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Einem Stein den passenden Rahmen geben

Worpswede. Es ist eine kunsthandwerkliche Institution in der Worpsweder Bergstraße: Goldschmied Thomas Rinke. Nun ist er auf den letzten Metern seines Räumungsverkaufs. Denn er gibt sein Geschäft auf und geht in die verdiente Rente. Dem Gold hält er aber die Treue.

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Noch läuft der Räumungsverkauf: Bis alles verkauft ist, bleibt Rinkes Geschäft noch geöffnet. Alle Stücke gibt es bis zum Schluss zum halben Preis.

 Foto: pvio

Noch läuft der Räumungsverkauf: Bis alles verkauft ist, bleibt Rinkes Geschäft noch geöffnet. Alle Stücke gibt es bis zum Schluss zum halben Preis. Foto: pvio

„Weil ich schon als Kind mit in die Werkstatt ging, kann man sagen, dass ich nicht mehr wirklich herausgekommen bin“, erklärt Thomas Rinke seine Berufswahl und lacht. Er ist Gold- und Silberschmied. Genauer gesagt: Mitte November wird er es hoffentlich - beruflich gesehen - gewesen sein. Bis dahin möchte er die letzten Schmuckstücke aus den Vitrinen in seinem kleinen Geschäft am Hotel Village in der Worpsweder Bergstraße verkauft haben. Denn Thomas Rinke gibt seinen Laden auf und geht mit 66 in Rente.
Er habe die letzten fünf Jahre leider vergeblich versucht, einen Nachfolger zu finden. Dass nun niemand sein Geschäft übernehme, sei zwar schade, aber er freue sich darauf, nicht mehr sechs bis sieben Tage die Woche arbeiten zu müssen. Die zweimonatige Coronazwangspause habe ihm gezeigt, wie schön das Leben auch ohne Arbeit sein kann.
Klar, er werde sich immer mal wieder seinem Kunsthandwerk widmen. Aber nur, wenn er Lust habe. Die Rente reiche und seine Werkstatt bleibe, da sie ohnehin schon immer bei ihm Zuhause war. Dort, wo Rinke auch 27 Bienenvölker beherbergt. Denn Rinke ist Hobbyimker. Wodurch er dem Gold - in flüssiger Form - treu bleiben kann, wie er erzählt.
 
Silber und Gold
 
Bereits Thomas Rinkes Eltern schmiedeten Gold. Der Vater war damals der jüngste Goldschmied Deutschlands und für sein Kunsthandwerk international bekannt. Bei ihm ging Thomas Rinke schließlich auch 1971 in die Lehre und erhielt 1981 den Meistertitel. Thomas Rinke verständigte sich aber nicht nur auf die Bearbeitung von Gold. Er absolvierte auch die Lehre zum Silberschmied.
„Ein Silberschmied stellt übrigens keinen Silberschmuck her“, erklärt Rinke seine zweite Passion. Der Unterschied zwischen Gold- und Silberschmied bestehe nicht im Material, sondern in der Arbeitsweise. Der Goldschmied stellt Schmuck, der Silberschmied profane und sakrale Ritualgegenstände her. Zum Beispiel Silberbecher, Teekannen, aber eben auch Abendmahlkelche.
Rinke fertigte vor allem Silberbecher an. Und die bestechen mit einem besonderen Detail: Im Boden ist ein Stein eingelassen. Oft ein Bergkristall. „Das ist mein Markenzeichen“, so Rinke.
2013 bildete er sich noch zum Restaurator fort. Das sei zwar „eine schöne Ausbildung“ gewesen, aber die Zeit, etwas zu restaurieren, habe er leider nie gefunden.
Die Zeit für die Ausbildung von neuen Auszubildenden dagegen schon. Eine von ihnen blieb sogar 35 Jahre und schließt nun gemeinsam mit Rinke das Geschäft.
 
Zeitloser Schmuck
 
Thomas Rinke hat seine Arbeit immer als Kunsthandwerk verstanden, für das es Ausdauer und Hingabe braucht. Für ihn heißt das, „ein Handwerk wirklich zu beherrschen und in Gestaltung übergehen lassen und Arbeiten von hoher Qualität herstellen zu können.“ Auf seine Arbeit bezogen bedeute das konkret: „Einem Stein den passenden Rahmen geben.“ Im Grunde sei er ein „Rahmenbauer“, scherzt Rinke. Die meiste Freude habe ihm die Herstellung schöner Ringe bereitet. Sein Schönster stehe auch noch zum Verkauf: Ein sechskarätiger Saphir, nicht erhitzt, sondern naturfarben, in Goldfassung. Originalpreis 28.000 Euro. Auch der ist nun für die Hälfte zu haben.
Bei seinem Handwerk habe er sich nie von Modetrends leiten lassen. Sein Schmuck habe keinen „modernen“, sondern „zeitlosen“ Charakter. Rinkes Schmuck sei einer von klassischer Gestaltung; einer, den man immer tragen könne.
 
Schluss nach 5 Dekaden
 
Anfänglich habe Rinke seine Stücke auf Kunsthandwerkermärkten und bei Ausstellungen im eigenen Wohnzimmer verkauft. Die letzten 14 Jahre bot er sie in seinem Geschäft in der Bergstraße an. Wo Rinke sich eine beachtliche Stammkundschaft aufbaute. Die rekrutierte sich nicht nur aus Worpsweder*innen, sondern bundesweit. Manche kamen gar aus Übersee.
Nun verkauft Rinke seine letzten Stücke - nachdem er über fast fünf Dekaden so manche und manchen mit seinem Schmuck hat königlich fühlen lassen.


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