

Ostereier suchen? Ein gemütlicher Osterbrunch mit der Familie? Ein kühles Bier am Osterfeuer? Die Osternacht? Was gehört für Sie zu Ostern dazu?
Ich persönlich mag es, wenn man in der Kirche lacht. Vielleicht gefällt mir deswegen der Brauch des Osterlachens so gut. Kennen Sie nicht? Stimmt, der Brauch ist leider etwas aus der Mode gekommen, aber bis in die frühe Neuzeit hinein gehörte es in vielen Gottesdiensten dazu, dass an Ostern gelacht wurde. Und das kräftig, bitte, und aus vollem Herzen!
Mir fällt da gerade ein Kollege ein, der sich immer gewünscht hat, dass in seinem Gottesdienst mal ein Wunder passiert. Damit die Menschen wirklich glauben. Und dann passierte es ausgerechnet an Ostern. Eine Frau rief kurz vorm Segen: „Herr Pfarrer! Ich kann wieder laufen!“ Alle schauten sich um, und die Frau an. Mein Kollege schluckte, fiel auf die Knie, lobte Gott und fragte: „Wie ist das geschehen?“ „Sie haben so lange gepredigt! Jetzt ist der Bus weg!“
Konnten Sie lachen? Oder zumindest schmunzeln? Ich hoffe das, denn: Lachen tut gut. Inzwischen ist das sogar bewiesen: Lachen entspannt Körper und Seele. Beim Lachen werden nämlich nicht nur Glückshormone ausgeschüttet, sondern auch Stresshormone abgebaut. Gegen zu viel Adrenalin und Cortisol im Blut hilft Lachen super. Und es soll sogar helfen, den Blutdruck zu senken. Insofern ist Lachen gerade auch in Zeiten wichtig, in denen es eigentlich gar nichts zu lachen gibt. Paradox, oder? Aber so ist es. Schade nur, dass wir es so selten tun. Kinder lachen bis zu 400mal am Tag. Erwachsene nur noch 15mal. Im Schnitt zumindest. Ich kenne viele, die noch nicht mal das schaffen. Und da bin ich ehrlich froh, dass es Ostern gibt. Weil wir – Gott sei Dank – mit Ostern wirklich etwas zum Lachen haben.
Ich meine: Ein paar Tage zuvor, an Karfreitag, sah das noch ganz anders aus. Als die Römer Jesus auf´s Kreuz legten und darauf festnagelten, dass er in seiner Liebe zu uns sogar sterben würde – das war alles andere als zum Lachen. Und Karfreitag erzählt damit von etwas, das wir, denke ich, alle kennen. Irgendwie kennen. Es gibt Zeiten im Leben, da haben wir das Gefühl, dass einfach nichts mehr geht. Alles ist kalt. Dunkel. Schwarz. Man fühlt sich vom Leben abgeschnitten. Fühlt sich verraten und verkauft. Vielleicht sogar wie tot. Und man möchte einfach nur schreien: „Gott! Wenn es Dich denn gibt?! Wo bist Du?“ Selbst Jesus, der ganz fest an Gott glaubte, hat am Ende seines Lebens so geschrien. Als er am Kreuz hing. In seiner Angst. In seinem Schmerz. Von seinen Freunden verraten und verkauft. Verlassen. Verspottet. Verzweifelt. Tiefer unten kann man eigentlich nicht sein.
Mir persönlich macht das Jesus sympathisch. Weil ich weiß: Dieser Jesus da am Kreuz versteht mich. Der versteht mich sogar eins zu eins, wenn es mir schlecht geht und ich nicht weiterweiß. Das ist nicht nur so´n frommes Gerede. Sondern der hat selbst erlebt, wie es einem als Mensch ergehen kann. Und zwar ganz krass ergehen kann.
Aber er hat noch etwas anderes erlebt. Selbst wenn Du denkst: „Hier ist alles aus!“, kennt Gott Wege für Dich, die Dich zurück ins Leben bringen. Gott hat es nämlich Ostern werden lassen, und das Blatt gewendet. Jesus ist auferstanden. Das ist die Botschaft, die uns in diesen Tagen wieder begegnet. Und die, finde ich, lädt nun wirklich zum Lachen ein. Weil in dem, was da vor 2000 Jahren passiert ist, ein Versprechen steckt: So macht´s Gott auch heute noch. Mit Dir. Und mir. Dank Jesu. Und das nicht erst am Ende unseres Lebens. Da auch. Aber eben nicht nur. Denn Ostern muss nicht immer gleich die ganz große Nummer sein, die Gott fährt. So wie damals vor 2000 Jahren. Manchmal kommt Ostern auch sehr alltäglich daher.
Meine Schüler:innen an der Berufsschule in Bremervörde haben Ostern da mal so durchbuchstabiert (fand ich gut):
OSTERN heißt: O… - ft passiert in Deinem Leben etwas, mit dem Du nicht rechnest. / S… - elten sind das „große“ Wunder. / T… - atsächlich kommen Wunder oft sehr alltäglich daher. / E… - in Freund, der Dich in Arm nimmt. Ein Lächeln. Etwas unverhofft Gutes einfach. / R… - ichtig wichtig ist nur: Gott lässt Dich durchatmen! Und du kannst: / N… - eu anfangen!
Ostereier suchen? Ein gemütlicher Osterbrunch mit der Familie? Ein kühles Bier am Osterfeier? Die Osternacht? Ich finde das alles toll. Aber für mich bleibt das Osterlachen einfach mein Topfavorit. Weil Lachen das Leben bejaht. So wie Gott.
In diesem Sinne – einen habe ich noch: Nach der Kreuzigung Jesu kommt Nikodemus zu Josef von Arimathäa und bittet ihn, seine Grabstätte für Jesus zur Verfügung zu stellen. Josef will nicht so recht: „Ich brauche das Grab doch für mich und meine Familie!“ Darauf Nikodemus: „Stell Dich nicht so an, Josef! Ist doch nur übers Wochenende.“



