

Niedersachsen. Gute Nachrichten aus Hecken und Gärten, schlechte vom Dach: Die diesjährige „Stunde der Gartenvögel“ des NABU Niedersachsen hat ein gemischtes Bild ergeben. Während Buchfink, Grünfink und Amsel häufiger beobachtet wurden als im Vorjahr, gingen die Meldungen von Haussperling, Mauersegler und Mehlschwalbe deutlich zurück.
Keine neue Infektionswelle - Finken erholen sich
Beim Buchfink verzeichnete der NABU ein Plus von 18 Prozent, beim Grünfink waren es 11 Prozent. Das sei zunächst ein gutes Zeichen, erklärte NABU-Pressesprecher Lamin Neffati. Offenbar zeichne sich derzeit keine neue Infektionswelle mit Trichomonaden ab, die Finkenarten in der Vergangenheit zugesetzt hatte. Ganz aus dem Blick geraten dürfe das Thema aber nicht. An Futterstellen und Vogeltränken könnten sich Erreger verbreiten. Der NABU rät deshalb zu sauberen Futtersäulen, regelmäßiger Reinigung und täglich frischem Wasser.
Amsel legt leicht zu
Auch bei der Amsel sieht der Verband vorsichtig positive Signale. Nachdem die Art im vergangenen Jahr vielerorts durch das Usutu-Virus seltener gemeldet worden war, liegt sie nun 7 Prozent über dem Vorjahreswert. Eine vollständige Entwarnung sei das aber nicht. Die weitere Entwicklung müsse beobachtet werden.
Sorgen um Spatz und Sommerboten
Der Haussperling bleibt zwar der am häufigsten gemeldete Gartenvogel in Niedersachsen, wurde aber um 6 Prozent seltener gezählt. Für den NABU ist das ein Warnsignal, weil der Spatz vielerorts unter fehlenden Nistplätzen an Gebäuden und einem Rückgang von Insekten leidet.
Noch deutlicher fällt das Minus beim Mauersegler aus. Er wurde in Niedersachsen um 38 Prozent seltener gemeldet. Auch die Mehlschwalbe lag mit 9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Beide Arten brüten an Gebäuden und sind auf Insekten angewiesen. Sanierungen ohne Ersatzquartiere, verschlossene Nischen und weniger Nahrung könnten ihnen zusetzen.
Naturnahe Gärten helfen
Ein Lichtblick ist die Mönchsgrasmücke. Sie wurde um 28 Prozent häufiger gemeldet. Sie profitiert nach Angaben des NABU von dichten Hecken, Sträuchern und wilden Ecken im Garten.
Der Verband ruft dazu auf, Gärten und Gebäude vogelfreundlicher zu gestalten. Heimische Pflanzen, unversiegelte Flächen, Wasserstellen, Nisthilfen und der Verzicht auf Pestizide könnten vielen Arten helfen. Bei Gebäudesanierungen sollten Brutplätze erhalten oder durch geeignete Nisthilfen ersetzt werden.
Insgesamt beteiligten sich niedersachsenweit rund 6.320 Menschen an der Zählung. Aus mehr als 4.430 Gärten wurden über 137.500 Vögel gemeldet. Die nächste Zählaktion ist die „Stunde der Wintervögel“ vom 8. bis 10. Januar 2027.

