Patrick Viol

Frischer Wind für die Region

Neun Studierende der Angewandten Freizeitwissenschaften haben Ideen zur Steigerung der Attraktivität der Hamme Region entwickelt, von denen einige umgesetzt werden könnten.

Auf der Steganlage hinter dem Ritterhuder Hamme Forum: (v.l.) Regine Schäfer, Prof. Dr. Renate Freericks, Elmar Schäfer, Geschäftsführer RTV, Hannah Behmer, Amelie Alberts.

Auf der Steganlage hinter dem Ritterhuder Hamme Forum: (v.l.) Regine Schäfer, Prof. Dr. Renate Freericks, Elmar Schäfer, Geschäftsführer RTV, Hannah Behmer, Amelie Alberts.

Bild: Ks

Ritterhude. Frischen Wind und junge Ideen holte sich die Ritterhuder Tourismus und Veranstaltungen GmbH (kurz RTV) mit neun Studierenden des internationalen Studienganges Angewandte Freizeitwissenschaft der Hochschule Bremen ins Haus, oder besser gesagt, in die Gemeinde Ritterhude.

Im Rahmen des Pflichtprojektes der Hochschule, mit dem Namen „Learners´ Company“ arbeiteten die Studierenden im vierten Semester mit der RTV zusammen und beleuchteten die Möglichkeiten des Wassersports in der Gemeinde Ritterhude. Die Learners‘ Company ist eine Theorie-Praxiswerkstatt der Hochschule Bremen für Projekte aus den Fachgebieten Tourismus, Freizeit und Interkulturalität. Das Projekt ist Bestandteil der Internationalen Studiengänge Tourismusmanagement und Angewandte Freizeitwissenschaft. In enger Kooperation mit Unternehmen setzen Studierende ausgewählte Themen um und können ihr erworbenes Wissen in der Praxis umsetzen.

Hoch gesteckte Ziele

Untersucht wurden im Falle der Kooperation mit der RTV bestehende Aktivitäten, gleichzeitig wurde aber auch nach neuen Highlights gesucht, die den Freizeit- und den Tourismuswert der Gemeinde erhöhen könnten. Hoch gesteckte Ziele, wie mehr Urlaubsgäste und Tagesausflügler für Ritterhude und die Region anzulocken, die Attraktivität für Wassersportler zu erhöhen, Barrierefreiheit, Einnahmen aus dem Tourismus zu generieren, Investitionen zielgerichtet zu steuern und die Lebensqualität vor Ort zu verbessern, schrieben die Studierenden in ihre 38seitige Projektarbeit, die die Studentinnen Amelie Alberts und Hannah Behmer jüngst im Hamme Forum vorstellten.

Zur Erarbeitung ihres Projekts gehörten das Kennenlernen der Hamme-Gemeinde, Expertengespräche mit Paul Reese von der Entwicklungsgesellschaft H3, mit der Interessengemeinschaft Ritterhuder Betriebe sowie mit Thorsten Milenz, Geschäftsführer der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser e.V. und Tourismusförderer beim Landkreis Osterholz und selbstverständlich eine fröhliche und informative Torfkahnfahrt.

Einfach mal drauflosplanen war nicht möglich. Die frischen Ideen der Studenten durften beispielsweise nicht mit der überregionalen Studie der Naturverträglichkeit und dem Naturschutz im Allgemeinen kollidieren. Schutzverordnungen, Befahrens-Regeln von Wasserläufen, benachbarte Belange anderer Akteure in der Region, das Netzwerk der Akteure und vieles mehr verwirrten anfangs und engten das Ideenfeuerwerk ein. Achtsamkeit und Rücksichtnahme erforderte das Vorgehen, sowie eine SWOT-Analyse über Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken, Wettbewerbsdruck oder ökologische Überlastung in dem vermeintlichen Wassersportgebiet.

Ritterhude nicht auf dem Schirm

Bei der Projektvorstellung im Hamme Forum wurde deutlich, dass die Studierenden Ritterhude zunächst nicht wirklich auf dem Schirm hatten, als ihnen Regine Schäfer von der Tourismusförderung RTV, die das Projekt leitete, im April die Hamme-Gemeinde und die Gegebenheiten vorstellte. Im Laufe des Semesters wurde Ritterhude für die neun Studierenden zur Herzensangelegenheit.

Amelie Alberts berichtete, welche Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Region die Studierenden erarbeiteten. Beispielsweise einen Kanu-Verleih in Kombination mit einem Fahrradverleih. Ebenso Verleih von Stand-Up-Paddel-Boards oder Hydrobikes, Open-Air-Kino am Wasser, Ausbau der Beschilderung land- und wasserseits, die Öffnung des Naturinformationshauses zu regelmäßigen Zeiten, WC-Anlagen bei Anlegern und einen Lückenschluss des Radweges entlang der Hamme zwischen Ritterhude und Osterholz-Scharmbeck. Dazu eine App, die Besuchern und Einheimischen einen Überblick verschafft.

80% geht in die Umsetzung

„Es hat Spaß gemacht, etwas Echtes gemacht zu haben“, so Alberts Fazit. Sie und ihre Kommilitonin Hannah Behmer sowie sieben weitere Studierende gehen mit dem guten Gefühl in die Semesterferien, dass aus ihren Projektergebnissen nicht nur Papiertiger, sondern auch diverses umgesetzt wird. Aus der Erfahrung heraus, so berichtete die Hochschulprofessorin Dr. Renate Freericks, seien bei ähnlichen Kooperationen in den Vorjahren gut 80% der Ergebnisse umgesetzt worden.

Ortsumfahrung ausgelassen

Mit dem Thema der geplanten höchst umstrittenen Trassen der Ortsumfahrung wollte Regine Schäfer von der Ritterhuder Tourismus und Veranstaltungen GmbH (kurz RTV) die Studierenden nicht belasten. Jede der Trassenvarianten könnte das erarbeitete zunichtemachen. Das Projekt wurde im IST-Zustand erarbeitet, da niemand weiß, wie die Zukunft in Sachen Ortsumfahrung aussehen wird.

Alberts und Behmer hingegen wissen, was für sie in nächster Zukunft ansteht: Alberts geht nach Thailand an die Uni in Bangkok. Behmer geht in die Niederlande nach Breda.


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