Ute Mahler-Leddin

Menschendienst-Gottesdienst

Kirche einmal anders gedacht wurde in Lamstedt zum Treffpunkt für Menschen, die mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz das Leben in der Region bereichern.
Michael Schwieger (hinten links) konnte sein Herzensprojekt in der Kirche umsetzen und freute sich über die ehrenamtlichen Mitstreiter.

Michael Schwieger (hinten links) konnte sein Herzensprojekt in der Kirche umsetzen und freute sich über die ehrenamtlichen Mitstreiter.

Bild: Uml

Lamstedt. Mit dem Konzept „Kirche mal anders“ bietet die Kirchengemeinde Lamstedt regelmäßig Gottesdienste in einem anderen Format und meist auch an einem anderen Standort an. Jetzt wurde erneut ein neues Format angeboten, das in der Samtgemeinde Lamstedt auf großen Zuspruch gestoßen ist. Pastor im Ruhestand, Michael Schwieger, hat in Zusammenarbeit mit Pastor Peter Seydell die erste Version des „Menschendienst-Gottesdienst“ angeboten. „Die Bedeutung der Kirche nimmt immer weiter ab, wir brauchen neue, moderne Angebote“, sagt Schwieger und ruft dazu auf, sich mehr für andere Menschen einzusetzen. In diesem besonderen Gottesdienst-Format sollte nicht einer im schwarzen Kittel vorne sprechen, sondern verschiedene Menschen aus Südbörde.

Den Auftakt machte ein Kurzinterview mit Andrea Scheffler aus Abbenseth, die seit über 20 Jahren in der Gitarrengruppe aktiv ist. „Wir spielen nicht nur auf Veranstaltungen, sondern auch in Altenheimen oder Tagespflegen – denn mit Musik erreicht man alte oder demente Menschen viel schneller und kann Freude schenken. Musik ist Medizin für die Seele“, sagt die Erzieherin. Die Gitarrengruppe sorgte, mit Verstärkung von vier Sängerinnen, für die musikalische Untermalung des Gottesdienstes und hatte eine außergewöhnliche und ansprechende Musikauswahl getroffen.

Stellvertretend für die Feuerwehren sprach Marco Hildebrandt aus Hollen. „Der Leitspruch ‚Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr‘ bedeutet für uns, dass wir wie in der christlichen Nächstenliebe jedem helfen, der in Not ist.“ Aktuell zählt die Hollener Wehr etwa 50 aktive Kameraden – aber auch hier, wie in allen Vereinen und Institutionen, ist Nachwuchsgewinnung ein wichtiger Punkt.

Alle Altersgruppen spricht auch das DRK an. Hier berichtete Eleonore Häusler, wie sie vor 20 Jahren wegen der eigenen Kinder in den Ortsverein eingetreten ist. „Erst waren meine Kinder bei den Adventsfeiern aktiv, dann haben wir das JRK in Hollen gegründet.“ Inzwischen ist Häusler Vorsitzende des Ortsvereins Hollen, der ein breit gefächertes Angebot hat: Sportgruppen für Erwachsene, Seniorennachmittage mit Training für Geist und Körper, Adventsfeier im Dörphuus und lebendiger Advent mit Krippe am Dorfplatz im Dezember sowie Kreativangebote. „Einfach mal machen – denn ein Füreinander wird zu einem Miteinander“, sagte die Hollenerin.

Großen Zuspruch fand auch die im Frühjahr ins Leben gerufene Aktion von Uwe Müller: die Rehkitz- und Bodenbrüterrettung mit Drohne mit Wärmebildkamera. Die Jagdgenossenschaft Hollen hat auf Initiative von Uwe Müller eine Drohne im Wert von 9.000 Euro angeschafft. Vier Hollener erklärten sich bereit, den Pilotenschein für die Drohne zu machen und über mehrere WhatsApp-Gruppen wurden dann die Termine mit den Landwirten, Piloten und Rettern koordiniert. Vor dem Sonnenaufgang fanden sich immer wieder ehrenamtliche Helfer:innen im Alter von 20 bis 80 Jahren und konnten so in diesem Jahr bereits 47 Kitze festsetzen und vor dem sicheren Mähtod bewahren.

Pastor Seydell und Pastor i. R. Schwieger bedankten sich bei allen Mitwirkenden, die dem Gottesdienst einen besonderen Rahmen gegeben haben. „Hier sollten Menschen in den Blick genommen werden, die sich für andere einsetzen.“


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