

Osterholz-Scharmbeck. Die Jubiläumsausstellung des Kunstvereins Osterholz im Foyer des Kreishauses in der Osterholzer Straße wurde unter dem Namen „sichtbar“ eröffnet. Für viele ist es eine bunte Wand voller hochwertiger Arbeiten von vielen Künstlerinnen und Künstlern. Für andere ist es eine berührende Reise in die Vergangenheit.
Allein die Petersburger Hängung der Werke, die besonders enge Reihung der Bilder an der Wand, könnte schlicht als Kunstwerk durchgehen – dafür sind die Kuratoren, der Künstler Waldemar Grazewicz und die Kunsthistorikerin Dr. Birgit Nachtwey verantwortlich. Die Menge der Kunstwerke beeindruckt und die mindestens 80 Besucher der Ausstellungseröffnung hatten viel zu entdecken, bevor Dominik Vinbruck als Dezernent des Landkreises die Ausstellung in Vertretung des Landrats Bernd Lütjen eröffnete.
Zunächst gratulierte Vinbruck dem Kunstverein Osterholz zum 50-jährigen Bestehen, bevor er auch die äußerst gelungene Petersburger Hängung hervorhob und die damit stilvoll bunte Wand als erfrischend empfand. „Es gibt richtig viel zu entdecken“, so Vinbruck. Die Sichtweisen und die Vielfalt von insgesamt 27 Künstlerinnen und Künstlern, die hier zusammen gezeigt würden, mache die Ausstellung aus. „Das ist etwas Außergewöhnliches“, unterstrich er.
Die Vorsitzende des Kunstvereins, Katrin Schütte, bedankte sich für die professionelle Zuarbeit der Landkreismitarbeiterinnen Ursula Villwock und Claudia Schnibbe. „Sichtbar – diese Werkschau bildet den abschließenden Höhepunkt der Sonderveranstaltungen, mit denen wir in diesem Jahr 50 Jahre Kunstverein Osterholz feiern“, sagte Schütte.
Im Frühjahr wurde die Einzelausstellung in der Galerie auf Gut Sandbeck zu Ehren des Zeitzeugen der Vereinsgründung und bis heute künstlerisch tätigen Hans-Jürgen Wormeck eröffnet. Im Sommer hätten die Werke der vier Vereinsvorsitzenden im Fokus gestanden. Danach ging es in den öffentlichen Raum in einzelnen Schaufenstern in der Stadt und Einzelpräsentationen im Foyer des Rathauses. Dann zeigte der Kunstverein Osterholz Bestandteile seiner Artothek in den Fluren des Kreiskrankenhauses.
Kunst in ihrer ganzen Vielfalt
Mit der Ausstellung im Kreishaus-Foyer könne man nun eine weitere Gelegenheit nutzen, sich Kunstfreunden im öffentlichen Raum vorstellen zu können. „Gleichzeitig konnte sich der Kunstverein mit dieser Ausstellung für ein Publikum sichtbar machen, für das die Kunst nicht so unbedingt auf dem Zettel steht“, erklärt Dr. Nachtwey die jetzige Ausstellung. Die Einladung zur Teilnahme sei bewusst an die Vereinsmitglieder gegangen, die bislang noch keine Gelegenheit gehabt hätten, sich im Rahmen des Jubiläumsprogramms mit ihren Werken zu präsentieren. Fülle und Vielfalt künstlerischen Schaffens träten einem hier eindrucksvoll vor Augen. „Das gilt für das Spektrum der Techniken genauso wie für die Motive und die Art der Darstellung. Es ist alles dabei.“ In Malerei und Grafik, ausgefeilten Prints, in Aquarell, Fotografie, Collage oder vielen raffinierten Arbeiten in Mischtechnik würden die klassischen Genres wie Landschaft und Portraits, Blumenstillleben und humorvolle Karikatur dargestellt werden und wechselten sich ab mit abstrakter Gestaltung bis hin zu reinem Farbklang und Pinselführung mit spontaner rein intuitiver Dynamik.
Bilder erzählen Geschichten
Wie ein detailreiches Rollbild von links nach rechts hätten Nachtwey und Grazewicz die komprimierte Ausstellung mit der Petersburger Hängung konzipiert. „Abwechslungsreich und kontrastreich, hier laut, dort leise, sind jede Menge Geschichten erzählt“, so Nachtwey – mal am Ostseestrand, mal im Stadtgeschehen, dann in Italien. „Die Rückansicht eines Jungen in Latzhose wirkt auf den ersten Blick so anziehend, süß und niedlich, wirft aber bei der näheren Betrachtung die Frage nach der Freiheit der Menschheit auf.“ Rätselhaft das blaue Quadrat mit einem horizontalen Band gekrönt: Der Schriftzug wirkt wie die vertraute Animation zum Lesen, ohne dass man was erkennen könnte. Auch ein Bild wie ein Stadtplan bleibe vieldeutig: „Zuordnung ist unmöglich, so muss man die Fantasie schweifen lassen. Man bleibt dabei ein Suchender. Kunst will es so.“
Von den Anfängen bis heute
Insgesamt spanne die Werkauswahl bewusst den Bogen von der Ära der Gründungsmitglieder bis zu Mitgliedern, die erst seit kurzem dem Verein angehören. So stünde einem jungen Alexander Bachmann ein Erich Zimmermann als Urgestein der Vereinsgeschichte gegenüber, der bereits 2007 gestorben sei. „Seine regional-typischen Landschaftsgemälde haben ihn zum bekannten Chronisten des Teufelsmoors gemacht. Die beiden Bleistiftzeichnungen aus den 70er-Jahren, die seine Familie dieser Ausstellung beigesteuert hat, sind damit eine echte Überraschung. Fabulierende Illustrationen, fantasievoll und ironisch zugleich – wer hätte das gedacht?“
Es gibt also viel zu entdecken. Interessierte sollten die Gelegenheit nutzen, diese Ausstellung bis Freitag, 8. Januar 2027, während der Öffnungszeiten des Landkreises zu besuchen.




