

Worpswede. Seit dem Spätsommer 2025 wird der Niedersachsenstein auf dem Weyerberg in Worpswede aufwendig saniert. Über den aktuellen Stand der Restaurierung informierte die Stiftung Worpswede auf einer Abendveranstaltung in der Bötjer`schen Scheune. Kim Wortelkamp und Timm Fröhlich vom Leipziger Architekturbüro „Quartier vier“ berichteten über die vielen Herausforderungen, die die Arbeiten an der „expressionistischen Großplastik“ mit sich bringen. Auf Grund einer Fußverletzung konnte Kim Wortelkamp nicht persönlich nach Worpswede anreisen und war per Videocall mit den rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörern verbunden. Er sagte gleich zu beginn seiner Ausführungen: „Wir wollen das Werk von Bernhard Hoetger möglichst wieder zu seinem künstlerischen Ursprung zurückbringen. Das wird uns nicht ganz gelingen.“
In die Jahre gekommen
Das im Volksmund auch gerne „Backsteinvogel“ genannte und vom Künstler Bernhard Hoetger entworfene Denkmal wurde am 10. September 1922 feierlich eingeweiht. Ursprünglich hatte der damalige „Worpsweder Kriegerverein“ Hoetger nach Beginn des 1. Weltkrieges beauftragt, ein „Siegesmal“ für das erwartete Kriegsende zu errichten. Aufgrund des Kriegsverlaufes wurde diese Idee dann verworfen und die Bauarbeiten erst einmal eingestellt. Dank finanzieller Unterstützung durch den Bremer Kaufmann und „Kaffeekönig“ Ludwig Roselius nahm Hoetger 1921 die Umsetzung des Projektes wieder auf. Nach den Vorstellungen des Bildhauers sollte das Werk nach den Schrecken des Krieges als ein Mahnmal zum Frieden dienen. Im Laufe der Jahre wurden immer wieder Sanierungsarbeiten notwendig, die aber, aus heutiger Sicht, teilweise unsachgemäß durchgeführt wurden.
Architekt Timm Fröhlich zeigte den Anwesenden in der Bötjer`schen Scheune Aufnahmen von Schadstellen und unsachgemäßen Veränderungen am Bauwerk. Durch den Einbau fehlerhafter Materialien wie ungeeigneter Klinkersteine und falschem Fugenmörtel konnte Wasser in die Fugen eintreten und nicht wieder entweichen. Im Winter kam es dann durch Frosteinwirkungen zu massiven Absprengungen. Sogar kleine Stalaktiten bildeten sich an der Außenfassade. Diese entstehen normalerweise in Tropfsteinhöhlen, wenn kalkhaltiges Wasser durch Risse ins Gestein sickert. Auch die Abdeckungen, unter anderem der Flügelspitzen, durch Bitumen sorgte für Staunässe und anschließende Frostschäden.
Mit der jetzigen Sanierung des Niedersachsensteins wurde das Planungsbüro „quartier vier“ aus Leipzig beauftragt. Die Fachleute waren auch mit der Sanierung des „Kaffee Worpswede“ betraut und konnten somit erste Erfahrungen mit dem Baustil von Bernhard Hoetger sammeln. Aktuell ist das Denkmal noch vollständig eingerüstet und schützend eingehüllt. Hinter der Hülle wird fleißig gearbeitet. Die Fugen am Niedersachsenstein wurden bereits vor einiger Zeit entfernt, damit das Denkmal die notwendige Zeit zum „Austrocknen“ bekommt. Inzwischen wurden neue Steine und ein passender Fugenmörtel in Abstimmung mit der Denkmalpflege ausgewählt, sodass einige Bereiche bereits erneuert werden konnten. Statt der Bitumenbahnen werden im nächsten Schritt Bleiabdeckungen für einen nachhaltigen Nässeschutz angebracht. Insgesamt sollen die Sanierungsarbeiten noch in diesem Jahr soweit abgeschlossen werden, sodass die Schutzplane und das Gerüst entfernt werden können. Für eine Überraschung sorgten die sogenannten Sockelräume des Niedersachsensteins bei den Fachleuten vom „quartier vier“. Dort hatte nach dem zweiten Weltkrieg eine Familie Unterschlupf gefunden. Nach den Erkenntnissen der Architekten gab es früher andere Zuwegungen und Befensterungen der zwei Räume. Auch Farbreste an den Wänden konnten bisher noch nicht zugeordnet werden. Es bleibt unklar, welche Verwendung Hoetger diesem Bereich des Niedersachsensteins einst zugedacht hat.


