Janine Girth

Sie bereichern das Landleben - Kreislandfrauen tagten in der Stadthalle

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Hinten von links: Anne-Dörthe Neumann, Dörte Stellmacher; vorn von links: Anne-Katrin Bullwinkel, Martina Warncken.  Foto: ui

Hinten von links: Anne-Dörthe Neumann, Dörte Stellmacher; vorn von links: Anne-Katrin Bullwinkel, Martina Warncken. Foto: ui

Osterholz-Scharmbeck. Es war ein informativer, aber auch sehr unterhaltsamer Abend, zu dem die Vorsitzende der Kreislandfrauen, Anne-Katrin Bullwinkel, eingeladen hatte. Rund 220 Landfrauen und Gäste konnte sie in der Stadthalle begrüßen.
„Wir sind eine starke Gemeinschaft, die viel erreichen kann“, sagte Anne-Katrin Bullwinkel. „Wer, wenn nicht wir selbst, können für unsere Interessen und Belange eintreten.“ Um diese gemeinsam zu vertreten und in der Öffentlichkeit zu präsentieren, habe man in Hannover mit dem Landesvorstand ein starkes Team. „Frauen, die nichts fordern, bekommen nichts“, sagte Anne-Katrin Bullwinkel und legte den Frauen ans Herz, am 26. Mai bei der Europawahl ihr Stimmrecht zu nutzen. Sie erwähnte die zahlreichen Aktionen der Landfrauen, von denen es übrigens in Niedersachsen 70.000 in 276 Landfrauenvereinen gibt. Dazu gehörten Pflanzaktionen und der zweite Grüne Ball mit über 700 Gästen sowie eine Reise nach Oman. Sie lobte die Aktion „Echt Grün“, die für ein besseres gesellschaftliches Verständnis für die Landwirtschaft wirbt. Unter den Gästen waren auch Dorfhelferinnen, die, so Anne-Katrin Bullwinkel, einen großen Anteil an der Bildungsarbeit habe. „Wie schön, dass es euch gibt.“
Beliebt und geachtet
Der stellvertretende Bürgermeister Klaus Sass überbrachte Grüße aus dem Rathaus. „Sie sind beliebt und geachtet zugleich“, rief er den Landfrauen zu. Sie seien eine homogene Gemeinschaft, selbstbewusst, pflegten das Brauchtum und leisteten tagtäglich Unglaubliches. „Sie tragen dazu bei, das Leben im Landkreis Osterholz abwechslungsreich und liebenswert zu gestalten“, so Klaus Sass.
Anne-Dörthe Neumann ist die Bezirksvertreterin der Landfrauen für Stade. Die wichtigste Aufgabe für sie sei, das Bindeglied zwischen den Landfrauen, den Landfrauenvereinen und Kreisverbänden und dem Landesverband zu sein. Sie habe eine Vermittler- und Multiplikatorenfunktion und möchte sich mit voller Leidenschaft für die Landfrauen einsetzen.
Die Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof“ für das Land Niedersachsen, Martina Warncken, sagte, die Nachfrage, Urlaub auf dem Bauernhof zu machen, sei groß. Das sei paradox, denn die Landwirtschaft stehe in der Kritik wie noch nie. Die Urlaubsgäste hätten kritische Fragen, aber es bestehe auch die große Chance für die Landwirte, aufzuklären und die Gäste in das aktive Hofleben einzubeziehen.
Große Leidenschaft
Dörte Stellmacher, stellvertretende Vorsitzende Nord des Niedersächsischen Landfrauenverband (NLV), bezeichnete die Landfrauen als ihre große Leidenschaft. Besonders freute sie sich über die Tendenz, dass auch junge Leute Landfrauen werden. Sie nennen sich JIL – junge innovative Landfrauen. Der NLV biete viele gute Projekte an, „die bei Ihnen gut umgesetzt werden“. Als Beispiel nannte sie „Kochen mit Kindern“ und den Workshop „Erfolgreich wird weiblich“. Ihr großes Anliegen sei die Stärkung des ländlichen Raums. Sie bedankte sich bei den Landfrauen für die wunderbare Arbeit vor Ort. „Machen Sie weiter so, tragen Sie ihre Freude an der Arbeit weiter.“ Für ihr unermüdliches Engagement im Orts- und Kreisverband zeichnete Dörte Stellmacher die Wörpedorfer Landfrau Ingrid Behrens mit der „Silbernen Biene“ und einer Ehrenurkunde aus.
100 Jahre Frauenwahlrecht
Bevor die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Katja Lipka, ihre Zuhörer zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ auf eine Spurensuche mitnahm, unterhielt der Pop- und Gospelchor „Sound of Colours“ aus Bremen-Nord die Landfrauen. Unter der Leitung von Marlies Nicolmann sangen die Männer und Frauen englische und deutsche Gospelsongs. Der Chor animierte das Publikum auch zum Mitsingen.
In ihrer Powerpointpräsentation zeichnete Katja Lipka den Kampf der Frauen um Gleichberechtigung nach. Sie begann im 19. Jahrhundert und arbeitete sich bis heute vor. „Im Jahr 1900 kam das Bürgerliche Gesetzbuch heraus, das den Ehemann zum Vormund seiner Frau bestellte. Und gab es keinen Ehemann, war das der Vater.“ Sie ging auf die Unruhen der Französischen Revolution ein, den ersten Internationalen Frauentag im Jahr 1911 in Berlin und den verlorenen Ersten Weltkrieg. „Und wer hat das Land wieder aufgebaut?“, fragte die Gleichstellungsbeauftragte. „Das waren natürlich die Frauen.“
Über Gleichberechtigung
1919 wurde die grundsätzliche staatsbürgerliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Weimarer Verfassung festgeschrieben. Das passive Wahlrecht von Frauen wurde dann 1933 wieder aufgehoben. Katja Lipka würdigte die Mütter des Grundgesetzes, berichtete über die Einführung der sogenannten Hausfrauenehe im Jahr 1958, wonach die Frau berechtigt war, erwerbstätig zu sein, „soweit sie dieses mit den Pflichten in der Ehe und Familie vereinbaren kann“. 1961 kam die Antibabypille - eine Revolution - und damit die sexuelle Selbstbestimmung. Weiter sprach sie über den Paragraphen 218, Alice Schwarzer mit ihrer Kampagne „Ich habe abgetrieben“, Vergewaltigung in der Ehe. Und am Ende ihres interessanten Vortrags sagte sie: „Wir haben bald die WM der Frauen. Wo bleiben die Sammelpunkte, wo die Fähnchen?“
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Auftritt Rita Apels. Die Gewinnerin der Poetry-Slam-Meisterschaft Bremen und Niedersachsen begeisterte mit ihren Texten über ein Heuschnupfen-Liebespaar, über komische Ortsnamen und Parship. Bei ihren Ausführungen „Auf jeden Topf passt ein Deckel“ blieb vor Lachen kein Auge trocken.



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