Patrick Viol

NABU und Grüne streben Volksbegehren an

Landkreis (pvio).Um die Artenvielfalt steht es schlecht in Deutschland. Das Volksbegehren Artenvielfalt.Jetzt! soll das ändern.

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Der Bericht zur Lage der Natur habe zwei Dinge bestätigt: Um die Artenvielfalt steht es schlecht in Deutschland und mit freiwilligen Maßnahmen ist dem Insektensterben nicht mehr beizukommen. Das meinen zumindest die Grünen und der NABU, weshalb sie ein Volksbegehren initiierten, um eine Gesetzeslage für den Artenschutz zu schaffen.
„Wir müssen aber nicht tatenlos zusehen. Das Volksbegehren Artenvielfalt.Jetzt! will Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen besser schützen und hat dazu ein Gesetz vorgelegt für mehr Natur- und Artenschutz. Denn nur mit gesetzlichen Regelungen wird sich auch etwas ändern“, sagt Dörte Gedat, Vorsitzende der Grünen Schwanewede. Das sieht auch Walter Lemmermann, Vorsitzende des NABU Kreisverbands Bremervörde-Zeven so.
 
Guter Wille reicht nicht
 
Die Willenserklärung im „Niedersächsischen Weg“, in der das Land, das Landvolk, die Landwirtschaftskammer, der BUND und der NABU gemeinsam Maßnahmen zum Natur-, Arten- und Wasserschutz ausarbeiteten, zeige einen richtigen Weg auf, bliebe aber eine Absichtserklärung. Es fehle die „verbindliche Umsetzung in Gesetzen, Verordnungen und Erlassen“, wie Lemmermann erklärt. Zudem seien „Die Formulierungen sind teilweise vielseitig auslegbar. Dort hilft nur eine Konkretisierung in Vorschriften. Deshalb ist das Volksbegehren notwendig.“ Kritisiert wird der NABU vom Niedersächsischen Landvolk für seine Beteiligung am Volksbegehren. Es könne aber noch überflüssig werden, so Lemmermann. Wenn das Land es schaffe, in diesem Jahr die Inhalte des „Niedersächsischen Weg“ ohne verwässernde Ausnahmen in Gesetze umzusetzen. Besonders wichtig sei aber auch ein Umdenken bei der Produktion der Nahrungsmittel - weg von der industriellen Großproduktion hin zu mehr Ökolandbau, so Gedat. Dadurch würde mehr Vielfalt in der Landschaft möglich, was letztlich zu mehr Lebensräumen für verschiede Insekten- und Vogelarten führe.
 
Wichtigkeit Artenvielfalt
 
Warum aber ist Artenvielfalt so wichtig? Damit wir Menschen uns an schönen Vögeln erfreuen können? Nein. Von der Artenvielfalt sei letztlich das Überleben der Menschen abhängig, wie die Meeresbiologin Dr. Julia Schnetzer vom Konsortium Deutsche Meeresforschung erklärt: „Ökosysteme sind in biotische abiotische Faktoren aufgebaut. Also in alles, was lebt, Tiere und Pflanzen, und was nicht lebt, tote Sache wie Steine, Berge, Flüsse etc. In einem Ökosystem haben alle diese Faktoren Wechselwirkungen miteinander und nehmen Einfluss aufeinander und sind in einem perfektem Gleichgewicht aufeinander eingestimmt.“
 
Ökosystem Jenga-Turm
 
In diesem Gleichgewicht besetze jede Art ihren Platz, auch Nische genannt, habe ihr Nahrungsspektrum, ihre Feinde und ihre „Aufgabe“ im System. „Ein Ökosystem ist im Grunde wie ein Jenga-Turm aufgebaut. Wenn alle Holzstücke im Turm stecken, steht er perfekt und auch ein Rütteln am Tisch schmeißt ihn nicht gleich um. Wenn nun aber mit der Zeit immer mehr Steine aus dem Turm herausgenommen werden, wird er langsam wackelig und bricht letztendlich komplett zusammen, wenn das letzte stabilisierende Stück herausgenommen wird oder jemand gegen den Tisch stößt. Die Steine repräsentieren hierbei die verschiedenen Arten, die das System am Laufen halten. Wenn nun aber immer mehr Arten verschwinden und keine anderen Arten ihre ‚Aufgaben‘ übernehmen können, bricht am Ende das ganze System zusammen. Das momentan bekannteste Beispiel dafür ist das Insektensterben“, erklärt Schnetzer. Eine große Aufgabe der Insekten in fast allen Ökosystemen sei es, dass sie Blütenpflanzen befruchten. Werden nun die Insekten weniger, beispielsweise durch zu viel Pestizid-Austragung, werden weniger Pflanzen befruchtet. Das bedeute zum einen weniger Nahrung für die Menschen und zum anderen, dass generell die Blütenpflanzen, die auf die Befruchtung angewiesen sind, sich nicht mehr vermehren können und so auf lange Sicht gesehen aussterben werden. „Das ist natürlich problematisch für Tiere, die Insekten auf dem Speiseplan haben, wie Vögel. Und das Ganze kann schließlich für uns Menschen dramatische Konsequenzen haben, wenn es Arten trifft, die für uns lebensnotwendige Funktionen erfüllen“. so Schnetzer abschließend.
Ab Juni startet die Sammlung der Unterschriften.


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