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Ralf G. Poppe

Innovationen zum Rathausmarkt

Am vergangenen Montag veranstaltete die Arbeitsgruppe Baukultur gemeinsam mit dem Forum BauKulturLand einen Dialog zur Innenstadtgestaltung.

Die Vertreter:innen des KuH, die im Stadtrat vertretenden Parteien und die Vorsitzenden des Ausschusses versuchten eine Lösung zu finden.

Die Vertreter:innen des KuH, die im Stadtrat vertretenden Parteien und die Vorsitzenden des Ausschusses versuchten eine Lösung zu finden.

Trotz des Brückentages vor dem Reformationstag waren über 80 interessierte Bürge:innen erschienen, um sich durch einen einführenden Vortrag über grundsätzliche Fragestellungen bei der Stadtgestaltung zu informieren und in einer anschließenden Diskussion ihre eigene Meinung einzubringen. Anwesend waren Mitglieder aller im Rat der Stadt vertretenen Parteien, jedoch leider keine Personen der Stadtverwaltung – was einige der Besuchenden sehr bedauerten. Denn ohne den Zuspruch der Stadtverwaltung sei auch der Politik kein Spielraum gegeben, so ein Gast.

 

Rahmenplan Innenstadt

 

In seinem mit vielen Beispielen reich bebilderten Referat sprach Architekt und Stadtplaner Lothar Tabery zehn Merkmale an, die bei einer fachlich fundierten Ausarbeitung einer Leitlinie - wie sie ein Rahmenplan darstellen sollte - bereits in dieser frühen Phase städtebaulicher Planung beachtet und unter intensiver Einbeziehung einer mitwirkungsbereiten Öffentlichkeit ausführlich diskutiert werden müssen. Die derzeit vorliegende Fortschreibung des Rahmenplanes Innenstadt Bremervörde erfüllt jedoch diesen Anspruch nicht, da entscheidende, Flair, Ambiente und Aufenthaltsqualität mitbestimmende Gestaltungsmerkmale - bewusst - ausgeklammert wurden. Zum Beispiel findet man über anzustrebende Platzraumproportionen, Geschlossenheit des Platzraums, Parzellenbreiten, Gebäudehöhen, Dachformen und Materialien keine relevanten Aussagen im Rahmenplan. Ein vorgestelltes Beispiel aus Lübeck für eine vorbildliche Rahmenplanung zeigt hingegen, wie man qualitätsvolle Leitlinien entwickeln kann. Die von der Bremervörder Verwaltung bekundete Absicht, solche Punkte in einer späteren Bebauungsplanung regeln zu wollen „... um verschiedene (noch nicht absehbare) Nutzungen zu ermöglichen und die Planung der Nachnutzung in der politischen Beratung flexibel zu halten“ (Zitat Stadtverwaltung) gibt zu erkennen, dass man offensichtlich nicht weiß, wo man hinwill und zukünftigen Initiativen die Handlungsmaxime überlässt. Was bei einer solch passiven Haltung herauskommen kann, kann man bereits jetzt an der Südseite des Rathausmarktes „bewundern.“

 

Forderungen der Baukultur-AG des Kultur- und Heimatkreises

 

Ziel des Referats war es deshalb, alle interessierten Bürgerinnen und Bürger über Zusammenhänge und Wirkungen von Stadt- bzw. Platzgestaltungsmaßnahmen zu informieren, die Defizite in der Rahmenplanung aufzuzeigen und hieraus Forderungen für die weitere Arbeit an der Leitbildfindung für die Bremervörder Innenstadt abzuleiten. Letztere sind unten wiedergegeben und wurden in dem anschließenden offenen Dialog unter Moderation des ehemaligen Stader Stadtbaurats Kersten Schröder-Doms diskutiert.

Die konkreten Forderungen lauten: 1. Eine deutlich tiefergehende Auseinandersetzung mit der Gestaltungsproblematik mit allen relevanten Akteuren der Stadt unter unabhängiger fachlicher Moderation (Gestaltungsbeirat) und Beteiligung von Verkehrsplanern.

2. Hierbei Aufarbeitung der wichtigsten Gestaltungsfragen (Gestaltungsmerkmale) mit Festlegungen und Begründung der im Rahmen der Fachdiskussionen (gemeinsam) getroffenen Entscheidungen zu den Leitbildfindungen.

3. Erstellung von klaren Regelungen zur Qualitätssicherung für die weitere Gestaltung des Rahmenplangebietes durch verbindliche Festsetzungen, z.B. durch Entwicklung eines Gestaltungskatalogs bzw. einer Gestaltungssatzung.

 

Verkehrserschließung

 

Ein wesentlicher Diskussionspunkt war die geplante zweispurige Verkehrserschließung des Rathausmarktes von der Nordseite (Neue Straße) mit einem sich bis über die Mitte des Rathausmarktes hinaus erstreckenden Wendehammers. Dieser soll mit Pollern eingegrenzt werden, um das unbefugte Befahren des Rathausmarktes zu verhindern. Damit würde jedoch auch die Fläche des zukünftigen Platzes enorm eingeschränkt und das Erscheinungsbild des zentralen Bereichs der Stadt erheblich gestört. Von einem Teilnehmer und vom Moderator wurde dieser Planungsansatz als Katastrophe bzw. totales Planungsversagen kommentiert. Im Laufe des Dialogs kamen Vorschläge aus dem Publikum, z.B. Bänke aufzustellen, die Barrierefreiheit für Behinderte zu klären oder gar die Nordseite des Rathausmarktes unbebaut zu lassen. Andere Teilnehmer sprachen sich klar für eine ergänzende Randbebauung an der Nordseite aus (hierfür liegen Lösungsvorschläge vor) mit Möglichkeiten an den Platzrändern in den Erdgeschossen durch Läden, Café, Restaurant oder ähnliche dauerhafte Belebung einzubringen, welche durch temporäre Aktivitäten auf dem Platz (Konzerte, Sportevents, Schützenaufmarsch, Wochenmarkt usw.) ergänzt werden können. Dafür bedarf es jedoch einer zusammenhängenden ungestörten Multifunktionsfläche. Einzelne Besucher (siehe exklusive Fotoauswahl) forderten alle Bürger auf, für ihre Stadt aktiv zu werden, sich in den Prozess der Stadtgestaltung aktiv einzubringen und auch andere hierfür zu motivieren.

 

Qualitätsfaktor im Vordergrund

 

Die vielleicht wichtigsten Fragestellungen bezogen sich auf den politischen Willen zur Umsetzung dieser Gestaltungsmaßnahmen bzw. Abarbeitung der aufgezeigten Defizite und auf die Herstellung von Verbindlichkeit für die zu treffenden Regelungen. Wie soll das bewerkstelligt werden? Es gab hierzu konkrete Vorschläge, die von mehreren Diskussionsteilnehmern vorgebracht wurden. Unter Beifall wurde die Gründung einer fachlich kompetenten, interdisziplinären Arbeitsgruppe bzw. Beratungsrunde vorgeschlagen, die sich mit der Gestaltungsthematik des Rathausmarktes beschäftigt und dem Rat mit Empfehlungen zuarbeitet. Dies entspräche einem lokalen (temporären) Gestaltungsbeirat, wie er in vielen Städten üblich ist. Lothar Tabery bot in diesem Zusammenhang Hilfestellung mit dem von ihm mitbegründeten unabhängigen Beirat für Baukultur Niedersachsen an. Zur Herstellung von Verbindlichkeit für die im Rahmenplan zu erarbeitenden wichtigsten Regelungen riet Kersten Schröder-Doms dem Stadtrat, eine Selbstbindung vorzusehen, um unerwünschte Nebenwirkungen in zukünftigen Bebauungsplänen zu vermeiden. Es liegt nun bei den politischen Vertretern, die entsprechenden Schritte einzuleiten. Der Zeitfaktor spielt hierbei keine Rolle. Die Qualität des Rahmenplanes steht im Vordergrund.


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