Eine bemerkenswerte Frau
Osterholz-Scharmbeck. Im Obergeschossraum der Museumsanlage, der für Sonderausstellungen geplant ist, begrüßte Wilhelm Berger die geladenen Gäste, umgeben von einer liebevoll gestalteten Ausstellung über das Leben und Wirken der Landgräfin. „Mir geht es darum, mal danke zu sagen für diesen Kraftakt der Arbeitsgemeinschaft, die diese Ausstellung erarbeitet hat“, sagte Berger.
Die Gruppe um Berger habe sich tief in die Zeit Eleonoras hineingearbeitet, Texte aus vielen Jahren studiert und Stammbäume gesichtet, „um dann zu entscheiden, was passt in diesen Ausstellungsraum, ohne ihn zu überfrachten“. Die Besucher der Ausstellung sollten mit Gewinn diesen Raum wieder verlassen, wünschte sich Berger.
Ohne die Förderung durch den Landschaftsverband Stade und die Sparkasse Rotenburg Osterholz wäre die Ausstellung kaum so professionell ausgefallen. So konnte Grafikdesignerin Birgit Behrens ihre Kompetenz einfließen lassen. „Der Landkreis Osterholz beteiligt sich in Form einer Broschüre, die das Leben der Landgräfin kindgerecht beleuchtet. Diese Broschüre soll den hiesigen Schulen zur Vermittlung eines Heimatgefühls dienen.“
Eine bemerkenswerte Frau
Man kann sich freuen auf diese eindrückliche Ausstellung über eine für ihre Zeit außergewöhnliche und bemerkenswerte Frau, wie sie von der Lilienthaler Autorin Ingrid Pfeiffer beschrieben wurde. Gästeführerin Ulrike Morisse, die in der Rolle der Landgräfin Eleonora von Hessen-Eschwege sprach, erzählte von der Zeit ab 1626, dem Jahr, in dem Eleonora als Tochter eines deutschen Pfalzgrafen und der Prinzessin Katharina Wasa von Schweden im schwedischen Stegeborg geboren wurde.
Mit 20 Jahren heiratete Eleonora den Landgrafen Friedrich von Hessen-Eschwege, der als Mitgift zu seiner Braut unter anderem das Amt Osterholz erhielt. „Nach acht Jahren Ehe, sechs Kindern, von denen drei Mädchen überlebten, ist mein Gatte gestorben.“ Die junge Witwe forderte ihr Erbe ein und zog mit ihren drei, fünf und neun Jahre alten Töchtern hinter die nicht gerade einladenden Klostermauern nach Osterholz.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg
Eleonora zog in ein nach dem Dreißigjährigen Krieg geplündertes und notleidendes Osterholz, wo vieles in Unordnung war. Doch Schweden gab der mitleidigen Landgräfin nicht nach: Die von Krankheiten und Unwettern gezeichneten Menschen, für die ihr landgräfliches Herz blutete, mussten ihre Abgaben leisten.
Eleonora setzte sich für die Armen ein, gab ihnen Obdach – das heutige Martin-Luther-Haus war das Armenhaus –, gab ihnen Korn und junge Tiere für den Start einer Landwirtschaft. „Ich erwartete dafür von ihnen den regelmäßigen Kirchgang, um dem Herrgott zu danken und ihn zu loben.“
Eleonora brachte Handwerker wie Tuchmacher oder Schuhmacher in ihr Amt, die für geregeltere Verhältnisse sorgten. Sie stellte einen Feldscher ein, wie die Soldatenärzte damals genannt wurden, der als Arzt und Apotheker seinen Dienst tat, und bezahlte ihn gut.
Bildung für die Kinder
Eleonora sorgte auch für die Bildung der Kinder: So lernten sie Orgelspielen, Beten und den Katechismus, aber eben auch ein wenig Lesen, Schreiben und Rechnen.
Als sich Eleonoras Leben 1692 dem Ende neigte, hatte sich „ihr“ Amt Osterholz etwas erholt und war in einem besseren Zustand, als sie es vorgefunden hatte. Wie hoch ihr Ansehen in der Bevölkerung war, zeigte sich auch daran, dass viele Mädchen auf den Namen Eleonora getauft wurden.
„Taucht ein in meine Zeit und in mein Leben“, so die als Eleonora verkleidete Gästeführerin ein. Und das wird den Besuchern zwischen zeitgenössischen Gemälden, Kleidungsstücken und vielen interessanten kurzen Texten bestimmt leichtfallen
Eröffnung wohl Ende des Jahres
„Den Beginn der Ausstellung werden wir Ihnen rechtzeitig bekanntgeben“, versprachen die Aktiven der Museumsanlage, die mit dem Ende der Bauzeit im September bis spätestens November dieses Jahres rechnen. Wenn es so klappt, könnte die Ausstellung im Dezember 2026 oder Januar 2027 fertig sein für ihre ersten Besucher.
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