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Die Zauberer des Karate

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Prüfer und Prüflinge bei einem Kyusho-Seminar in Potsdam.

Prüfer und Prüflinge bei einem Kyusho-Seminar in Potsdam.

Landkreis (eb). Wenn ein Schüler beginnt, sich mit Karate auseinanderzusetzen, dann begibt er sich auf eine lange Reise des Verstehens. Es gibt Gründe für eine bestimmte Fausthaltung, es gibt Gründe für einen bestimmten Stand, es gibt Gründe für eine bestimmte Atemtechnik und so weiter. Für Außenstehende bleibt vieles davon faszinierend und rätselhaft. Einen besonderen Zauber übt dabei das „Kyusho-Jitsu“ aus - den Angriff auf Nervendruckpunkte. Während die japanischen Meister des 18. und 19. Jahrhunderts diese Techniken stets vermittelten, gerieten sie durch die ‚Versportlichung‘ des Karate nach dem zweiten Weltkrieg mehr und mehr in den Hintergrund.
Kyusho hat seine Wurzeln in den jahrhundertealten Selbstverteidigungsmethoden Chinas, zum Beispiel im Tai Chi Chuan oder dem Dim Mak. Und auch in der traditionellen chinesischen Medizin wird über die Stimulierung von Nervendruckpunkten gearbeitet, wie man es in der Akupunktur oder der Akupressur wunderbar erleben kann. Im Kampf selbst kann man den Gegner durch einen gezielten Schlag auf eben diese Punkte schwächen. Beim Üben erlebt man durchaus erstaunt, dass Arme oder Beine zittrig werden, nachdem eine bestimmte Nervenbahn stimuliert wurde.
Im hiesigen Umkreis haben sich Werner Buddrus (7. Dan Karate, 4. Dan Kyusho) und H.G. Krauskopf einen Namen im Kyusho-Jitsu gemacht. Die beiden starteten ihre Kyusho-Reise 2007 durch Lehrgänge, Literaturstudium und Selbstversuche. Seit 2017 leiteten die beiden regelmäßige Kyusho-Seminare in Osterholz und Breddorf, die die Teilnehmer:innen stets nach einem halben Jahr mit einer Prüfung abschließen konnten. Die Voraussetzung für die Teilnahme war und ist jedoch, dass auch eine andere Kampfkunst geübt wird - nur so seien die technischen Voraussetzungen gegeben, Angriffe auf Vitalpunkte zu erlernen. Diese Angriffe können übrigens nicht nur in einem Schlag bestehen; je nach Punkt können Druck, Reibung oder sanfte Berührungen genutzt werden.
Etwas gehemmt durch Corona, fand die letzte erfolgreiche Prüfung von Buddrus und Krauskopf kürzlich in Potsdam statt. Immer wieder erstaunt über das neu zu Lernende, freuen sich die beiden, ein Stück der alten Tradition am Leben zu halten und weitergeben zu können.


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