Marcel Foltmer

Trans*NET OHZ feiert fünfjähriges Jubiläum

Osterholz-Scharmbeck. Vor fünf Jahren, am 26. Januar, gründete Ilka Christin Weiß die Selbsthilfegruppe „Trans*Net OHZ“, in der trans* Menschen seit 2016 Hilfe und Möglichkeiten zum Austausch finden.

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Ilka Christin Weiß gründete die erste trans* Selbsthilfegruppe im Landkreis Osterholz.  Foto: pvio

Ilka Christin Weiß gründete die erste trans* Selbsthilfegruppe im Landkreis Osterholz. Foto: pvio

Der Impuls, die Gruppe zu gründen, kam für Weiß bei Besuchen einer Bremer Selbsthilfegruppe. Dort traf sie kaum trans* Personen aus der ländlichen Umgebung der Stadt an, was merkwürdig war, denn queere Menschen existieren schließlich auch auf dem Land. Das Leben als trans* Person auf dem Land ist aber teilweise besonders schwierig: Ein Outing heißt oft, dass gleich die ganze Dorfgemeinschaft davon erfährt. Wenn man dann auf Unverständnis trifft, kann man nicht, wie es in der Stadt möglich wäre, trotzdem unerkannt weiterleben, denn auf dem Dorf kennt und erkennt jeder einen.
Die Situationen von trans* Personen in der Stadt und auf dem Land sind also grundlegend verschieden, weswegen Weiß schlussendlich den Anfang machte, die Selbsthilfe auch auf dem Land anzubieten. Schnell entwickelte sich mehr, viele Menschen traten bei und auch eine Vernetzung fand statt. Vor allem in der Bildungsstätte Bredbeck und der Volkshochschule Osterholz-Scharmbeck / Hambergen / Schwanewede haben sich feste Partner gefunden.
Für viele trans* Personen ist die Gruppe eine Stütze, so auch für Pia Pohl: Seit dreißig Jahren habe sie gewusst, dass sie trans* sei, sich aber nie getraut, sich zu outen. Eines Morgens konnte sie es dann nicht mehr verstecken, kam zu Trans*Net OHZ. Hier konnte sie Erfahrungen teilen, aber auch weiterführende Angebote über Alltagstherapien bekommen. „Man braucht sich nicht verstecken“, sagt sie.
Die Treffen wurden durch Corona zwar erschwert, trotzdem konnte und kann der Kontakt weiter gehalten werden: Über Zoomkonferenzen und persönliche Telefonate können Austausch und Beratung weiterhin stattfinden. Das alles sei aber nur eine Übergangslösung, erzählt Weiß und weist darauf hin, dass der persönliche Kontakt sehr viel mehr hilft. So könne viel besser über aktuelle Situationen und Probleme geredet werden, auch vor eventueller Isolation können Online-Treffen nur wenig schützen.
Die Bilanz der letzten Jahre sei positiv - auch, weil sich gesamtgesellschaftlich viel für trans* Personen getan hat. Trotzdem müsse noch viel erreicht werden, eine Vereinfachung der Personenstandsänderung und eine weitere Reform des sogenannten Transsexuellengesetzes (kurz: TSG) sind zwei Punkte von vielen. Diese Entscheidungen hängen oft an Politiker:innen, die selbst nicht trans* sind „Am besten entscheiden wir selbst“, so die Überzeugung von Ilka Christina Weiß.


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