Patrick Viol

Moorschutz ist Klimaschutz - Ein Naturpark Teufelsmoor könnte tonnenweise CO2 binden

Teufelsmoor/Ritterhude (pvio). Klimaschutz ist das gesellschaftspolitische Thema. Die Reduzierung klimaschädlicher Schadstoffe, allen voran CO2, ist das so parteiübergreifende wie notwendige oberste Ziel, um einer Verschlechterung der Lebensbedingungen für Mensch und Tier entgegen zu treten. Eine sichere und natürliche Möglichkeit, CO2 zu binden, bilden Moorflächen. Der vom Verein Naturpark Teufelsmoor/Hamme- und Wümmeniederungen geplante Naturpark soll vor allem dem Moorschutz dienen, denn: Moorschutz ist Klimaschutz.
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Die grunsätzliche Bereitschaft, einen Naturpark Teufelsmoor zu unterstützen, ist in OHZ eindeutig. Ebenso bei den Kreistagsfraktionen von CDU und SPD im Kreis Rotenburg als auch beim Bremer Bürgermeister Bovenschulte.  Foto: A. Börnsen

Die grunsätzliche Bereitschaft, einen Naturpark Teufelsmoor zu unterstützen, ist in OHZ eindeutig. Ebenso bei den Kreistagsfraktionen von CDU und SPD im Kreis Rotenburg als auch beim Bremer Bürgermeister Bovenschulte. Foto: A. Börnsen

„Wenn man darüber nachdenkt, wie man in Zukunft für Niedersachsen ernsthaft Klimaschutz betreiben kann, kommt man an der Problematik der Moore nicht vorbei“, so Arne Börnsen, der erste Vorsitzende des Vereins Naturpark Teufelsmoor/Hammer- und Wümmeniederungen, der sich für einen Naturpark Teufelsmoor einsetzt.
Worin besteht die genaue Problematik der Moorflächen? Zum einen sind sie effiziente CO2 Speicher. Nach den Klimazahlen der Bundesregierung sind drei Prozent der gesamten Fläche auf dem Globus Moore. Der Torf darin bindet mehr CO2 als alle Wälder auf der Welt zusammen. Selbst die Torf-Industrie spricht von 250 Milliarden Tonnen jährlich. Zum anderen geben Moorflächen, wenn sie aufgrund des Klimawandels austrocknen oder landwirtschaftlich trocken gelegt werden, Tonnen von CO2 jährlich wieder frei. So kommt es, dass die „Moorgebiete einer der Hauptverursacher der CO2 Emissionen in Niedersachsen sind“, erklärt Börnsen. 38% der gesamten Moorflächen in Deutschland liegen in Niedersachsen. Für diese Problematik eine Lösungen zu finden, die im Übrigen, worauf Börnsen hinweist, „seit mehr als 25 Jahren bekannt ist“, stelle das Hauptziel des geplanten Naturparks dar.
Die in der Sache liegende klimaschützende Lösung: die Wiedervernässung der Moorflächen sei aber nicht ohne Probleme umzusetzen. Zuerst stelle sich die Frage nach der technischen Umsetzung der Vernässung. In einem Modellprojekt für die Gnarrenburger Hochmoore werden Drainagerohre zur Vernässung eingesetzt. Überlegt werde auch, ob man Grundwasser mit Pumpen anzapft. Neben der Frage nach der technischen Umsetzung muss man vor allem die Frage diskutieren, bis wie weit unter die Oberfläche der Wasserstand aufgefüllt werden soll. Bei der Beantwortung dieser Frage müsse man die Landwirtschaft bzw. ihre Interessen berücksichtigen. Erhöht man den Wasserstand bis auf 60 Zentimeter unter der Grasnarbe, können landwirtschaftliche Fahrzeuge die Oberfläche weiter befahren. Bei einer Erhöhung auf 40 Zentimeter, wodurch weitaus mehr Co2 gebunden würde, nicht mehr. Der klimaschützende Erhalt der Landschaft und derjenige der Landwirtschaft sind demnach nicht ohne Weiteres miteinander vereinbar. Beide Positionen zu vermitteln, das versucht der Verein von Börnsen. „Für diese Problematik wurde bisher keine Lösung gefunden. Aber der Verein muss zur ihrer Lösung beitragen“, unterstreicht Börnsen die Notwendigkeit, Lösungskonzepte auszuarbeiten, die alle Interessensgruppen einbeziehen. Gefunden werden könne die Lösung aber nur mit den Landwirten zusammen. Börnsen ist überzeugt davon, dass es absolut falsch wäre, die Betroffenen aus der Diskussion auszuschließen. Die Landwirte müssten die Entscheidung für einen Naturpark mitragen wie z. B. beim Projekt in Gnarrenburg. „Das erreicht man aber nur, wenn man mit allen Interessensgruppen offen darüber spricht, was getan werden muss.“
Deshalb setzte sich der Verein auch für einen Naturpark und nicht für ein Biosphärenreservat ein. Die gesetzlichen Auflagen eines Naturparks sind flexibler und schließen die Menschen nicht davon aus, im geschützten Gebiet entweder landwirtschaftlich zu arbeiten oder sie zu erleben. Schließlich sei das Erleben der Natur unerlässlich für ihre Wertschätzung.
Der Verein setzt vor allem auf die Kooperation mit den jungen Landwirten, um mit ihnen die Bedingungen ihrer Zukunft in der Region zu gestalten. Börnsen sei „grundsätzlich optimistisch“, dass der Naturpark ausgerufen wird. Sein Wunsch ist, dass es bereits 2020/21 dazu kommt. „Klimaschutz sollte man nicht auf die lange Bank schieben.“


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