne so zu ändern, dass eine Bebauung auch in zweiter Reihe in der Innenstadt möglich wäre.
Hannebacher wurde bei dem Thema Vörder Feld seiner Rolle als neutraler Kandidat gerecht („es ist, wie es ist“). Aus seiner Sicht müsse die Fläche intensiv verkleinert werden und ein Augenmerk auf ökologisches Bauen gelegt werden. Teile des Areals sollten als Tauschflächen, bzw. als Pfand genutzt werden, um mittelfristig andere Bereiche entwickeln zu können, so Hannebacher.
 
Wie schützt man die Stadt vor Umweltkatastrophen?
 
Angesprochen auf das Thema Katastrophenschutz wies Stefan Imbusch lediglich auf die Wichtigkeit der Deichverteidigung hin, während seine Mitbewerber um das Bürgermeisteramt noch andere Aspekte einbrachten.
So müsse man überlegen, welche Flächen überhaupt bebaut werden sollten, so Hannebacher. Insgesamt müsse der Umfang der versiegelten Flächen reduziert werden.
Jochen Hake fragte sich zudem, warum der Wasserstoff für die Wasserstofftankstelle mit dem Lastwagen von Stade nach Bremervörde transportiert werde anstatt mit dem Zug. Er werde sich dafür einsetzen, dass künftig der sichere Weg auf den Gleisen genutzt werde. Auch Hake sieht eine große Aufgabe in der Entwässerung der Stadt (Stichwort Schwammstadt) und brachte in Hinblick auf die fernere Zukunft auch Sperrwerke ins Spiel.
 
Neue Räume für die Kultur
 
Weil es in Bremervörde an Räumen für kulturelle Veranstaltungen mangele, sei die geplante Entwicklung am Westerende, wo die Quell Real Estate Unternehmensgruppe unter anderem ein Kino plane, ein wichtiger Schritt, meint Imbusch und zeigte sich damit erneut ganz konform mit der aktuellen CDU-Linie.
Hannebacher möchte dagegen auch hier gerne „den Reset-Knopf drücken“ und hält es nicht für notwendig, dass es immer Neubauten sein müssen. Man sollte sich lieber die Bachmanngrundstücke und die dort bestehenden Gebäude anschauen und gemeinsam mit allen Akteur:innen eine Lösung erarbeiten.
Auch Jochen Hake hält nichts von einem „von oben aufgedrückten Konzept“. Der Charme einer Kulturstätte liege darin, dass sie sich von selbst entwickele. Diese selbst organisierte Kultur von den Leuten, die wirklich Lust darauf hätten, gelte es zu unterstützen. Auf jeden Fall sollten ihnen keine Steine in den Weg gelegt werden, was auch als Anspielung auf das derzeitige Verhältnis zwischen der Stadt und dem Tandem-Verein zu verstehen war.
So hatte Andreas von Glahn vom Tandem-Verein am Anfang der Veranstaltung seinem Wunsch nach mehr Gestaltungsspielraum Ausdruck verliehen. Er habe in den letzen Jahren Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit vonseiten der Stadt im Umgang mit dem Verein vermisst. Hätten sich die Kulturschaffenden, die unter anderem den EIGENART-kunstraum eröffnet und den Kultursommer auf die Beine gestellt haben, auf Politik und Verwaltung verlassen, wäre in Bremervörde nichts passiert, so von Glahn.
Zumindest Michael Hannebacher und Jochen Hake machten mehrfach deutlich, sich generell für mehr Miteinander und einen respektvollen Umgang einsetzen zu wollen. Stefan Imbusch ließ hingegen keinen Zweifel daran, keine großen Veränderungen initiieren zu wollen.
 
Ein Video des Abends ist inzwischen auf Youtube hinterlegt. Den Link können Interessierte bei den Kandidaten selber erfragen oder auf deren Homepages finden.


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