

Grasberg. Unter dem Motto „Das Leben ist begrenzt, die Erinnerung unendlich“ werden am Montag, 9. November, erstmals Stolpersteine in der Gemeinde Grasberg verlegt. Die sieben Gedenksteine erinnern an die jüdische Familie Fränkel aus Eickedorf, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft deportiert und ermordet wurde. Die Verlegung beginnt um 9 Uhr am Ortsstein der Dorfgemeinschaft Eickedorf. Der Künstler und Initiator des Stolperstein-Projekts, Gunter Demnig, wird die Steine persönlich setzen.
Die siebenköpfige Familie Fränkel wurde am 18. November 1941 über Bremen und Hamburg in ein Lager nahe der belarussischen Hauptstadt Minsk deportiert und dort ermordet. Mit den Stolpersteinen soll die Erinnerung an die einzelnen Familienmitglieder und ihr Schicksal dauerhaft im öffentlichen Raum verankert werden. Der Termin am 9. November wurde bewusst gewählt: An diesem Tag wird der Novemberpogrome von 1938 gedacht, bei denen Nationalsozialisten jüdische Geschäfte, Wohnungen und Synagogen zerstörten und zahlreiche Menschen misshandelten, verschleppten und ermordeten.
Die Initiative für die Stolpersteine geht auf den Jugendtreff Grasberg zurück. Dort entstand bereits 2024 die Idee, an die Opfer des Nationalsozialismus aus der Gemeinde zu erinnern. Eine Jugendbildungsfahrt unter dem Titel „Reise gegen das Vergessen“ zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau im Sommer 2025 bestärkte die Beteiligten in ihrem Vorhaben.
Seitdem beschäftigt sich eine offene Arbeitsgruppe aus Grasberger Bürgerinnen und Bürgern intensiv mit der Geschichte der Familie Fränkel. Die Mitglieder recherchierten unter anderem im Kreisarchiv Osterholz und in verschiedenen Online-Archiven. Bei regelmäßigen Treffen im Jugendtreff wurden die Ergebnisse zusammengetragen und die nächsten Schritte vorbereitet. Unterstützt wird die Gruppe von der Stolpersteininitiative Landkreis Osterholz und der Gemeinde Grasberg.
Mit dem Projekt wollen die Beteiligten einen aktiven Beitrag zur örtlichen Erinnerungskultur leisten. Denn auch in Grasberg lebten Menschen, die während der NS-Zeit aufgrund ihrer Herkunft, ihrer politischen Überzeugungen, ihres Glaubens oder gesundheitlicher Einschränkungen verfolgt wurden. Zu den Opfern gehörten auch Menschen, die im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde getötet wurden.
Begleitend zur Stolpersteinverlegung ist im Grasberger Rathaus seit Mitte Oktober eine kleine Ausstellung über die Familie Fränkel zu sehen. Auf Informationstafeln im Eingangsbereich wird ihre Geschichte dokumentiert. Die Ausstellung läuft bis Dezember und kann während der regulären Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung besucht werden.
Für die Finanzierung der Stolpersteine bittet die Arbeitsgruppe weiterhin um Spenden. Diese sollen auch dazu beitragen, künftig an weitere Opfer des Nationalsozialismus aus Grasberg erinnern zu können. Spenden können an die Stolpersteininitiative Landkreis Osterholz bei der Sparkasse Rotenburg Osterholz überwiesen werden. Die IBAN lautet DE59 2415 1235 0075 7055 25. Als Verwendungszweck ist „Stolpersteine Grasberg“ anzugeben. Wer eine Spendenbescheinigung benötigt, sollte bei der Überweisung seine Kontaktdaten angeben.




