Lion Immoor

Was macht Corona mit uns?

Was mach Corona mit uns? Dieser Frage geht unser neuer Jungautor Lion Immoor (18) nach, der in diesem Jahr sein Abitur absolvierte und nun als Bufti tätig ist.
 

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Wirft auch einen Blick auf die Möglichkeiten der Krise: Lion Immoor

Wirft auch einen Blick auf die Möglichkeiten der Krise: Lion Immoor

Was mach Corona mit uns? Dieser Frage geht unser neuer Jungautor Lion Immoor (18) nach, der in diesem Jahr sein Abitur absolvierte und nun als Bufti tätig ist. Freiheit und Sicherheit, freie Meinungsäußerung, die Insolvenz vieler Geschäfte - abgesehen von allen Schutzmaßnahmen, Regeln und Veränderungen, wirft die Diskussion um den Corona-Virus in letzter Zeit auch immer mehr gesellschaftliche und moralische Fragen auf. Was darf ich noch? Was sollte ich zu meinem eigenen und auch zum Schutz meiner Mitmenschen lieber lassen? Wie weit darf die Freiheit der Bevölkerung eingeschränkt werden? Doch die Pandemie weckt bei all diesen Fragen auch immer öfter Seiten in uns, die unsere Mitmenschen und auch wir selbst noch nicht kannten. Inmitten dieser Krise, nicht zuletzt in Anbetracht der anhaltend hohen Infektionszahlen, stellt sich eine Frage immer dringlicher: Ist wirklich nur Corona oder sind teilweise auch die Menschen das Problem? „Die Menschen sind halt einfach unzufrieden“, hören wir in letzter Zeit wohl täglich. Doch reicht das allein als Begründung für das Verhalten vieler Menschen in den letzten Monaten? Oder ist es nur eine Ausrede, weil sie merken, dass ungeahnte Charakterzüge in ihnen zutage treten, vor denen sie sich selber fürchten? Konfrontiert mit der Tatsache, dass man in Extremsituationen auch mal verzichten muss, keimt in den Menschen ein Egoismus auf, der zwar nur unterschwellig bekundet wird, aber trotzdem immer präsent ist. Jedem ist es besonders wichtig, dass seine Branche am Ende des Tages überlebt, da man auch in Zukunft ein finanziell sorgloses Leben führen möchte. Hierbei geht immer mehr der Blick dafür verloren, dass der Großteil der Bevölkerung bereits in einer privilegierten Schicht lebt. Andere hingegen müssen tagtäglich mit Hunger, Armut und der Ungewissheit, ob man den nächsten Tag überlebt, schlafen gehen. Unverständnis gegenüber der momentanen Situation und der damit einhergehenden Politik kommt hierbei häufig auch aus älteren Generationen. Meist zum Schutz der eigenen Kinder und getrieben durch die Angst, dass nichts mehr wird wie zuvor. Die nachfolgenden Generationen werden dann oft als Argument dafür benutzt, dass die derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Umstände unverantwortlich und unzumutbar sind. „Denn wer möchte heutzutage noch ein Kind in die Welt setzen?“ Ein Großteil der Kinder kommt meist jedoch gut mit der Situation klar. Werte wie Rücksicht und Toleranz finden durch die Corona-Regeln in der Schule nun schon einen frühen Einfluss in der Erziehung. Wir befinden uns in einer ungewohnten Situation, die viele psychisch nicht verkraften können und deshalb lieber konfrontative Auswege suchen. Missgunst und Hass scheinen in letzter Zeit immer größer zu werden. Einerseits beginnt der Kampf um Ressourcen, bei denen heutzutage Toilettenpapier an erster Stelle zu stehen scheint. Andererseits werden immer wieder Schuldige gesucht, die dann öffentlich angeprangert werden. Vor allen Dingen sogenannte „Corona-Leugner“, die zu glauben scheinen, dass Hetze und Propaganda unsere weltlichen Probleme lösen werden, schaffen dadurch nur mehr Probleme. Der Umgang untereinander, besonders im Internet, wird aggressiver und man wird schneller geächtet, wenn man anderer Meinung ist. In Zeiten von Corona wird auch das „Schubladendenken“ immer deutlicher. Sich vermeintlich richtig zu positionieren scheint schwer, da man entweder als naiv oder als verrückt bezeichnet wird. Die Krisenzeit bringt aber auch positive Seiten mit sich. Der Blick für die wichtigen Dinge im Leben wird gestärkt. Jugendliche merken, dass es nicht selbstverständlich ist, seine Großeltern zu besuchen, ohne danach Angst um ihre Gesundheit zu haben. Gemeinschaft und Zusammenhalt, die durch die moderne, digitalisierte Welt verloren gegangen schienen, werden wieder wichtiger und man lernt, die kleinen Dinge zu schätzen. Zahlreiche Bürger fangen an, Entscheidungen zu überdenken und ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Viele entdecken neue oder längst vergessene Talente in sich und die ständige Suche nach einer Beschäftigung fördert die Kreativität. Also werden die Menschen durch die letzte Zeit vielleicht sogar glücklicher und selbstbewusster? Gehen wir gestärkt aus dieser Phase heraus? Eine Antwort auf diese Frage wird vermutlich nur die Zeit bringen, aber eines ist sicher: Wir haben noch viel zu tun. Nicht nur im gemeinsamen Kampf gegen den Corona-Virus, sondern auch im Umgang miteinander. Die letzte Zeit hat uns gezeigt, dass wir Menschen noch nicht so weit entwickelt sind, wie wir behaupten. Denn der technische Fortschritt der letzten Jahre bringt nichts, wenn ein gemeinsames Zusammenleben mit Rücksicht und Achtsamkeit nicht funktioniert. Essay In Zeiten von Corona wird auch das Schubladendenken immer deutlicher.


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