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Patrick Viol

Zukunftsplanung geht anders

Osterholz-Scharmbeck (pvio). Der Beschluss von Stadt und Bildungsausschuss, den Neubau der Integrierten Gesamtschule vierzügig zu bauen, trifft auf harte Kritik.
Eisige Stimmung zwischen SV und Verwaltung: Die Schüler:innenvertretung der IGS fühlt sich von der Verwaltung übergangen, indem sie den Neubau nun anstatt fünfzügig nur vierzügig bauen lassen will.  Foto: jm

Eisige Stimmung zwischen SV und Verwaltung: Die Schüler:innenvertretung der IGS fühlt sich von der Verwaltung übergangen, indem sie den Neubau nun anstatt fünfzügig nur vierzügig bauen lassen will. Foto: jm

Fünfzügig planen, aber nur vierzügig mit Erweiterungsoption bauen, wie es in der Sitzung des Bildungsausschusses hieß, hat bei der IGS-Oberstufenleiterin Anja Printz für Irritationen gesorgt, wie das Osterholzer Kreisblatt berichtet. Als sie sie gegenüber der Ersten Stadträtin Bettine Preißner äußerte, habe diese verwundert entgegnet, dass diese Planung doch im Vorfeld besprochen worden wäre. Dem widerspricht Printz.
Auch Volker Meyer, wie das Kreisblatt weiter berichtet, habe die Nachricht vom nun befassten Beschluss „kalt erwischt“. Er verstehe nicht, warum man in Anbetracht der vorliegenden Zahlen von der Fünfzügigkeit absehe. Die Geburtenzahlen zeigten, dass die Osterholz-Scharmbeck bereits 2025, ein Jahr vor der Fertigstellung des Neubaus, mehr Kinder im fünften Jahrgang sein werden, als eine vierzügige IGS gemeinsam mit Lernhaus am Campus und Gymnasium aufnehmen könnten. Die Neuplanung geschehe wider besseres Wissen.
 
Keine Politik, die an morgen denkt
 
Scharfe Kritik kommt auch von der Fraktion der Linken im Stadtrat. Eine vierzügige IGS werde sie nicht mittragen und verweist auf die vorangegangenen Workshops, in denen u. a. sehr genau der Raumbedarf ermittelt wurde.
Hier sei „die Fünfzügigkeit der Schule (...) nicht strittig“ gewesen, wie sie mitteilt. Auch stellt sie die Erweiterungsoption infrage: „Dann soll es nach einem 48-Millionen-Projekt eine Erweiterung der IGS geben?
Die nun von der Verwaltung auf den Tisch gepackte Vierzügigkeit überrumpel nicht nur Lehrer:innen, Schuler:innen und Eltern. Aufgrund der „radikalen Wendung des Projekt(s)“ sei es „in Zukunft nicht allen Kindern erlaubt, zur IGS gehen zu können, weil man räumlich am Ende ist.“ Zudem sei bereits die für die jetzige Raumplanung zugrunde gelegte Klassengröße von 30 Schüler:innen total überholt. Eine Politik, die heute schon an morgen denkt, sei der nun vorgelegte Beschluss nicht.
 
Künstliche Verknappung für ein städtisches Prestigeobjekt
 
Darin überein stimmt auch die Schüler:innenvertretung der IGS, von der die schärfste Kritik an der Verwerfung der geplanten Fünfzügigkeit formuliert wird.
Inhaltlich stelle die nun geplante Vierzügigkeit „keine Investition in die Zukunft“dar und mit von ihr ausgehende Signalwert liege darin, dass Pläne, die aus einem Prozess von inzwischen 14(!) Jahren entstanden sind, mit einem Federstrich grundlegend geändert werden können“, wie Schüler:innensprecher Jerik Dikkerboom dem ANZEIGER mitteilt. Und die SV betont - wie alle anderen übergangenen Akteur:innen -: „Die Fünfzügigkeit war nie strittig.“
Formal sei diese Vorgehensweise der Verwaltung eine „einfache Missachtung des Beteiligungsprozess und mangelnde Wertschätzung für Lehrkräfte und Eltern, aber noch vielmehr gegenüber den Schüler:innen“, so Dikkerboom. Wenn Abmachungen später intern geändert werden, signalisiere das, dass die Meinungen der Beteiligten, die gestützt von klaren Zahlen seien, der Verwaltung „egal“ seien. Was zähle, das seien eben die Finanzen, nicht die Pädagogik.
Entsprechend kritisch bewertet die SV auch die Begründung der Stadtverwaltung für die Verkleinerung des Baus, dass sie damit verhindern wolle, das dem Lernhaus am Campus die Schüler:innen ausgingen. Um „ein städtisches Prestigeobjekt zu halten“, könne man doch nicht Schüler:innen durch eine „künstliche Verknappung der Plätze“ an der IGS zwingen, das Lernhaus zu besuchen. „Für ein zukunftsweisendes Schulangebot sollte im Interesse der Schüler:innen der Wettbewerb zwischen den beiden Schulen nicht derart stark gelenkt werden, sondern durch den Wettbewerb gewährleistet werden“, heißt es von Dikkerboom.
Es müsse bei Entscheidungen auf die Zukunft die „chancengerechteste Schulbildung im Vordergrund stehen“.


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