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Ralf G. Poppe

Chance für die Region?

Kreistagsabgeordnete informierten sich in Schleswig-Holstein über nachhaltige Energieversorgung aus der Region, für die Region.

Bremervörde. Organisiert von Hans-Jürgen Schnellrieder aus Fintel trat kürzlich eine Gruppe von Kreistagsabgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die Linke sowie Mitarbeitende der Rotenburger Stadtwerke eine Fahrt zur Zentrale des Energieversorgungsunternehmens GP Joule Projects an, um sich über Möglichkeiten der nachhaltigen Energieversorgung zu informieren.

 

Das Unternehmen

 

Als System-Anbieter für integrierte Energielösungen und Pionier in der Sektorkopplung setzt die 2009 gegründete Firma GP Joule seither die Energiewende in der Praxis um und etabliert neue, regionale Wertschöpfungsketten. GP Joule möchte die Versorgung von Industrie, Verkehr und Gesellschaft mit 100 Prozent erneuerbaren Energien umsetzen. 2012 stieg GP Joule ins grüne Wasserstoff-Geschäft ein. In Frankreich wurden die ersten GP Joule-Solarparks eröffnet. Man expandierte nach Kanada, in die USA, nach Irland und Italien, um auch dort Solarparks zu projektieren und zu installieren. Die Vernetzung der Sektoren bleibt das Ziel. Dazu wurde mit Connect eine eigene Sparte gegründet, die sich um E-Mobilität und Ladelösungen kümmert. Das Wasserstoffprojekt eFarm wurde ebenso vorangetrieben, und 2022 mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet.

Die Firma mit Hauptsitz in Schleswig-Holstein betreibt inzwischen unter anderem Wärmenetze in Bosbüll, Bordelum, Haselund, Wacken, Neuenkirchen, Buchholz und Drochtersen. Pläne für Lauenbrück sind in der Entstehungsphase. In Süddeutschland werden bereits 18 weitere Wärmenetze betrieben. Als gemeinsames Ziel wird die Senkung der CO2-Emissionen ohne Einschränkungen, dafür mit Alternativen, sowie klimafreundlicher Mobilität beschrieben. Grüner, lokaler Wasserstoff für regionale Wertschöpfung müsse Akzeptanz vor Ort schaffen. Die Wärme-Übergabestationen sollen platzsparend effizient inklusive eines Wartungspaketes mehrere Heizkreisläufe steuern, dabei durch ein eigenes Datenkabel per Fernwartung gesteuert werden.

 

Die Chancen für Gemeinden

 

Als Chancen für die jeweiligen Gemeinden verspricht GP Joule durch regionale Firmenneugründungen 100 Prozent an Gewerbesteuer, 0,2ct/kWh/a gem. §6 EEG an die Gemeinden, sowie eine Bürgerbeteiligung und kommunale Beteiligungen. Dazu käme die Wärme für kommunale Gebäude und Bürger:innen, plus Einbindung weiterer Energiequellen (Abwasser, Klärschlamm, Biomasse usw.). Am Beispiel des Windparks, den GP Joule zusammen mit der Bosbüll Energie betreibt, wurden alle Chancen für interessierte Gemeinden anschaulich beschrieben.

In Bosbüll wird der Strom aus lokalen Windkraft- und Solaranlagen von Wärmepumpen durch Nutzung von Umweltwärme in ein Mehrfaches an Wärme für das Wärmenetz umgewandelt. Der Heizstab ermöglicht außerdem in Zeiten von Strom-Überangebot im öffentlichen Netz den andernfalls abgeregelten Wind- und Solarstrom nutzbar zu machen. In einem großzügig ausgelegten Pufferspeicher könne diese Wärmemenge auch für längere Zeit günstig zwischengespeichert werden.

Weiterhin wird auf der Anlage in Bosbüll auf der Anlage des e-farming Projektes 100% grüner Wasserstoff durch Elektrolyseure hergestellt. Hierbei entsteht Abwärme, die für das Wärmenetz genutzt wird. Damit bleibe die Wertschöpfung vor Ort – aus der Region, für die Region. Gefördert wurde die Anlage als innovatives Wärmenetzsystem 4.0 durch das Bundeswirtschaftsministerium.

 

Chancen für den Landkreis Rotenburg

 

„Es ist das Gebot der Zeit, die zukünftige Wärmeversorgung mit der örtlichen Wertschöpfung zu verbinden, statt unser Geld den autoritären Herrschern in Russland und im Nahen Osten in den Rachen zu werfen. Die Fahrt zeigte mir Wege auf, die andere Kommunen bei der Wärmeplanung mit vergleichbaren Voraussetzungen wie Bremervörde bereits gegangen sind. Beeindruckend war, wie zwei Landwirte ihre Möglichkeiten und ihr Wissen genutzt haben, um vielen Menschen bezahlbare lokale Wärme zu Verfügung zu stellen. Dies wäre auch in Bremervörde möglich, wenn die Stadtverwaltung nicht weiter zögert und beginnt, Planungssicherheit für die künftige, bezahlbare Wärmeversorgung der Bürgerinnen und Bürger zu schaffen“, so Stadtratsmitglied Jochen Hake, der ebenfalls mitgeresit war.

Auch Organisator Schnellrieder sieht gute Chancen, die neuen Innovationen im Landkreis Rotenburg umzusetzen. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, müsse man die notwendigen Veränderungen vernetzt und ganzheitlich verstehen. Mit der „kommunalen Wärmeplanung“ könne man den Herausforderungen des Klimawandels, der Biodiversität sowie die der Energieversorgung von Strom und Wärme begegnen. „Dieser ganzheitliche Ansatz hat den sehr positiven Nebeneffekt, dass die lokale Wertschöpfung gefördert wird, und der jeweilige Gemeindehaushalt sich stabilisieren kann. Plötzlich könnten Schwimmbäder sowie andere soziale Einrichtungen wieder finanziell abgesichert werden“, so Schnellrieder.


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