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Konfrontation der Komfortzone

Worpswede (eb). Kurz vor Weihnachten wurde an der Fassade des Barkenhoff-Haupthauses die Arbeit „I Will Kill You Anyway“ der Berliner Künstlerin Susanne Kutter angebracht.

Bilder
Dem Tot entkommt niemand. Aber wer oder was tötet einen? Eine der ersten Fragen, mit denen die Arbeit von Susanne Kutter am Barkenhoff einen konfrontiert.  Foto: Worpsweder Museumsverbund

Dem Tot entkommt niemand. Aber wer oder was tötet einen? Eine der ersten Fragen, mit denen die Arbeit von Susanne Kutter am Barkenhoff einen konfrontiert. Foto: Worpsweder Museumsverbund

„Geschlossen aber sichtbar“ - Dieses Motto der Worpsweder Museen anlässlich des aktuellen Lockdowns hat mit Kutters Arbeit am Barkenhoff nun eine zusätzliche - und in diesem Fall nicht nur virtuelle, sondern ganz reale - Facette erhalten. Susanne Kutter ist eine von sieben Nominierten für den Hauptpreis des Paula Modersohn-Becker Kunstpreises 2020. Die Entscheidung der Jury über die Vergabe des Hauptpreises und die Preisverleihung mussten aufgrund des Lockdowns verschoben werden und werden voraussichtlich Anfang Februar stattfinden.
 
Es gibt kein Entkommen
 
Die Arbeit besteht aus einer 400 cm breiten Leuchtschrift, die in scheinbar handgeschriebenen Lettern den hellrot leuchtenden Schriftzug „I will kill you anyway“ zeigt. Die werbliche Anmutung und plakative Wirkung der Arbeit wird durch die weithin sichtbare Positionierung wirkungsvoll in Szene gesetzt. In scharfem Kontrast dazu steht die textliche Aussage, die der Betrachtende erst entziffern kann, wenn er das Objekt näher in Augenschein nimmt.
Die Leiterin der Barkenhoff-Stiftung Worpswede und Ausstellungskuratorin Beate C. Arnold sagt zu der Installation von Susanne Kutter: „In ihren Werken thematisiert Susanne Kutter immer wieder den Verlust von Sicherheit, die Auflösung uns vertrauter (sozialer) Gefüge, die Zerstörung scheinbarer Idyllen. Kutter provoziert, erschreckt und fasziniert gleichzeitig mit ihren rücksichtslosen Statements, denen sich niemand entziehen kann, im Positiven wie im Negativen. So ergeht es uns auch mit der Arbeit „I Will Kill You Anyway“, die wie ein leuchtender Werbeschriftzug zunächst nur ihre plakative, auch ästhetische Wirkung entfaltet und unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht - bis wir die Schrift entziffern. Konfrontiert mit der hier implizierten, brutalen Versicherung, dass es für uns kein Entkommen geben kann, empfinden wir eine Störung, fühlen uns geradezu bedrängt. Genau das ist das Ziel der Künstlerin, die uns damit aus unserer Wohlfühlzone katapultieren will. Und das auch in der Weihnachtszeit, die uns in ihrer Heimeligkeit oft vergessen lässt, dass die Widersprüche und die aktuellen fatalen Entwicklungen in unserer sich immer weiter polarisierenden Gesellschaft keine Zeit und keine Grenzen kennen.“
 
Konfrontation der Komfortzone
 Ähnliche Kontrastierungen und Zuspitzungen finden sich in vielen künstlerischen Arbeiten Susanne Kutters. Indem die Künstlerin die Betrachter*innen irritiert, öffnet sie Räume für eigene Assoziationen. Indem sie infrage stellt und provoziert, bringt sie die Betrachter*innen zum Nachdenken. Mit ihrer Arbeit „I Will Kill you Anyway“ stellt Susanne Kutter auf provozierende Weise unseren Umgang miteinander auf den Prüfstand, und sie stellt die Frage nach dem Wert eines Menschlebens. Gerade anlässlich einer Pandemie, die uns alle in diesem Jahr aus unserer Komfortzone katapultiert hat und angesichts der notwendigen gesellschaftlichen und ethischen Weichenstellungen, die sich daraus ergeben, sind das Fragen, die lohnen, weiterbewegt zu werden. Die virtuelle Ausstellung zum Kunstpreis ist hier zu sehen.


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