limo

Gedenken der Opfer des Holocausts in Worpswede: Stimmen gegen Gewalt

Am vergangenen Samstag, 27. Januar, versammelten sich Menschen gegen Rechtsradikalismus am Rosa-Abraham-Platz, gedachten der Opfer des NS und verlasen Texte von Überlebenden.

Bilder
Dr. Bernd Moldenhauer erinnert an Samuel Willenberg, der das Vernichtungslager Treblinka überlebt hat.

Dr. Bernd Moldenhauer erinnert an Samuel Willenberg, der das Vernichtungslager Treblinka überlebt hat.

Worpswede. Am 27. Januar 1945 befreien SoldatInnen der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Mehr als eine Millionen Menschen kommen dort durch die Hand der Nationalsozialisten ums Leben. 79 Jahre später ruft die Initiative „Nie wieder - Erinnern für die Zukunft - Gemeinsam gegen rechts“ zu einer Lesung auf, um Opfern dieses erschreckenden Kapitels der Menschheitsgeschichte zu gedenken.

 

Verteidigung des Rechtsstaats

 

Die Versammlung findet am Gedenkplatz der ehemaligen Worpsweder Bürgermeisterin Rosa Abraham statt. Mitglieder der Initiative verlesen Texte von Überlebenden und deren Nachkommen. Vorab zusammengestellt haben die Lesung Dr. Harro Jens sowie Katharina-Hanstein Moldenhauer. Die Teilnehmenden hören Texte des italienischen Autoren und Shoaüberlebenden Primo Levi, Texte über Überlebenswillen und Widerstand der Gefangen sowie Erzählungen von der Befreiung des Lagers.

„Zunächst erinnern wir an die gewaltigen Demonstrationen der letzten Tage“, eröffnet Dr. Bernd Moldenhauer von der Initiative „Nie wieder“. Man habe die Beteiligung von über 1,5 Millionen Menschen erlebt, die wissen, dass der Nationalsozialismus nicht bloß Vergangenheit sei. Die Verteidigung der Demokratie und des Rechtsstaates sei viel mehr aktueller denn je. „Dass Parteien wie die AfD diesen abschaffen wollen, wenn sie an die Macht kommen, ergibt sich aus unzähligen Statements ihrer Funktionäre“, so Moldenhauer weiter.

„Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, machen wir Deutschen keine halben Sachen“, zitiert er dafür den rechtsextremen Politiker Björn Höcke. Auch in ihrem 10-Punkte-Sofortprogramm vom vergangenen September kündigt die AfD nicht nur die sofortige Beendigung der Energie- und Verkehrswende an, sondern plädiert zudem für eine radikale Kürzung der Staatsausgaben für Migration und Entwicklungspolitik. Wohin eine solche deutsche Unbedingtheit hingegen schon einmal geführt habe, dessen gedenke man am 27. Januar, so Moldenhauer.

 

Stimmen gegen antisemitische Gewalt

 

Um die rechtsradikale Bedrohung zu stoppen, gehe es nun darum, dass die momentane Mobilisierung der Zivilgesellschaft weiter anhalte. „Es helfen zwei Dinge - die Erhaltung des Rechtsstaates und eine kompromisslose Frontstellung gegen die AfD seitens aller Parteien“, findet Bernd Moldenhauer klare Worte. Denn regiere erst einmal die rechtsextreme Fraktion, werde es unweigerlich zur Abschaffung der Meinungsfreiheit kommen. Auch vor Gewalt und der Verbreitung von Angst schrecke die extreme Rechte dabei nicht zurück.

Ähnlich zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. „Auschwitz steht dabei für Unmenschlichkeit und die Entmenschlichung der Opfer“, sagt Barbara Gottwald. Für eine bis dahin nie gekannte Vernichtungsmaschinerie, die in einem wahnhaften Massenmord zum Ausdruck kam. „Solch eine industrielle Vernichtung ist in ihrer Kaltblütigkeit singulär für unsere Menschheitsgeschichte“, erklärt sie. Umso wichtiger sei es, sich dieser grauenvollen Taten immer wieder bewusst zu werden, damit etwas Vergleichbares nie wieder passiere. „Denn Antisemitismus beginnt meist schon viel früher - in den Köpfen, auf der Straße, in den Taten, in den Schulen“, so Gottwald.


UNTERNEHMEN DER REGION