Ralf G. Poppe

Viele Plätze bleiben leer

Urlaubsstimmung, schönes Wetter, doch wo findet man in der Region ein gemütliches Plätzchen, um entspannt etwas zu trinken? Leerstand, Personal- und Inhaberwechsel sowie weitere Auswirkungen der Pandemie machen der Branche zu schaffen.

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Diese Entwicklung verschont auch das Bremer „Viertel“ nicht. Dort ist die 1959 eröffnete „Lila Eule“ zu Hause, einer der ältesten noch existierenden Clubs in Deutschland. Damit dort weiterhin Menschen unabhängig ihres Alters, Geschlechts oder Ethnie mittels Musik zueinander finden können, bedarf es enormer Anstrengungen.
Während der Pandemie konnte nicht das Geld erwirtschaftet werden, das zum Programmstart dringend benötigt wird, sagt Geschäftsführer Michael Pietsch. Erschwerend käme noch hinzu, dass sich das Umfeld verändert habe. Junge Menschen, vor allem Studierende, würden aufgrund steigender Mieten aus den lebendigen Vierteln gedrängt. Parallel entwickele sich in den umliegenden Straßen der Clubs der Sauftourismus an Kiosken. Corona habe diese Entwicklung forciert und den Clubs - und damit den geschützten Orten des Nachtlebens - geschadet. Um perspektivisch wieder mehr Menschen in den Club zu locken, veranstaltet die „Lila Eule“ vom 12. bis 21. August auf der Werderinsel in Bremen beim Kuhhirten die „Lila Laube“, den musikalischen Sommergarten der „Eule“ mit Freiluftkonzerten und natürlich kühlen Getränken.
 
Sommerloch in Osterholz-Scharmbeck
 
Anders sieht es in Osterholz-Scharmbeck aus. Mit „Stagge´s Hotel“ bzw. aktuell „Stagge & Moor“ schließt dort eine Institution, die von der Clublandschaft nicht mehr wegzudenken war. Kürzlich hat Geschäftsführer Maik Bellmann bekannt gegeben, den Betrieb nach der Sommerpause zum 30. August aufzugeben. Zusammen mit Melanie Nehring hatte er die Gaststätte erst zum 1. April 2020 übernommen.
Der einzige Grund, das Engagement bei „Stagge´s“ aufzugeben, sei der Personalmangel, so Bellmann. Seine Geschäfte mit dem Moor-Event sowie der Bewirtung der Osterholzer Stadthalle (mit Festangestellten) laufen aber weiter. Für die Osterholzer Innenstadt bzw. Fußgängerzone bedeutet die Schließung von „Stagge & Moor“ indessen den Verlust des wohl angesagtesten Gastronomiebetriebes im Ort - und das mitten im Sommer. Ab dem 1. September soll es aber mit neuen Pächtern weitergehen.
 
Neue Pächter fürs „Hannes“ gesucht
 
Das wünscht sich auch Peter Dammann. Er ist der Besitzer der Bremervörder Immobilie, in dem sich bis vor Kurzem das sehr erfolgreich geführte „Hannes“ befand. Die Pächterin, die den Betrieb ab 2016 organisierte, hatte während des Lockdowns ihre „Herzensangelegenheit“ aufgeben. Kurz vor dem ersten Lockdown konnte sie noch einen kleinen Sommergarten vor der Gaststätte einweihen. Die Gäste kamen zahlreich. Auch, um in den gemütlichen Innenräumen gemeinsam Fußball zu gucken, sich dem Dartspiel zu widmen, in Gruppen die Kegelbahn zum Leben zu erwecken, oder „brasilianische Nächte“ zu feiern.
Treue Stammkunden würden permanent fragen, wann das „Hannes“ denn nun wiedereröffne, sagt Dammann. Bis sich neue Pächter finden, die das „Hannes“ mit seiner eigenen Biermarke sowie den selbstgemachten Burgern weiterentwickeln möchten, bleiben alle Plätze leer.
Das „Alt Bremervörde“ läuft währenddessen fast wie gewohnt weiter. Mitinhaber Uwe Winter gibt allerdings zu bedenken, dass viele Leute inzwischen öfter mal zu Hause blieben. Anstatt in der Küche und am Tresen mit vier Personen zu arbeiten, könne man die Aufgaben derzeit zu zweit gut lösen. Doch Bremervörde kann sich nicht beschweren, denn in der Ostestadt lässt sich die Urlaubszeit auch im Biergarten vom „Haus am See“, der bei gutem Wetter von Mittwoch bis Sonntag nachmittags geöffnet ist, genießen.
 
Tradition und Innovation in Gnarrenburg
 
Gnarrenburg lädt in unmittelbarer Nähe zum Rathaus mit dem scheinbar gut frequentierten Sommergarten der alteingesessenen Gaststätte „Up´Swutsch“ ebenfalls zum Besuch ein. Ein paar Häuser weiter im „Meynhouse“ muss man allerdings schon innovativer zu Werke gehen, um weiterhin bestehen zu können. Heike Meyn hatte den Betrieb im September 2019 sehr erfolgreich gestartet. Im März 2020 kam es durch die Pandemie zur Vollbremsung. Doch in schweren Zeiten entstehe auch Gutes und Neues, so Meyn. So wie das „Meynhouse Open Air“, das am 16. September zum zweiten Mal stattfinden wird.  


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