Lars Feldmann

Harte Arbeit, wahre Erfahrungen

Neun Konzerte in vier Ländern: Die norddeutsche Progressive-Power-Metal-Band Ancient Curse startete am 22. Oktober ihre erste Europatournee. Lars Feldmann erwischte Bassist Thorsten Penz aus Bremervörde auf dem Sprung in den Tourbus und stellte schnell noch ein paar Fragen.

Bremervörde, Scheeßel, Wehldorf – und jetzt Europatour! Gemeinsam mit der britischen Band Threshold und den Norwegern von Course of Fate stehen neun Auftritte in Belgien, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz auf dem Programm.

Wie groß ist die Vorfreude und wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren Bandgeschichte noch einmal zu einem solchen Abenteuer aufzubrechen?

Die Vorfreude ist bei uns allen enorm. Sie äußert sich bei jedem ein wenig anders. Eine gewisse Nervosität und Lampenfieber sind natürlich dabei. Die Gitarren werden noch einmal beim Gitarrenbauer eingestellt, unser Schlagzeuger wechselt noch die Felle. Am Mittwoch haben wir eine Generalprobe eingelegt, bei der nahezu alles glattlief.

Gleichzeitig merkt man, dass wir ein bisschen aufgeregt sind wie ganz junge Kerle. Jeder hat sich noch einmal gut vorbereitet. Es ist eine fast kindliche oder jugendliche Vorfreude, die wir in unserem fortgeschrittenen Alter noch einmal erleben dürfen.

Wir sind schließlich alle über 50, stehen im Berufsleben und haben Familien und Partnerinnen. Das ist etwas anderes als vor 30 Jahren, als wir nach Kuba aufgebrochen sind. Heute planen wir weniger von einem Tag auf den anderen. Mit der Unterstützung unseres Managers Michael Korte hat das Ganze eine klare Struktur bekommen. So verbinden sich die Vorfreude und der alte Entdeckergeist mit einer gewissen Erfahrung und Professionalität.

Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr gemeinsam mit der international bekannten Band Threshold und Course of Fate auf Tour geht? Kanntet ihr die Musiker bereits vorher?

Die Anfrage kam über eine befreundete Band, die uns darauf aufmerksam gemacht hat, dass Threshold noch eine Tourbegleitung suchte. Daraufhin haben wir uns vor rund einem halben Jahr kurzgeschlossen. Es sind also tatsächlich die Verbindungen innerhalb der Musikszene, die so etwas möglich machen. Ohne diese Kontakte wäre die Tour vermutlich gar nicht zustande gekommen. Umso schöner ist es, dass wir nun gemeinsam mit zwei Bands unterwegs sein werden, von denen wir sicher einiges lernen können.

Neun Konzerte in nur zehn Tagen bedeuten jede Menge Organisation. Wie reist ihr, wer kümmert sich um Technik und Instrumente und wie sieht euer Alltag zwischen den Auftritten aus?

Die erste Etappe zum Gig in Kortrijk in Belgien legen wir mit einem Van mit Anhänger zurück. Mein fahrbegeisterter Arbeitskollege und Motorjournalist Frank Heise, der als Sänger des Bremervörder Männergesangvereins Harmonie ein Herz für Musiker hat, sammelt uns frühmorgens zu Hause im gesamten Elbe-Weser-Dreieck ein. Danach geht es weiter mit knapp 20 Mann im Tourbus. Wir haben einen erfahrenen Tourmanager an Bord des Nightliners, der einen sehr detaillierten Zeitplan erstellt und uns rechtzeitig per E-Mail zugeschickt hat. Darin stehen Abfahrtszeiten, Mahlzeiten und ein freier Tag. Solche Pausen sind wichtig, damit man auch einmal die T-Shirts waschen oder sich etwas erholen kann. Gerade für die Sänger ist das bei der Dauerbelastung wichtig, damit sich die Stimmbänder regenerieren können.

Vom Frühstück bis zum Gig ist alles durchtaktet. Mit dabei ist ein Stage Manager, der sich um die Technik kümmert.

Trotz dieser Organisation haben wir noch genügend selbst zu tun. Wir Musiker packen körperlich mit an. Jeder ist fest eingeplant, wenn es darum geht, die Bühne auf- und abzubauen. Unsere Verstärker und Boxen bringen wir mit. Jeder Gitarrist hat zwei Gitarren dabei, ebenso ist das bei den Bässen vorgesehen. Unser Schlagzeuger nimmt sein Basisequipment mit, während wir uns das eigentliche Schlagzeug teilen – das ist auf Tourneen durchaus üblich.

Auch der Ablauf der Konzertabende steht fest: Course of Fate eröffnen mit etwa 30 Minuten Spielzeit, danach kommen wir mit rund 40 Minuten. Threshold aus Großbritannien spielen anschließend knapp zwei Stunden.

Für Threshold ist das natürlich die größte Herausforderung des Abends. Auf der Hauptband lasten die höchsten Erwartungen, und entsprechend viel Professionalität ist gefragt.

Was dürfen die Besucher musikalisch erwarten? Habt ihr für die Tour ein besonderes Programm zusammengestellt?

Wir wollen natürlich eine feine Auswahl treffen. 40 Minuten sind nicht viel, wenn man bedenkt, dass unser inzwischen verfügbares Programm ein Vielfaches davon umfasst. Wir mussten deshalb tatsächlich überlegen, welche Songs am besten zusammenpassen. Dabei wollen wir Abwechslung bieten. Einen Grundstock bilden Songs, die durch unsere Videoclips bereits einem größeren Publikum bekannt sind, etwa „Forevermore“. Diese Stücke sollen möglichst in jedem Konzert vertreten sein. Darüber hinaus wollen wir das Programm variieren und unserem Sänger Pepe Pierez die nötige Rücksichtnahme ermöglichen.

Es gibt Stücke mit balladesken Elementen, bei denen das Publikum auch einmal durchatmen kann. Unser Instrumentalstück „Tunnel Vision“ ist ebenfalls eingeplant. Daneben spielen wir viele Songs mit deutlichen Thrash-Metal-Elementen. Wir haben außerdem einige alternative Stücke vorbereitet, die wir je nach Situation austauschen können. Dazu gehört beispielsweise das getragenere, epische „In Memoriam“. Auch „Metal Lake“ ist in der Auswahl.

Insgesamt bringen wir vor allem unsere neuere Ära der 2020er Jahre, unseren modernen Sound mit heruntergestimmten Gitarren auf die Bühne, der auf den beiden jüngsten Alben zu hören ist.

Tourleben klingt nach Freiheit und Abenteuern, aber auch nach Anstrengung. Worauf freut ihr euch besonders und wovor habt ihr vielleicht ein wenig Respekt?

Ich persönlich freue mich darauf, Clubs kennenzulernen, die in der Szene einen guten Ruf haben. Wenn man in einschlägigen Musikzeitschriften blättert oder sich die Tourpläne bekannter Bands anschaut, tauchen bestimmte Veranstaltungsorte immer wieder auf. Und plötzlich steht man selbst auf einer Bühne, auf der vielleicht schon die eigenen musikalischen Helden gespielt haben. Das finde ich spannend. Ebenso zu erfahren, welches Niveau dort herrscht und wie sehr sich ein Club um die Musiker kümmert. Ein sauberer Backstage-Raum, frische Handtücher, eine Duschmöglichkeit, vernünftiges Catering, ein paar kühle Getränke und ein guter, starker Kaffee sind keineswegs überall selbstverständlich. Wenn einem diese Wertschätzung entgegengebracht wird, macht das einen Unterschied. Ich selbst brauche morgens einen schwarzen Kaffee und eine Dusche, auf Zweiteres muss ich wohl auf Tour einmal verzichten können.

Ich freue mich außerdem auf das Gemeinschaftserlebnis, das Reisen und natürlich das Publikum. Für mich persönlich geht es auch darum, als Musiker eine größere Reichweite zu erzielen. Vielleicht sehen uns Menschen, die uns bisher nicht kannten, und geben mir anschließend ein Feedback: „Das hat mir gefallen, wie du spielst.“ Darüber würde ich mich sehr freuen.

Gleichzeitig möchte ich ganz ehrlich wissen, wie viel von dem Rockstar-Traum im Touralltag tatsächlich übrig bleibt. Meine Erwartung ist, dass man dabei auch manche Illusion verliert. Aber dann weiß man wenigstens, wie es wirklich ist. Eine Tour ist harte Arbeit – das ahnt man schon vorher.

Wenn am 31. Oktober der letzte Ton verklungen ist: Was müsste auf dieser Tour passieren, damit ihr anschließend sagt: Das war eines der schönsten Erlebnisse unserer Bandgeschichte?

Vor rund drei Jahrzehnten sind wir als ganz junge Männer nach Kuba gereist, um dort Musik zu machen. Wir hatten in den Radiocharts eines kubanischen Metalsenders beziehungsweise einer Metal-Sendung einen Nummer-eins-Hit mit dem Song Plastic Tears. Dadurch wurde ein in Kuba gut vernetzter Bremer Kaufmann auf uns aufmerksam und ermöglichte uns schließlich diese Konzertreise. Ancient Curse war damals als erste westliche Metalband auf der Zuckerrohrinsel unterwegs. Das war ein ganz besonderes Erlebnis, das uns bis heute begleitet. Wenn uns auf dieser Tour noch einmal etwas von diesem Geist begegnet, wenn wir ein Stück dieses besonderen Gefühls wiederfinden, dann wäre die Sache für mich rund. Es wäre gewissermaßen ein Traum, der sich erneut erfüllt. Ein bisschen von diesem alten Kuba-Feeling, diesem Spirit, würde ich gern mitnehmen. „Forever Young“ – das ist vielleicht ein passendes Motto. Wir haben sogar einen Song mit diesem Titel, von unserem Gitarristen Gunnar Erxleben. Wobei man genau genommen ja gar nicht für immer jung bleiben möchte. Man möchte vielmehr ein reiches Leben führen. Und das ist mit Ancient Curse in jedem Fall möglich.

Das kann ich schon vor der Tour sagen, unabhängig davon, welche Erfahrungen wir am Ende tatsächlich machen werden: Es ist etwas Besonderes, solche Abenteuer gemeinsam unter Freunden erleben zu dürfen. Wenn wir am 31. Oktober zurückblicken und sagen können, dass wir musikalisch und menschlich etwas mitgenommen haben, dann war es die ganze Reise wert.

 


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