Sandra Fricke

Digitaler Dauerstress

Burn & Learn - Die Stresskolumne von Sandra Fricke.

Geht es dir ähnlich? Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie oft ich das Handy in der Hand habe. Es geht selten ums Telefonieren. Meist sind es Social Media, Nachrichten, kurze Updates – nur „mal eben schnell“. Auch mein Job läuft darüber. Trotzdem darf ich mich erinnern: Das Handy ist nicht für Dauernutzung gemacht. Und mein Gehirn erst recht nicht.

Was passiert, wenn wir pausenlos online sind? Unser Gehirn bekommt kaum Gelegenheit, in einen Ruhezustand zu wechseln. Jede Nachricht, jedes Bild, jedes „Ping“ ist ein Reiz. Und Reize bedeuten Aktivierung – und Aktivierung bedeutet Stress. Selbst wenn wir ihn nicht bewusst wahrnehmen.

Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass Likes und neue Inhalte das dopaminabhängige Belohnungssystem im Gehirn aktivieren (Meshi et al., 2013). Genau dieses System reagiert auch auf andere belohnungsbasierte Verhaltensweisen. Unser Gehirn erwartet den nächsten Impuls – den nächsten Klick, das nächste Update. Bei intensiver Nutzung entstehen Aktivierungsmuster, die suchtähnlichen Mechanismen ähneln (Turel et al., 2014). Das erklärt, warum es uns oft so schwerfällt, das Handy einfach wegzulegen.

Hinzu kommt die Qualität der Inhalte. Perfekte Bilder erzeugen Vergleiche. Dauerhafte Krisenmeldungen halten unser Nervensystem in Alarmbereitschaft. Unser Körper unterscheidet nicht zwischen realer Bedrohung und digital konsumierter Gefahr. Cortisol bleibt erhöht, der Schlaf leidet, innere Unruhe wird zum Dauerzustand.

Ich habe für mich erkannt: Nicht das Handy ist das Problem – sondern die fehlende Begrenzung. Mein Gehirn braucht Pausen. Zeiten ohne Input, ohne Vergleich, ohne Nachrichten. Ein handyfreies Wochenende oder bewusst medienarme Urlaube verändern erstaunlich viel. Gespräche werden tiefer. Begegnungen echter. Miteinander entsteht dort, wo kein Bildschirm dazwischenliegt. Wir kehren zurück aus einer digitalen Scheinwelt in echte Verbindung.

Mein Tipp:

Schaffe dir feste digitale Ruhezeiten. Eine Stunde vor dem Schlafen kein Handy. Vielleicht ein kompletter handyfreier Sonntag. Dein Nervensystem wird es dir danken. Denn genauso wie unser Körper Bewegung braucht, braucht unser Gehirn Ruhe. Und manchmal beginnt sie mit einem einfachen Schritt: das Handy zur Seite legen.


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