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Leon Kazemi

Frauenfootball: Hype, wem Hype gebührt

Zum Saisonstart am 18. Mai ein Portrait über Venom Lilienthal, den bundesweit ersten eigenständigen Frauenfootball Verein.

(oben) Großer Kader trotz weiter Anfahrt: Die Spielerinnen von Venom Lilienthal und ihr Logo.
(unten) Die Spielerinnen im sogenannten Huddle vor weiteren Spielzügen.

(oben) Großer Kader trotz weiter Anfahrt: Die Spielerinnen von Venom Lilienthal und ihr Logo. (unten) Die Spielerinnen im sogenannten Huddle vor weiteren Spielzügen.

Bild: Florian Schuldt

Lilienthal. Am 18. Mai startet die 2. Bundesliga des Frauenfootballs mit dem Spiel der Oldenburger Knights Valkyries gegen Venom Lilienthal, dem bundesweit ersten eigenständigen Frauenfootballverein. Ein Porträt.

Die Sonne ist bereits untergegangen, als die Spielerinnen den Trainingsplatz betreten. Flutlichter erhellen den Platz und werfen lange Schatten auf den Rasen. Die Trainer rufen Anweisungen, während sich die Spielerinnen aufwärmen und für das Training vorbereiten. Kurz nachdem die Spielerinnen ihre Positionen eingenommen haben, erfüllt das Klappern von Helmvisieren die Luft. Mit einem Pass auf den Quarterback beginnt das Trainingsspiel von Venom Lilienthal, dem ersten eigenständigen Frauenfootballverein der Bundesrepublik.

 

Die Gründung

 

American Football ist ein Mannschaftssport, bei dem es darum geht, den Ball in die gegnerische Hälfte zu tragen oder zu werfen. Erreicht der Ball die sogenannte Endzone, erhält die Mannschaft Punkte. Die amerikanische Sportart wird in Deutschland immer populärer. So ist es nicht verwunderlich, dass die NFL inzwischen einzelne Spiele in Deutschland austrägt, wie im letzten Jahr in Frankfurt. Doch dass es inzwischen ein komplett eigenes Frauen Football Team gibt, ist dann doch einmalig. Venom Lilienthal wurde 2021 gegründet. Anfangs war die Mannschaft noch in einem anderen Verein integriert, in dem es neben der Frauenmannschaft auch eine Jugend- und eine Herrenmannschaft gab, aber dort sei der Frauenmannschaft nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt worden. So habe man sich entschlossen, einen eigenständigen Frauenfootballverein zu gründen, berichtet Vereinsgründerin Anna Höpner.

 

Mit Leidenschaft dabei

 

Derzeit wird auf dem Sportplatz in Seebergen trainiert. Man sei zwar froh, ein Zuhause gefunden zu haben, aber mit der Spielstätte sei man noch nicht ganz zufrieden, stellte der 2. Vorsitzende Daniel Kallen klar. Denn viele Spielerinnen kommen aus Bremen und dem Umland, einige sogar aus dem Bremerhavener Raum. Für die Anreise nach Seebergen ist man auf jeden Fall auf ein Auto angewiesen, da die Verbindungen nach Seebergen sehr schlecht sind. So müssen manche Spielerinnen teilweise direkt nach der Arbeit zum Training fahren, da sie 2 Stunden unterwegs sind. Der Verein ist sich dessen auch bewusst und schaut sich deshalb um, für die Zukunft ein neues Zuhause zu finden. Trotz der langen Anreise, die die Spielerinnen und Trainer auf sich nehmen, verfügt der Verein über einen Kader von über 40 Spielerinnen, was eindeutig die Leidenschaft und die Liebe der Spielerinnen zu ihrem Sport widerspiegelt.

 

Ein besonderer Teamgeist

 

Der generelle Hype um American Football macht sich auch im Team bemerkbar, es kommen ständig neue Spielerinnen dazu. Dies sei aber nicht nur auf den Hype zurückzuführen, sondern auch auf das einzigartige Konzept des Vereins, neue Spielerinnen zu gewinnen. Der Verein geht regelmäßig auf Tour durch das ganze Bremer Umland - sogar bis nach Bremerhaven -, um dort ein Training anzubieten und weitere Frauen für den Sport und für das Team zu begeistern. Die Besonderheit besteht darin, dass dies vor allem durch das Team selbst geschieht und die Coaches weniger beteiligt sind und lediglich organisatorisch im Hintergrund agieren. Neue Spielerinnen fühlen sich sofort sehr gut aufgenommen, weil sie von den Spielerinnen direkt begrüßt werden, und es entstehe so ein großer Teamgeist, der einzigartig sei, betont Kallen. Das bestätigt auch die Spielerin Ria. Das Teamgefühl sei hier so gut, dass es einfach unglaublich viel Spaß mache, hier zu trainieren. Außerdem betont sie, dass es beim Football extrem auf jeden einzelnen Spieler ankomme - ob man verliert oder gewinnt, jeder sei hier gleich wichtig, egal wie alt man sei oder welche Figur man hat. Das ist das Besondere am American Football: Jeder Körpertyp ist wichtig für das Spiel und macht den Sport für viele Menschen attraktiv. Ob der Sport auch in Zukunft so rasant an Popularität gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Dennoch wünschen sich Coach Justin Krieb und Daniel Kallen für die Zukunft, dass noch mehr Zuschauer zu den Spielen kommen und Interessierte beim Training vorbeizuschauen, damit der Verein und der Frauen Football weiter wächst. Dass Flag Football ab 2028 wieder eine olympische Sportart sein wird, werde dabei helfen, so Krieg. Und Venom Lilienthal wird nicht die einzige eigenständige Frauenfootballmannschaft in Deutschland bleiben.

 

Der Kickoff ist am Sonntag, 18. Mai, um 15 Uhr, Am Sportplatz 26d, Lilienthal.


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