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Mehr Unfälle, mehr Tote

Innenministerin Daniela Behrens (SPD) hat die Verkehrsunfallstatistik vorgestellt. Sowohl die Zahl der Unfälle als auch der Todesopfer ist gestiegen.

212.856 Unfälle hat die Polizei 2023 in Niedersachsen registriert. Foto: AdobeStock

212.856 Unfälle hat die Polizei 2023 in Niedersachsen registriert. Foto: AdobeStock

Niedersachsen. Im vergangenen Jahr sind in Niedersachsen 424 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Das waren 54 Menschen oder rund 14 Prozent mehr als 2022. Damit weist Zahl der Verkehrstoten einen ähnlich hohen Wert wie im Jahr 2019 auf (432 Todesopfer). Insgesamt hat die Polizei 212.856 Unfälle registriert, das sind rund 6,5 % mehr als im Vorjahr. Während die Zahl der Leichtverletzten stieg, nahm die Zahl der Schwerverletzten gegenüber dem Vorjahr ab.

Zu schnell unterwegs - besonders auf Landstraßen

Zu hohe Geschwindigkeit sei auch 2023 die Hauptursache für Verkehrsunfälle mit Todesopfern gewesen, erklärte Ministerin Behrens. Außerdem waren wiederum Vorfahrtsmissachtung, Fehler beim Überholen und Abbiegen sowie zu geringer Abstand zwischen den Fahrzeugen maßgebliche Gründe für Verkehrsunfälle. Etwa zwei Drittel der tödlichen Unfälle ereigneten sich auf Landstraßen. Um 11 % gestiegen ist die Anzahl der sogenannten Baumunfälle.

 

Berauscht am Steuer

 

16.775 Personen wurden von der Polizei unter Einfluss von Alkohol, Medikamenten oder anderen Rauschmitteln am Steuer erwischt. Während diese Zahl um run 10 % gesunken ist, hat die Zahl der Unfälle, bei denen Alkohol oder sonstige berauschende Mittel eine maßgebliche Rolle spielten, um 2,5 % zugenommen. Todesopfer gab es in diesem Zusammenhang 25, das sind 3 Personen mehr als im Vorjahr.

 

Risikogruppen

 

In der Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren kamen im vergangenen Jahr weniger Menschen ums Leben als im Vorjahr. Hier nahm die Anzahl der Todesopfer von 64 im Jahr 2022 auf 53 ab. Von den tödlich verunglückten jungen Erwachsenen haben 23 Personen einen Pkw, 13 Personen ein motorisiertes Zweirad und jeweils eine Person einen Lkw sowie einen E-Scooter genutzt.

In der Altersgruppe der Senioren (ab 65 Jahren) hat es 141 Todesopfer gegeben. Das sind 26 Personen mehr als 2022. Damit ist der Anteil dieser Personengruppe an den Verkehrstoten mit rund 33 Prozent - und in Relation zum Bevölkerungsanteil von etwas mehr als 22 Prozent - überrepräsentiert. Die Hälfte von ihnen waren zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.

 

Vision Zeron bleibt das Ziel

 

Die Polizei legt den Schwerpunkt ihrer Verkehrssicherheitsarbeit angesichts dieser Zahlen weiterhin auf die Themen Geschwindigkeit und - auch vor dem Hintergrund der Cannabis-Legalisierung - Fahrtüchtigkeit. Daniela Behrens will weiter am Ziel festhalten, jeden einzelnen Verkehrstoten zu verhindern: „Die ‚Vision Zero‘, also ein Straßenverkehr ohne Todesopfer und Verletzte, ist weiterhin unser Ziel und dafür setzen wir uns ein“, so die Innenministerin. Vor dem Fahren unter Einfluss von Rauschmitteln warnt die Ministerin eindringlich: „Finger weg vom Steuer und Lenker, wenn man betrunken oder berauscht ist beziehungsweise unter dem Einfluss von Medikamenten steht! Man bringt sich selbst und andere in Lebensgefahr! Daran ändert auch die Liberalisierung beim Besitz von Cannabis nichts.“

 

Unverständnis bei CDU

 

Kritik an der Arbeit des SPD-geführten Ministeriums kommt von der Opposition. „424 Verkehrstote allein auf niedersächsischen Straßen ist es eine zutiefst bedauerliche Bilanz. Eine der Hauptursachen bleibt weiterhin das zu schnelle Fahren“, sagt der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, André Bock. „Umso unverständlicher ist es, dass Ministerin Behrens das vielversprechende Geschwindigkeitsüberwachungssystem Section Control, das von ihrem Vorgänger eingeführt wurde, sang- und klanglos einstellt“, so der CDU-Abgeordnete. „In einem Flächenland wie Niedersachsen mit seinen zahlreichen geraden Land- und Bundesstraßen könnten Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen effektiv dazu beitragen, Unfälle zu verhindern und Menschenleben zu retten.“

Einig sind sich Innenministerium und Opposition beim Thema Cannabis im Straßenverkehr. Zahlen aus den USA zeigten, dass die Zahl der Verkehrsunfälle nach der Legalisierung gestiegen seien. Es sei deshalb richtig, dass die Ministerin vor dem Konsum warne, so Bock. „Jedoch ist es ebenso unverständlich, dass Niedersachsen im Bundesrat nicht dafür gesorgt hat, die Legalisierung von Cannabis zu stoppen. Stattdessen kündigt die Ministerin zusammen mit dem Verkehrsminister an, sich gegen die Einführung eines THC-Grenzwertes im Straßenverkehr auszusprechen. Es bleibt abzuwarten, ob die Landesregierung in diesem Punkt standhaft bleibt oder erneut ihrer Verantwortung nicht gerecht wird.“


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