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An der Lebensrealität vorbei

Die Niedersächsische Landjugend fordert statt eines allgemeinen Social-Media-Verbots mehr Medienbildung, besseren Schutz vor digitaler Gewalt und eine konsequentere Kontrolle der Plattformen.

Gerade im ländlichen Raum ermöglichten digitale Angebote gesellschaftliche Teilhabe, Zugang zu Wissen und soziale Vernetzung.

Gerade im ländlichen Raum ermöglichten digitale Angebote gesellschaftliche Teilhabe, Zugang zu Wissen und soziale Vernetzung.

Bild: lev dolgachov

Niedersachsen. Die Niedersächsische Landjugend spricht sich gegen ein allgemeines Social-Media-Verbot für Jugendliche aus. Pauschale Verbote gingen an der Lebensrealität junger Menschen vorbei, erklärte der Verband. Stattdessen brauche es wirksame Schutzmechanismen, mehr Medienbildung und eine konsequente Durchsetzung bestehender Regeln im digitalen Raum.

Medienbildung als Schlüssel

Medienkompetenz müsse verbindlicher Bestandteil schulischer Bildung werden, fordert der stellvertretende NLJ-Landesvorsitzende Marten Knust. Jugendliche sollten befähigt werden, digitale Räume selbstbestimmt, kritisch und sicher zu nutzen. Zugleich sieht die Landjugend nicht nur junge Menschen in der Pflicht: Auch Eltern, Schulen, Politik, Plattformbetreiber und Erwachsene insgesamt müssten Verantwortung übernehmen.

Mehr Schutz vor digitaler Gewalt

Besonders kritisch bewertet der Verband die zunehmende sexualisierte digitale Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Dazu zählten Deepfake-Pornos, KI-generierte sexualisierte Inhalte sowie digitale Belästigung. Gerade Mädchen und junge Frauen seien in besonderem Maße betroffen. Die Landjugend fordert deshalb klare gesetzliche Konsequenzen, besseren Gewaltschutz und eine stärkere Verantwortung der Plattformen beim schnellen Entfernen entsprechender Inhalte.

Teilhabe im ländlichen Raum

Zugleich verweist die NLJ auf die positiven Seiten sozialer Medien. Gerade im ländlichen Raum ermöglichten digitale Angebote gesellschaftliche Teilhabe, Zugang zu Wissen und soziale Vernetzung. Junge Menschen aus queeren Communities oder Minderheiten könnten dort Austausch, Unterstützung und Einbindung finden, erklärte Landesvorsitzender Gerrit Ruschmeyer. Auch für Ehrenamt, Jugendverbandsarbeit und Bildungsangebote seien digitale Plattformen inzwischen wichtig.

Risiken nicht ausblenden

Die Risiken intensiver Nutzung will die Landjugend dennoch nicht ausblenden. Übermäßiger Konsum könne Konzentration, Aufmerksamkeitsspanne und psychisches Wohlbefinden beeinträchtigen. Deshalb brauche es einen bewussteren Umgang mit Bildschirmzeit sowie bessere Beratungsangebote für Jugendliche und Familien.

Regeln konsequent durchsetzen

Aus Sicht der NLJ bestehen mit dem europäischen Digital Services Act, dem Jugendschutzgesetz und dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag bereits umfangreiche rechtliche Grundlagen. Entscheidend sei nun, diese Regeln gegenüber Plattformbetreibern durchzusetzen. Dazu gehörten funktionierende Altersverifikationen, wirksame Schutzmechanismen für Minderjährige und verständliche Kontrollmöglichkeiten für Eltern.

Jugendliche beteiligen

Die Landjugend begrüßt die Debatte über besseren Jugendmedienschutz, fordert aber eine frühe Beteiligung junger Menschen und ihrer Verbände. Nur so könnten Lösungen entstehen, die Schutz und Teilhabe miteinander verbinden. Verbote allein lösten die Probleme nicht, heißt es. Notwendig seien Bildung, klare Regeln für Plattformen und eine konsequente Durchsetzung bestehender Gesetze.


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