Sabine Kahrs

Frische Ideen für Ritterhude

Neun Studierende haben untersucht, wie Ritterhude sein Potenzial am Wasser besser nutzen kann. Dabei haben sie Ideen entwickelt, von denen viele tatsächlich umgesetzt werden könnten.
Auf der Steganlage hinter dem Hamme Forum: (v. l.) Regine Schäfer, Prof. Dr. Renate Freericks, Elmar Schäfer, Geschäftsführer RTV, Hannah Behmer, Amelie Alberts.

Auf der Steganlage hinter dem Hamme Forum: (v. l.) Regine Schäfer, Prof. Dr. Renate Freericks, Elmar Schäfer, Geschäftsführer RTV, Hannah Behmer, Amelie Alberts.

Bild: Ska

Ritterhude. Frischen Wind und junge Ideen holte sich die Ritterhuder Tourismus und Veranstaltungen GmbH (RTV) mit neun Studierenden des vierten Semesters des internationalen Studienganges Angewandte Freizeitwissenschaft der Hochschule Bremen ins Haus – oder besser gesagt, in die Gemeinde Ritterhude.

Im Rahmen des Pflichtprojekts der Hochschule, mit dem Namen „Learners‘ Company“, arbeiteten die Studierenden mit der RTV zusammen und beleuchteten die Möglichkeiten des Wassersports in der Gemeinde Ritterhude. Die „Learners‘ Company“ ist eine Theorie-Praxiswerkstatt für Projekte aus den Fachgebieten Tourismus, Freizeit und Interkulturalität. Bei dem Projekt setzen Studierende in enger Kooperation mit Unternehmen ausgewählte Themen um und können ihr erworbenes Wissen in der Praxis umsetzen.

 

Hoch gesteckte Ziele

Untersucht wurden im Falle der Kooperation mit der RTV bestehende Aktivitäten, gleichzeitig wurde aber auch nach neuen Highlights gesucht, die den Freizeit- und Tourismuswert der Gemeinde erhöhen. Hoch gesteckte Ziele, wie mehr Urlaubsgäste und Tagesausflügler für Ritterhude und die Region anzulocken, die Attraktivität für Wassersportler zu erhöhen, Barrierefreiheit, Einnahmen aus dem Tourismus zu generieren, Investitionen zielgerichtet zu steuern und die Lebensqualität vor Ort zu verbessern, schrieben die Studierenden in ihre 38-seitige Projektarbeit, die die Studentinnen Amelie Alberts und Hannah Behmer jüngst im Hamme Forum vorstellten.

Ihre festgeschriebene Herangehensweise an das Projekt reichte vom Kennenlernen der Hamme-Gemeinde über Begehungen und Expertengespräche mit Paul Reese von der Entwicklungsgesellschaft H3 und der Interessengemeinschaft Ritterhuder Betriebe sowie mit Thorsten Milenz, Geschäftsführer der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser e. V. und Tourismusförderer beim Landkreis Osterholz, bis zu einer fröhlichen und informativen Torfkahnfahrt.

Zuvor brauchte es einigen Input an Rahmenbedingungen in die jungen Köpfe. Denn einfach mal drauflosplanen ist nicht so einfach, wurde den angehenden Freizeitwissenschaftler:innen bald klar. Frische Ideen durften beispielsweise nicht mit der überregionalen Studie der Naturverträglichkeit und dem Naturschutz im Allgemeinen kollidieren. Schutzverordnungen, Befahrens-Regeln von Wasserläufen, benachbarte Belange anderer Akteure in der Region, das Netzwerk der Akteure und vieles mehr verwirrten anfangs und engten das Ideenfeuerwerk ein. Das Vorgehen erforderte Achtsamkeit und Rücksichtnahme sowie eine SWOT-Analyse über Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken, Wettbewerbsdruck und ökologische Überlastung in dem vermeintlichen Wassersportgebiet.

 

Ritterhude nicht auf dem Schirm

Bei der Projektvorstellung im Hamme Forum wurde deutlich, dass die Studierenden Ritterhude zunächst nicht wirklich auf dem Schirm hatten, bis Regine Schäfer von der Tourismusförderung RTV, die das Projekt leitete, im April die Hamme-Gemeinde und die Gegebenheiten vorstellte. Im Laufe des Semesters wurde Ritterhude für die neun Studierenden zur Herzensangelegenheit.

Amelie Alberts berichtete, was die Studierenden erarbeiteten, beispielsweise einen Kanu-Verleih in Kombination mit einem Fahrradverleih, wofür ein Betreiber gefunden werden müsste. Ebenso schrieben die jungen Leute unter anderem in ihren Maßnahmenkatalog einen Verleih von Stand-Up-Paddel-Boards oder Hydrobikes, Open-Air-Kino am Wasser, Ausbau der Beschilderung für Land und Wasser, die Öffnung des Naturinformationshauses zu regelmäßigen Zeiten, WC-Anlagen bei Anlegern und einen Lückenschluss des Radwegs entlang der Hamme zwischen Ritterhude und Osterholz-Scharmbeck. Eine App, die Besuchenden und Einheimischen einen Überblick darüber ermögliche, was gerade gehe und was nicht, stand ebenfalls auf der Liste. Statt Verbote zu erlassen, rieten die Studierenden, eine Besucherlenkung zu betreiben. Alle erarbeiteten Maßnahmen wurden ohne Berücksichtigung der Kosten entwickelt.

 

80 Prozent gehen in die Umsetzung

„Es hat Spaß gemacht, etwas Echtes gemacht zu haben“, dieses Fazit zog die Studentin Amelie Alberts am Ende der Vorstellung der Projektergebnisse. Sie und ihre Kommilitonin Hannah Behmer sowie sieben weitere Studierende gehen mit dem guten Gefühl in die Semesterferien, dass aus ihren Projektergebnissen nicht nur Papiertiger werden, sondern auch Diverses umgesetzt wird. Aus der Erfahrung heraus, so berichtete die Hochschulprofessorin Dr. Renate Freericks, seien bei ähnlichen Kooperationen in den Vorjahren gut 80 Prozent der Ergebnisse umgesetzt worden. Der Aspekt, Fördermittel für Maßnahmen zu generieren, um die Ideen der jungen Wissenschaftler:innen umzusetzen, wurde ausgelassen, denn hierfür sei Zeit und ein weiteres Projekt nötig, so Regine Schäfer und Prof. Dr. Freericks.

 

Ortsumfahrung ausgelassen

Mit dem Thema der geplanten, höchst umstrittenen Trassen der Ortsumfahrung wollte Schäfer die Studierenden nicht belasten. Jede Trassenvariante könnte das Erarbeitete zunichtemachen. Das Projekt wurde im IST-Zustand erarbeitet, da niemand weiß, wie die Zukunft in Sachen Ortsumfahrung aussehen wird.

Beide Projektpartner schöpften aus der Zusammenarbeit ihre Zukunftschancen. Die RTV hat neue Ideen aus junger Perspektive gewonnen. Die Studierenden gehen in ihre nächsten Semester mit Praktika und Auslandsaufenthalt. Amelie Alberts geht nach Thailand an die Uni in Bangkok und strebt ebenfalls an, ihr Praktikum dort zu absolvieren. Hannah Behmer geht in die Niederlande nach Breda. Nach dem Projekt in Ritterhude öffnet sich die weitere Tür in die Zukunft und in die große Welt.


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