Bis hierher lief‘s noch ganz gut
Die wissenschaftlich prognostizierte Klimakatastrophe nimmt an Fahrt auf und kommt seit einigen Jahren mehr und mehr im Alltag an. Es wird immer heißer, in Frankreich wurden zuletzt 42 Grad gemessen, in Südwestfrankreich lag der Peak bei 44,3 Grad. Für Berlin sind für dieses Wochenende 40 Grad angekündigt. Da helfen auch kein Baggersee und kein Freibad mehr. Man möchte sich nicht mehr draußen bewegen, und für ältere oder gesundheitlich belastete Menschen wird die Hitze zur ernsten Bedrohung.
Die globale Erwärmung tritt aus dem Bereich der Klimamodelle immer weiter in die Alltagserfahrung und damit unmittelbar ins Erleben. Erfahrung kann aber abgewehrt werden. Die auf X, Instagram und Facebook laufenden Debatten sind ein eindrucksvolles Zeugnis von Wirklichkeitsverweigerung. Der diskursive Soundtrack zum Untergang am Donnerstag, den 25. Juni 2026 (da die Hitze sich schlecht wegleugnen ließ, wurde am Kapitel „Die Sonne ist nicht gefährlich“ weiter geschrieben): „Früher hieß das Sommer!“ „In Deutschland herrscht eine Durchschnittstemperatur von 9,4 Grad.“ „Jetzt verstehe ich endlich, warum Saunen mit Leichen überfüllt sind!“ Meist mit wahrscheinlich hitzebedingt schon etwas ermattetem Sarkasmus.
Diesem – hitzebedingt etwas ermattetem – Sarkasmus argumentativ etwas entgegenzusetzen, wäre schnell gemacht. Man hat es mit Menschen zu tun, die in ihrem Alltag wahrscheinlich weitgehend funktionsfähig sind, aber in dem Moment nicht wissen, was eine Durchschnittstemperatur ist; und die öffentlich bekunden, dass sie kein Problem damit hätten, dauerhaft in einer Sauna zu leben.
Laut einer repräsentativen Befragung von über 2.000 Erwachsenen, durchgeführt von der Universität zu Köln und der Universität Bonn, sind 22 Prozent der Bevölkerung in Deutschland entweder der Auffassung, dass es den Klimawandel gar nicht gibt oder dass er überwiegend ein natürliches Phänomen und damit auch weitgehend ungefährlich sei. Das ist eine Menge Wirklichkeitsverleugnung.
Woher kommt die Abwehr? Man kann die Fakten schnell googeln, es herrscht kein Informationsdefizit, und es ist auch keine Meinungsfrage. Zu klären wäre, wie reagiert werden soll, wie die Städte abgekühlt und der CO2-Ausstoß verringert werden kann. Die Leute sind auch nicht per se dumm. Man kann sich die Abwehr also nur sozialpsychologisch erklären. Als Festhalten an den Beständen, es darf sich nichts ändern. Wann wird es endlich wieder so, wie es niemals war?
Dass die Verhältnisse und damit auch das eigene Leben als Konsument, der mit seiner Arbeitskraft die Profitmaximierung mitbefeuert, verändert werden müssen, wird als Drohung von Status- und Kontrollverlust, als Kränkung erlebt; fossile Energien und hoher Ressourcenverbrauch hingegen als Symbole von Stärke, Freiheit und Widerstand gegen Regulierung und Bevormundung.
Das alles funktioniert nur in Verhältnissen, in denen das bisschen Freiheit, das man als Mensch hat, der seine Arbeitskraft verkaufen muss, mit Konsum generell und mit Autofahren im Besonderen verbunden ist. Das Resultat ist dann die idiotenfrohe Verleugnung wissenschaftlicher Erkenntnis auf Kosten des eigenen Lebens, des Lebens der Landsleute und des Lebens der Menschen in den Ländern des Südens, die unter dem Klimawandel am stärksten leiden werden.

„Team Ritterhude“ tritt an




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