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„Altbauten sind Asbest-Fallen“

IG BAU warnt vor einer „Asbest-Welle“ und fordert von der Politik mehr Aufklärung über die Gefahren und den richtigen Umgang mit dem krebserregenden Bausstoff.

Die IG BAU will Handwerker:innen besser über den richtigen Schutz vor Asbest informieren und stellt dazu auch Forderungen an die Politik.

Die IG BAU will Handwerker:innen besser über den richtigen Schutz vor Asbest informieren und stellt dazu auch Forderungen an die Politik.

Landkreis Osterholz. „Von 1950 bis 1989 kamen Asbest-Baustoffe intensiv zum Einsatz. Es ist davon auszugehen, dass es in jedem Gebäude, das in dieser Zeit gebaut, modernisiert oder umgebaut wurde, Asbest gibt. Mal mehr, mal weniger“, sagt Inge Bogatzki von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Sie spricht von „Asbest-Fallen“ und nennt Zahlen: „In den vier ‚Asbest-Jahrzehnten‘ wurden im Landkreis Osterholz rund 21.100 Wohnhäuser mit 28.700 Wohnungen neu gebaut. Das sind immerhin 55 Prozent aller Wohngebäude, die es heute im Kreis gibt. Dazu kommen noch Gewerbegebäude, Garagen, Ställe und Scheunen in der Landwirtschaft.“ Die Bezirksvorsitzende der IG BAU Land Bremen und Umzu verweist dabei auf die „Situationsanalyse Asbest“, die die Bau-Gewerkschaft beim Pestel-Institut (Hannover) in Auftrag gegeben hat.

 

Die Diagnose kommt später

 

„Asbest ist ein krebserregender Stoff. Wer in einem asbestbelasteten Haus wohnt, muss sich trotzdem erst einmal keine Sorgen machen. Erst bei Sanierungsarbeiten wird es kritisch. Dann kann Asbest freigesetzt und damit zu einem ernsten Problem werden“, sagt Inge Bogatzki. Bauarbeiter und Heimwerker hätten kaum eine Chance, diese Gefahr zu erkennen. Bis zu 30 Jahre dauere es, ehe es zur tragischen Diagnose komme: Asbestose – mit Lungen-, Bauchfell- oder Kehlkopfkrebs. Zum Komplett-Schutz bei einer Sanierung mit Asbest-Gefahr gehöre daher immer mindestens eine FFP3-Atemschutzmaske. Ebenso ein Muss: Overall, Schutzbrille und Handschuhe.

 

Umfangreiche Sanierungen stehen bevor

 

„Altbauten sind ein tonnenschweres Asbest-Lager. Die krebserregende Mineralfaser steckt in vielen Baustoffen. Die ‚Asbest-Fallen‘ lauern überall: Asbest ist oft im Putz und sogar in Spachtelmassen und Fliesenklebern. Vor allem aber im Asbest-Zement“, sagt Bogatzki. Aufzugsschächte sowie Schächte mit Versorgungs- und Entsorgungsleitungen seien besonders gefährlich, weil dort früher Spritzasbest, in dem die Fasern schwächer gebunden sind, verwendet wurde.

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sei es notwending, viele Altbauten in den kommenden Jahren zu sanieren. Mit der Sanierungswelle drohe deshalb jetzt auch eine „Asbest-Welle“ auf dem Bau. „Sie ist eine Gefahr – für Bauarbeiter genauso wie für Heimwerker“, sagt die Bezirksvorsitzende der Bau-Gewerkschaft. Aber IG BAU und Pestel-Institut geben auch Entwarnung. Für die Menschen, die in Wohngebäuden leben, die mit asbesthaltigen Baustoffen gebaut wurden, haben sie eine klare Botschaft: „Eine unmittelbare Gefährdung für die Gesundheit gibt es nicht.“ Bei einer Sanierung im bewohnten Zustand sei es allerdings wichtig, mit „allergrößter Sorgfalt professionell vorzugehen“, mahnen Inge Bogatzki und der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

 

IG BAU fordert mehr Aufklärung

 

Die IG BAU will der drohenden „Asbest-Welle“ auf dem Bau jetzt mit einem Maßnahmenpaket entgegentreten. Die Bau-Gewerkschaft hat dazu eine bundesweite „Asbest-Charta“ mit zentralen Forderungen für mehr Schutz vor Asbest vorgelegt. Der 5-Punkte-Katalog kann bei der IG BAU Land Bremen und Umzu angefordert werden: bremen@igbau.de.

Die Gewerkschafterin fordert unter anderem einen Schadstoff-Gebäudepass und eine staatliche Sanierungsprämie. „Es geht dabei um bessere Informationen über Asbest-Gefahren. Jeder Bauarbeiter und jeder Heimwerker muss wissen, auf was er sich einlässt, wenn er Fliesen abschlägt, Wände einreißt oder Fassaden saniert“, so Inge Bogatzki.


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