Lena Stehr

Noch immer zu viele Barrieren für Menschen mit Behinderung

Landkreis. Anlässlich des Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai weisen die Vorsitzenden der Kreisbehindertenbeiräte aus Osterholz und Rotenburg darauf hin, dass sich noch vieles verbessern muss.

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Mit seiner Fotoaktion „Kein Platz für Ausgrenzung“ will der Tandem-Verein aus Bremervörde für das Thema Inklusion sensibilisieren.

Mit seiner Fotoaktion „Kein Platz für Ausgrenzung“ will der Tandem-Verein aus Bremervörde für das Thema Inklusion sensibilisieren.

Landkreis. Anlässlich des Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai weisen die Vorsitzenden der Kreisbehindertenbeiräte aus Osterholz und Rotenburg darauf hin, dass sich noch vieles verbessern muss. Per Niedersächsischem Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (NBGG) sollen Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen beseitigt und verhindert werden. Außerdem soll deren gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft gewährleistet und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung ermöglicht werden. In der Praxis sieht das aber manchmal anders aus. „Oh, daran habe ich gar nicht gedacht“ „Oh, daran habe ich gar nicht gedacht“, hört Walter Dammann oft, wenn er Planer oder Architekten darauf hinweist, dass bei einem neuen Bauvorhaben nicht genug auf Barrierefreiheit geachtet wurde. Dammann ist seit 20 Jahren Behindertenbeauftragter im Landkreis Osterholz und Vorsitzender des Kreisbehindertenbeirats. Mit 13 weiteren Beirats-Mitgliedern aus den unterschiedlichen Gemeinden sowie Vertreter:innen von Caritas und DRK setzt sich Dammann ehrenamtlich für die Interessen von Menschen mit Behinderung ein. Und das seien nicht nur Menschen im Rollstuhl, sondern auch Seh- oder Hörbehinderte oder Menschen mit anderen Erkrankungen, sagt Dammann, der selbst unter schwerem Rheuma leidet. Insgesamt gibt es laut Statistischem Landesamt im Landkreis Osterholz 10.315 Menschen mit Schwerbehindertenausweis, im Landkreis Rotenburg sind es 15.467. Zu wenig Barrierefreiheit Dammann stellt fest, dass es insbesondere im Straßenverkehr und an vielen Bahnhöfen noch Verbesserungsbedarf in puncto Barrierefreiheit gibt. Für seh- und hörbehinderte Menschen fehlten häufig Ampeln mit akustischen Signalen, Blindenleitstreifen auf dem Boden oder gut sichtbare Hinweistafeln. Dass Menschen mit Behinderung immer noch häufig benachteiligt sind, sieht Gisela Flake vom Kreisbehindertenbeirat im Landkreis Rotenburg auch so. Selbst in so mancher Arztpraxis und anderen Gebäuden gebe es teilweise keinen Fahrstuhl. Oder, wenn es einen gebe, fehle zum Beispiel die Blindenschrift. Nicht selten würden auch Behindertenparkplätze nicht frei gehalten, sondern durch Bauarbeiten oder Verkaufsstände blockiert. Manchmal sei auch in oder vor Geschäften durch aufgestellte Waren zu wenig Platz für Menschen im Rollstuhl. Unbewusste Ausgrenzung Der Behindertenbeirat nimmt aber auch Veranstaltungen wie die Tarmstedter Ausstellung oder das Hurricane-Festival in Scheeßel unter die Lupe und prüft unter anderem, ob die sanitären Anlagen und Zuwegungen barrierefrei sind, aber auch, ob alles gut zu sehen und zu hören ist. „Wir weisen die Verantwortlichen auf Probleme hin oder wenden uns an die Verwaltung“, sagt Flake. Die meisten Angesprochenen seien sich gar nicht bewusst, dass sie Menschen mit Behinderung ausgegrenzt hätten. Umso wichtiger sei die Arbeit des Behindertenbeirats, und dass sich Menschen finden, die sich darin engagieren, sagt Flake mit Blick auf die bevorstehenden Neuwahlen im Herbst. Neu sei, dass jetzt auch Angehörige von Menschen mit Behinderung wahlberechtigt seien. Am Besten wäre es, wenn jeder Ort seinen eigenen Beirat habe, der die Interessen der Menschen mit Behinderung im Fokus habe, so Flake. „Kein Platz für Ausgrenzung“ Menschen mit Behinderung im Blick hat beispielsweise der Verein Tandem aus Bremervörde. Um für das Thema Inklusion und gegen Ausgrenzung zu sensibilisieren, zeigt der Verein derzeit im EIGENART-Kunstraum in der Bremer Straße 11 sowie in einigen Geschäften die Fotoausstellung „Kein Platz für Ausgrenzung“. Fotograf Thorsten Eilers hat dafür Fotos zum Thema „Ausgrenzung“ mit Menschen auf einer besonderen Themen-Bank gemacht, die entweder potenziell selbst von Ausgrenzung betroffen sein könnten und/oder diese Menschengruppen betreuen und/oder einfach nur eine Meinung zum Thema haben. Die Tandem-Aktion ist eine von insgesamt rund 600 Aktionen und Projekten deutschlandweit, die rund um den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai stattfinden. Mehr Informationen und Kontakt Mehr Informationen zur Tandem-Aktion gibt es in Kürze im ANZEIGER. Informationen zum 5. Mai und wie sich jeder am Protesttag beteiligen kann, gibt es unter www.aktionmensch.de. Walter Dammann ist unter der Telefonnummer 04793/1600 erreichbar, Gisela Flake unter 04261/9832696 oder per E-Mail: behindertenbeirat@lk-row.de. Foto: Thorsten Eilers


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