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SPD-Kreistagsfraktion besucht Gedenkstätte Sandbostel

Sandbostel (eb). Wie in jedem Jahr nutzt die SPD-Kreistagsfraktion die sitzungsfreie Zeit, um sich im Kreisgebiet vor Ort über Unternehmen, Einrichtungen und Projekte zu informieren. Jüngst war die Gedenkstätte Lager Sandbostel das Ziel der SPD-Politiker.

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Sandbostel (eb). Wie in jedem Jahr nutzt die SPD-Kreistagsfraktion die sitzungsfreie Zeit, um sich im Kreisgebiet vor Ort über Unternehmen, Einrichtungen und Projekte zu informieren. Jüngst war die Gedenkstätte Lager Sandbostel das Ziel der SPD-Politiker.
Organisiert wurde dieser Termin von Klaus Manal, Kreistagsmitglied aus Ebersdorf, nach Absprache mit Andreas Ehresmann, dem Geschäftsführer der Stiftung Lager Sandbostel.
Der stellvertretende Leiter und Archivar der Gedenkstätte, Ronald Sperling übernahm die Führung durch die Gedenkstätte, in deren Verlauf den Kreistagsabgeordneten eine Fülle von Informationen vermittelt wurde. Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschungsarbeit lassen darauf schließen, dass von 1939 bis 1945 mindestens 313.000 Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, darunter Angehörige aus vielen verschiedenen Nationen im Lager interniert wurden. Zum Kriegsende kamen KZ-Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme und seinen Außenlagern hinzu. Wie viele der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Kriegsgefangenenlager auf den Arbeitskommandos bei der Zwangsarbeit oder auf den Todesmärschen letztendlich gestorben sind, ist bisher nicht bekannt.
Besonders bedrückend war die unmenschliche Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen, für die die Regeln der Genfer Konventionen de facto nicht galten. Im Gegenteil, es ist davon auszugehen, dass die Verweigerung dieser Rechte für die russischen Gefangenen, ohne Unterschied ob einfacher Soldat oder Offizier, von höchster Stelle gewünscht war. Dieser Vernichtungsstrategie sind nach vorsichten Schätzungen mindestens 15.000 sowjetische Gefangene zum Opfer gefallen.
Schicksale blieben ungewiss
In der sanierten Lagerküche zeugen die an einer ganzen Wand angebrachten Personalkarten von verstorbenen Russen vom Ausmaß dieser Tragödie. Die allermeisten Familien der Umgekommenen wurden nie über den Verbleib ihrer Angehörigen informiert. Ihre Schicksale blieben Jahrzehnte lang ungewiss. Erst lange nach Kriegsende konnten die vorhandenen Unterlagen ausgewertet werden. Und noch heute erreichen die Stiftung Lager Sandbostel Anfragen aus aller Welt, in der um die Klärung von Schicksalen gebeten wird. Soweit möglich, versuchen die Mitarbeiter der Gedenkstätte hier zu helfen.
Unterstützung der SPD
Nach gut zweistündiger Führung und anschließender Diskussion nehmen die SPD-Politiker die Erkenntnis mit, dass die Arbeit in der Gedenk- und Forschungsstätte noch lange nicht getan ist. Dies zeigten auch die vielen interessierten Nachfragen an Ronald Sperling. Fraktions-Chef Bernd Wölbern bedankte sich bei Sperling für den sehr informativen Einblick und sagte die weitere Unterstützung der SPD für diese wichtige Friedens-, Erinnerungs-, Forschungs- und Bildungsarbeit zu.
Abschließend wies Ronald Sperling noch auf die aktuelle Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ hin, in der es um die Rolle der Kolonien und ihrer Menschen im 2. Weltkrieg geht. Eine fast vergessene Geschichte.
Foto: Gedenkstätte Sandbostel


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