Lena Stehr

Zweite „Corona-Spargelernte“ hat begonnen

Niedersachsen. Auch auf den Höfen in der Region sind inzwischen die ersten Erntehelfer:innen eingetroffen. Unter Coronabedingungen kommen zur harten körperlichen Arbeit nun auch viele neue Abläufe.

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Niedersachsen. Auch auf den Höfen in der Region sind inzwischen die ersten Erntehelfer:innen eingetroffen. Unter Coronabedingungen kommen zur harten körperlichen Arbeit nun auch viele neue Abläufe. Von gut ausgearbeiteten Hygienekonzepten und betriebliche Teststrategien spricht Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast angesichts der jetzt gestarteten Spargelerntesaison. Die CDU-Politikerin begrüße in diesem Zusammenhang auch die Berliner Kabinettsentscheidung, die sozialversicherungsfreie Beschäftigung von 70 auf 102 Tage auszuweiten. Diese Regelung für ausländische Saisonarbeitskräfte gebe den Betrieben Sicherheit. Saisonkräfte reisen einzeln mit dem Auto an Insgesamt arbeiten laut Agrarministerium im Jahresverlauf rund 40.000 Saisonarbeitskräfte im Obst- und Gemüseanbau. Anders als 2020 kommen die in diesem Jahr aber nicht im Sonderflieger, sondern hauptsächlich verstreut per Pkw über die Grenze. Der bürokratische Aufwand mit den erforderlichen Schnelltests und der Einreiseanmeldung sei enorm, berichtet Kai Bartels vom Hof Bartels in Holste/Steden (Samtgemeinde Hambergen), der klassischen Spargelanbau auf rund zehn Hektar betreibt. Seine rund 15-köpfige Stammmannschaft aus Rumänien und Polen komme über den April verteilt auf dem Hof an, viele müssten sich dafür in der Familie ein Auto leihen, anstatt wie sonst im Großraumtaxi anzureisen. Dann gelte erst einmal eine sogenannte Arbeitsquarantäne für die Erntehelfer:innen. Die Arbeit auf dem Feld in kleinen Gruppen sei möglich, den Hof dürfe aber keiner verlassen. „Den Einkauf erledigen wir in der Zeit für unser Team“, sagt Bartels. Untergebracht sind die Erntehelfer:innen in Wohncontainern maximal zu zweit auf dem Hof. Das sei auch schon vor Corona so gewesen, um ihnen möglichst viel Freiraum zu geben. Bedauerlich sei, dass keine Grill- oder Betriebsfeste stattfinden können. Insgesamt sei alles unpersönlicher als sonst üblich, so Bartels. Dennoch sei er froh, dass die Helfer:innen wieder im Einsatz seien. Im vergangenen Jahr sei erst zum Saisonende ein Teil des Teams vor Ort gewesen, vorher halfen Freund:innen, Bekannte und Nachbar:innen bei der Ernte. Er habe damals rund 60 Leuten das Spargelstechen beigebracht und im Endeffekt rund 30 Prozent weniger Stangen geerntet als im Vorjahr. Weil die Direktvermarktung dennoch gut lief und viele - auch vermehrt jüngere Kund:innen - sich seinen Spargel gegönnt hätten, sei der Hof mit „einem blauen Auge davon gekommen“, so Bartels. Was die Unterstützung von staatlicher Seite angeht, spricht der Landwirt allerdings von einem „Komplettversagen“. Er kritisiert insbesondere die immer wieder neuen Bestimmungen, die es schwer machten, langfristig zu planen sowie, dass wichtige Ansprechpartner:innen häufig nicht erreichbar seien und wenn, dann teilweise nur per Fax. So richtig los geht die Ernte auf dem Hof Bartels übrigens Ende April, pünktlich zum 1. Mai, gibt es dann in den Hofläden das weiße Gold zu kaufen. Mikrokosmos auf dem Hof Werner Schon jetzt erhältlich ist der Spargel (sowohl weißer als auch grüner) vom Hof Werner in Deinste (Landkreis Stade). Hier wird das Edelgemüse auf rund 200 Hektar angebaut, in der Spitzen-Erntezeit sind rund 250 Helfer:innen aus Polen und Rumänien auf den Feldern, berichten Judith und Christoph Werner. Unter dem Motto „zusammen leben, zusammen arbeiten“ haben die Werners einen Mikrokosmos für die Saison geschaffen. Im Vorfeld habe man sich bezüglich des Hygieneplans beraten lassen, um möglichst „sauber“ zu bleiben. Insgesamt seien 3.000 Schnelltests und 14.000 Einwegmasken vorrätig, auf dem gesamten Hof und in den Gebäuden gilt Maskenpflicht, zweimal die Woche werden alle getestet - und zwar von einer extra eingestellten Krankenschwester, so Christoph Werner. Zudem gibt es einen separaten Quarantänebereich, falls es doch einmal zu einem Coronafall kommen sollte. Und auch nach ihrer zweiwöchigen Quarantäne nach der Einreise verlassen die Erntehelfer:innen den Hof nicht, für sie sei - zusätzlich zur Rundumverpflegung - extra noch ein Kiosk eingerichtet worden. Insgesamt habe man besser planen können als im vergangenen Jahr, sagt Christoph Werner. Er erinnert sich noch gut an den „Nervenkrieg“ während der letzten Spargelzeit. Ein Flugzeug mit seinen Erntehelfer:innen landete damals am 18. März in Hamburg, einen Tag, bevor die Grenzen komplett dichtgemacht wurden. Für dieses Jahr rechnet Werner mit einer Ernte von 1.200 Tonnen. Aufgrund der kalten Witterung habe sich der Start der Saison etwas nach hinten verschoben. Spargel auf 4.650 Hektar Spargel wird in Niedersachsen auf rund 4.650 Hektar angebaut. Im vergangenen Jahr wurden rund 26.600 Tonnen des Königsgemüses gestochen. Die Ernte fiel damit um 9,6 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Die Spargelsaison endet traditionell am 24. Juni. Spargelangebote inklusive Spargelrezept finden sich auf Seite .. Foto: Adobe Stock/ juefraphoto


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